Zypern herabgestuft
EZB sieht noch keinen Grund für Schuldenschnitt

Die Ratingagentur Standard & Poor's hat die Kreditwürdigkeit Zyperns um zwei Stufen gesenkt. Die IWF denkt bereits an einen Schuldenschnitt für das Land und erntet dafür Widerspruch von der Europäischen Zentralbank.
  • 6

New YorkTrotz der Finanzkrise in Zypern sieht die Europäische Zentralbank (EZB) noch keinen Grund für einen Schuldenschnitt für das hochverschuldete Land. „Für Zypern stellt sich derzeit noch nicht die Frage, ob ein Schuldenschnitt erforderlich ist", sagte das EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen im ARD-Morgenmagazin. Es sei aber jetzt bereits absehbar, dass der Schuldenstand so weit steigen werde, dass „er nicht tragbar sein wird".

Es müssten Maßnahmen geprüft werden, um die Staatsverschuldung wieder auf ein tragbares Niveau zu senken, sagte Asmussen. Es müssten „Haushaltsüberschüsse über Jahre erzielt werden und wahrscheinlich umfangreich privatisiert" werden. Die zentrale Frage sei, wie „man das Land wieder auf einen Pfad bringen kann, dass es wachsen kann. Dafür ist der Bankensektor zu groß. Er wird schrumpfen müssen", sagte Asmussen. Zudem müsse es ein umfangreiches Reformprogramm geben.

Auch der zyprische Präsident Dimitris Christofias hat einen Schuldenschnitt für das hochverschuldete Land ausgeschlossen. „Zypern wird dem nicht zustimmen“, sagte Christofias im zyprischen Rundfunk (RIK) am Freitag. Der Internationale Währungsfonds (IWF) soll laut Medienberichten einen Schuldenschnitt für Zypern gefordert haben. Nur dann werde er sich an einem Hilfspaket beteiligen.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte im ARD-Morgenmagazin, für Zypern gebe es Hilfsmechanismen, „wenn Zypern diese will und beantragt". Dies setze aber voraus, dass Zypern „wirklich ernsthaft" Reformen umsetze. „Da sind mit Sicherheit noch weitere erhebliche Schritte notwendig: echter Sparhaushalt, echte Strukturreformen. Und wenn Zypern bereit ist, diesen Weg zu gehen, dann ist Europa auch bereit zu helfen", sagte Westerwelle.

Auch nach Ansicht des scheidenden Eurogruppen-Chefs Jean-Claude Juncker gehört ein Schuldenschnitt für Zypern nicht zu den prioritär zu nutzenden Instrumenten für das Land. „Ich möchte das meinerseits auch ausschließen", sagte Juncker am Freitag im Deutschlandfunk. Es sei ungesund, darüber zu spekulieren. Griechenland sei eine Ausnahme gewesen, ergänzte Juncker. „Wir haben nicht gesagt alle griechisch-sprachigen Länder, wir haben gesagt Griechenland." Zugleich gab er zu, dass es schwierig sei, dem Steuerzahler zu erklären, dass ein weiteres Land gerettet werden müsse. Dies sei bei jedem Programm nicht einfach gewesen, in der Causa Zypern sei es noch schwieriger.

Unterdessen hat die Ratingagentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit Zyperns erneut um zwei Stufen gesenkt. Die Bonitätsnote sei von „B“ auf „CCC+“ reduziert worden, teilte S&P in der Nacht zu Freitag mit. Zuletzt hatte die US-Ratingagentur die Kreditwürdigkeit des Euro-Landes Mitte Oktober gleich um drei Stufen gesenkt.

Seite 1:

EZB sieht noch keinen Grund für Schuldenschnitt

Seite 2:

Im Strudel der Griechenlandkrise

Kommentare zu " Zypern herabgestuft: EZB sieht noch keinen Grund für Schuldenschnitt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • es wird "umfangreich privatisiert" werden müssen.
    Also Ausverkauf von Zypern, Arbeitslosigekeit, Exil, Selbsmorde.
    Es lebe der Kapitalismus

  • Ist ein Bailout nocht verboten, wenn ein Staat nicht systemrelevant ist und die Eurozone als Ganzes gefährdet?
    Oder ist das auch eine der zahllosen Lügen, Tricksereien, Versprechungen, die mit dieser Katastrophenwährung einhergehen?
    Wie kann ein Staat fast 100% seiner Wirtschaftsleistung als Hilfe erhalten? Auch dem dümmsten Abnicker im Bundestag muß doch klar sein, dass eine Rückzahlung niemals möglich ist.
    Die Euroretter alimentieren organisierte Kriminalität, sie enteignen ihre Steuerbürger, um die Verluste von einigen Reichen zu übernehmen. Es wird Zeit, diese Eurowahnsinnigen vor Gericht zu stellen. Die, die GR und Zy in den Euro ließen, die, die jahrelang zuschauten wie Spanien jährlich mehr Häuser baut als F,GB und D zusammen, und das noch als mustergültig feierten, usw...


  • Aber das machen wir doch gerne, schliesslich wissen die Jungs ja auch, wo unserer Leunamillionen blieben...

    Und damit ist ja nun wirklich kein Wahlkrampf zu machen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%