Zypern
Banken bleiben noch bis Dienstag geschlossen

Zyperns Nationalbank sichert einem Bank-Run vor: Die Geldhäuser des Landes werden vor dem kommenden Dienstag nicht wieder öffnen. Russlands Ministerpräsident Medwedew schaltet sich in die Krise ein – mit herber Kritik.
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Nikosia/MoskauDie maroden Banken im pleitebedrohten Zypern bleiben auch am Donnerstag und Freitag geschlossen. Das teilte die Zentralbank am Mittwoch in Nikosia mit. Die Entscheidung liege im allgemeinen Interesse, hieß es zur Begründung. Da am Montag Nationalfeiertag ist, werden die Institute damit nicht vor Dienstag kommender Woche wieder öffnen. Möglicherweise werden vorläufig auch eine Reihe von Einschränkungen für Geldüberweisungen ins Ausland gelten, berichtete das Staatsradio.

Die Banken hätten nach Plänen aus der Zeit vor dem gescheiterten Rettungspaket eigentlich am Donnerstag wieder öffnen sollen. Zwar ist es in Zypern immer noch möglich, Geld am Bankautomaten zu bekommen – das Tageslimit soll bei 700 Euro liegen. Der Zahlungsverkehr ist aber bereits stark eingeschränkt. So verweigern Tankstellen die Zahlung per Bankkarte, viele Geschäfte weisen auch Schecks zurück und wollen Bargeld für Einkäufe.

Über die weitere Schließung der Banken war zuvor bereits spekuliert worden. Es wird ein Run der Kunden befürchtet, die um ihre Einlagen fürchten. Sollten massenhaft Gelder abgezogen werden, wäre das für die maroden Institute zudem kaum zu verkraften.

Wie der öffentliche Rundfunk am Abend berichtete, prüft die Regierung ein Gesetz, das den Abzug von Kapital ins Ausland beschränken soll, wenn die Institute wieder öffnen. Dabei solle zwischen stabilen Banken und solchen Instituten unterschieden werden, die durch Krise gefährdet sind. Den Plänen müsste das Parlament zustimmen.

Der zyprische Ministerrat war am Mittwochabend unter Vorsitz des zyprischen Präsidenten Nikos Anastasiades zusammengekommen, um die verfahrene Situation zu beraten. Es werde keine Statements oder Pressemitteilungen geben, hieß es am Abend.

Im Ringen um eine Lösung der Zypern-Krise hat der russische Regierungschef Dmitri Medwedew den Inselstaat sowie die EU-Spitze kritisiert. Die Europäische Union, die EU-Kommission und die zyprische Regierung verhielten sich wie ein Elefant im Porzellanladen, sagte Medwedew am Mittwoch der Agentur Interfax zufolge. „Mir scheint, dass alle möglichen Fehler, die in solch einer Situation gemacht werden können, bereits gemacht wurden“, sagte der Ministerpräsident.

Bei den bevorstehenden Gesprächen mit der EU-Kommission in Moskau müsse die zyprische Finanzkrise „sehr aktiv“ besprochen werden, sagte Medwedew. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso wurde noch am Mittwochabend in Moskau erwartet.

„Ich hoffe, dass letztlich eine maximal austarierte Entscheidung getroffen wird, die sowohl Zypern hilft als auch unsere Beziehungen mit der EU nicht belastet“, sagte der russische Regierungschef mit Blick auf die Verhandlungen von Zyperns Finanzminister Michalis Sarris in Moskau. Die zunächst angedachte Zwangsabgabe auf zyprische Spareinlagen hatte Medwedew zuvor mit Enteignungen wie zu Sowjetzeiten verglichen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • O-Ton Medwedew
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    Im Ringen um eine Lösung der Zypern-Krise hat der russische Regierungschef Dmitri Medwedew den Inselstaat sowie die EU-Spitze kritisiert. Die Europäische Union, die EU-Kommission und die zyprische Regierung verhielten sich wie ein Elefant im Porzellanladen, sagte Medwedew am Mittwoch der Agentur Interfax zufolge. „Mir scheint, dass alle möglichen Fehler, die in solch einer Situation gemacht werden können, bereits gemacht wurden“, sagte der Ministerpräsident.
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    Will er nur große Töne spucken, oder hat er was auf der Kralle?

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    O-Ton Mazi
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    Herr Schäuble hat keineswegs daraus das Recht, diese Einlagen unter dem Verdacht der Herrenlosigkeit zu vereinnahmen. Das ist der eigentliche Skandal.
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    Wieso ist es ein Skandal, daß Herr Schäuble nicht das Recht hat, "diese Einlagen unter dem Verdacht der Herrenlosigkeit zu vereinnahmen"?

    Sollte er dieses Recht denn haben?

    Oder sollten Sie mit ihrem Gestammel etwa insinuieren wollen daß Schäuble sich dieses Recht anmaßte?

    In diesem Falle sollten Sie sich daran erinnern, daß die zypriotische Regierung diese Mittel zur Sanierung ihrer Banken braucht.

    Schäuble will davon keinen Pfennig.

  • "Sollen doch die Russen ihre Russland verlassende Milliarden an schwarzgelder besser kontrolieren"

    So ist es. Herr Schäuble hat keineswegs daraus das Recht, diese Einlagen unter dem Verdacht der Herrenlosigkeit zu vereinnahmen. Das ist der eigentliche Skandal.

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