Zwist mit Russland
Nato stockt Eingreiftruppe massiv auf

Erinnerungen an den Kalten Krieg werden wach: Die Nato-Krisentruppe soll auf 40.000 Soldaten wachsen und der Generalsekretär fordert höhere Verteidigungsausgaben. Andere Töne kommen von der Bundesverteidigungsministerin.
  • 20

BrüsselDie Nato will ihre schnelle Eingreiftruppe wegen der Spannungen mit Russland massiv aufstocken. Die Einheit solle von 13.000 auf bis zu 40.000 Soldaten anwachsen, kündigte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg zum Auftakt eines zweitägigen Treffens der Verteidigungsminister des Bündnisses am Mittwoch in Brüssel an.

Er mahnte die Verbündeten, auch ihre Wehretats als Reaktion auf die neue Sicherheitslage zu steigern. „Wir werden uns nicht in ein Wettrüsten treiben lassen, aber wir müssen unsere Länder schützen", sagte er. Dieses Jahr werden wohl nur fünf der 28 Nato-Mitglieder das beim Gipfel in Wales bekräftigte Ziel erreichen, zwei Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes für die Verteidigung auszugeben. Deutschland zählt trotz der geplanten Aufstockung seines Wehretats nicht dazu.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen rechnet trotz der neuen militärischen Drohgebärden nicht mit einem Rückfall in den Kalten Krieg. Damals hätten sich zwei Blöcke gegenübergestanden, heute sei die Welt durch die Globalisierung völlig verändert, sagte sie.

„Wir sind rund um die Welt vernetzt, wir sind ökonomisch miteinander so verflochten, dass es eine Rückkehr zum Kalten Krieg nicht geben kann und nicht geben darf." Trotz aller Konflikte sei allen Beteiligten bewusst, dass es Probleme wie die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) gebe, bei denen alle zusammenstehen müssten.

Den Kern der Eingreiftruppe namens Nato Response Force (NRF) bildet die 5000 bis 7000 Soldaten starke Speerspitze, die derzeit von Deutschland geführt wird und im Falle einer Krise im Osten zuerst zum Einsatz käme. Außerdem zählen dazu die Truppen, die sich auf die Übernahme der jährlich rotierenden Speerspitze vorbereiten sowie die, die diese Aufgabe gerade hinter sich haben – also zusammen noch einmal 10.000 bis 14.000 Soldaten.

Damit stehen der NRF drei Brigaden Landstreitkräfte zur Verfügung. Bei dem Treffen in Brüssel sollen ihnen Einheiten von Marine, Luftwaffe und Spezialkräften sowie weitere Kontingente auf freiwilliger Basis an die Seite gestellt werden.

„Wir werden den Entscheidungsprozess beschleunigen, aber die politische Kontrolle (über die Truppe) beibehalten", versicherte Stoltenberg. Er sprach damit ein Manko der NRF an: Sie wurde in der Vergangenheit nie eingesetzt, weil es stets am gemeinsamen politischen Willen mangelte. Deutschland beteiligt sich dieses Jahr mit 4000 Soldaten an der Truppe.

Kommentare zu " Zwist mit Russland: Nato stockt Eingreiftruppe massiv auf"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Eine Boden-Boden Rakete alleine gewinnt sicher keine Krieg und löscht auch keine 40000 Soldaten aus. Die USA verfügen übrigens über vergleichbare Systeme.

    Und sollte es wirklich zum Einsatz taktischer Nuklearwaffen kommen wird die NATO auch mit diesen antworten.

    Russland hat ohne Frage eine sehr starke Armee. Ob diese aber erfolgreich einen konventionellen Angriffskrieg gegen die NATO siegreich führen könnte halte ich für höchst zweifelhaft.

    Ebenso zweifelhaft ist es das das Baltikum so leicht wie die Ukraine auf unkonventionelle Art in Bedrängnis gebracht werden kann, da etwaige "Separatisten" nach dem Eintreffen regulärer NATO Truppen ohne offene Unterstützung Moskaus doch ziemlich aufgeschmissen wären

  • Eine Boden-Boden Rakete alleine gewinnt sicher keine Krieg und löscht auch keine 40000 Soldaten aus. Die USA verfügen übrigens über vergleichbare Systeme.

    Und sollte es wirklich zum Einsatz taktischer Nuklearwaffen kommen wird die NATO auch mit diesen antworten.

    Russland hat ohne Frage eine sehr starke Armee. Ob diese aber erfolgreich einen konventionellen Angriffskrieg gegen die NATO siegreich führen könnte halte ich für höchst zweifelhaft.

    Ebenso zweifelhaft ist es das das Baltikum so leicht wie die Ukraine auf unkonventionelle Art in Bedrängnis gebracht werden kann, da etwaige "Separatisten" nach dem Eintreffen regulärer NATO Truppen ohne offene Unterstützung Moskaus doch ziemlich aufgeschmissen wären.

  • @Herr Wolfgang Wüst-In dieser Welt voller so praktischer Naturgesetze ist es wichtig, dass man seine Freunde kennt. Und die US-Oligarchen sind es nicht!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%