Zwölf US-Soldaten getötet
Kämpfe im Irak weiten sich aus

Nach heftigen Kämpfen mit radikalen Schiiten haben die US-Truppen im Irak am Dienstag auch im so genannten sunnitischen Dreieck schwere Verluste erlitten. Bei Gefechten in der Stadt Ramadi westlich von Bagdad wurden nach einem Bericht des Nachrichtensenders CNN zwölf Marineinfanteristen getötet. Der örtliche Stützpunkt sei von Aufständischen angegriffen worden. Es habe auch zahlreiche irakische Opfer gegeben, hieß es.

HB BAGDAD/CRAWFORD. Ersten Berichten zufolge griffen Dutzende Iraker die Stellung der Marineinfanteristen nahe dem Gouverneurspalast an, wie aus dem Verteidigungsministerium in Washington verlautete. Dabei sei auch „eine bedeutende Zahl“ Iraker getötet worden. Wer genau die Soldaten in der mehrheitlich von Sunniten bewohnten Stadt angegriffen habe, sei noch nicht bekannt.Trotz der erneuten schweren Kämpfe bekräftigte die US-Regierung, an ihrer Irak-Politik festzuhalten. „Wir sind fest entschlossen und unerschütterlich und werden die Oberhand behalten“, sagte Präsidialamtssprecher Scott McClellan.

Die Verluste in Ramadi zählen zu den schwersten der USA seit Beginn des Irak-Krieges vor einem Jahr. Allein seit Sonntag sind 30 US-Soldaten bei Kämpfen im Irak getötet worden. Ramadi liegt rund 100 Kilometer westlich der Hauptstadt Bagdad und ist eine Hochburg der Sunniten und von Anhängern des gestürzten Präsidenten Saddam Hussein. In der Region ist der Widerstand gegen die US-geführten Besatzungstruppen seit Monaten besonders groß. In den vergangenen Tagen war es allerdings in anderen Landesteilen zu Kämpfen zwischen radikalen Schiiten und Besatzungssoldaten gekommen, bei denen mehr als 130 Menschen getötet wurden.

US-Präsident George W. Bush wurde über die Kämpfe in Ramadi auf seiner Ranch in Crawford im Bundesstaat Texas informiert, wo er sich über die Osterfeiertage aufhält. Über die aktuelle Lage wolle er sich am Mittwochmorgen bei einer Videokonferenz mit dem Nationalen Sicherheitsrat informieren, an der auch der US-Zivilverwalter im Irak, Paul Bremer, und dem Oberbefehlshaber des US-geführten Militäreinsatzes in dem Land, General John Abizaid, teilnähmen, sagte McClellan. Zudem werde Bush im Tagesverlauf mit dem britischen Premierminister Tony Blair telefonieren. Blair ist der engste Verbündete Bushs im Irak-Konflikt und wird am Freitag kommender Woche zu Gesprächen in Washington erwartet.

Die radikalen Schiiten um den Geistlichen Moktada el Sadr wollen ihre Rebellion bis zu einem Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak fortsetzen. Die Kämpfe in von den der schiitischen Bevölkerungsmehrheit dominierten Gebieten haben für die US-geführte Besatzungsarmee eine zweite Front eröffnet. Bislang konzentrierte sich der Widerstand auf sunnitische Gebiete, wo Freischärler fast täglich US-Soldaten angreifen. Der Aufstand der radikalen Schiiten erstreckt sich vom britisch kontrollierten Basra im Süden des Landes über das unter spanischer und italienischer Kontrolle stehende Kernland der Schiiten bis nach Bagdad hinein. Trotz der anhaltenden Gewalt wollen die USA die Macht wie geplant im Sommer an eine irakische Übergangsregierung übergeben.

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