Zypern-Hilfe Europas Albtraum: Russland geht auf Einkaufstour

Für die Zyprer ist es in den Verhandlungen mit der Troika eine starke Drohung, für die Europäer ein Horrorszenario: Russland könnte Zypern rasch aus der Patsche helfen – und sich eine strategisch wichtige Insel zulegen.
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Moskau/NikosiaAn diesem Mittwoch hat sich der Schauplatz für das Rettungsdrama um Zypern weit nach Osten verlegt. Über die Rettung des EU-Mitglieds vor dem Bankrott wird nicht in Nikosia oder Brüssel verhandelt, sondern in Moskau. Russland, dessen Unternehmen und Oligarchen stark in Zypern investiert haben, könnte das Miniland rasch retten – und sich dafür gewaltige strategische Vorteile erkaufen.

Zyperns Finanzminister Michalis Sarris ist nach Moskau gereist, um die Möglichkeiten der Hilfe auszuloten. Die ersten Gespräche mit Russlands Finanzminister Anton Siluanow seien „sehr konstruktiv, sehr ehrlich“ verlaufen, sagte Sarris anschließend. Der Inhalt sei nicht nur eine Verlängerung des bestehenden Kredites oder die Bereitstellung eines neuen Kredits gewesen, sondern sei „darüber hinaus“ gegangen. Später will sich Sarris auch mit Russlands einflussreichem ersten Vizepremier Igor Schuwalow treffen. Die Beratungen, so Sarris, würden so lange dauern wie nötig.

Am Abend zuvor war die Abstimmung über das Euro-Hilfspaket in Zyperns Parlament gescheitert. Daraufhin hatte Präsident Nikos Anastasiades direkt mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin telefoniert. „Die beiden Staatschefs analysierten die Wirtschaftslage in der Republik Zypern. Dabei ging es auch um die Vorschläge der Euro-Gruppe zur Überwindung der Krise“, erklärte Putins Sprecher anschließend. Beide Präsidenten verabredeten außerdem ein Treffen, ein Termin wurde allerdings noch nicht genannt.

Noch geht es um Kredite und Hilfen, aber es könnte sehr schnell um sehr viel mehr gehen. Wenn sich die Zyprer und die Euro-Gruppe nicht auf einen Kompromiss einigen können, wird sich die Insel woanders Hilfe suchen müssen. Sie wird dann aber nicht in der Euro-Zone bleiben können – und damit auch nicht in der Europäischen Union.

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119 Kommentare zu "Zypern-Hilfe: Europas Albtraum: Russland geht auf Einkaufstour"

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  • Mit einer Zypern--Rettung hätte man doch nur weitere Gesetze gebrochen. Zypern und seine Banken ist nicht systemrelevant. Eine Vermögensabgabe in der vorher geplanten Höhe ist doch pippifax im Vergleich zum Wahlprogramm der Grünen für Deutschland. Der erste Fehler der EU war ja, den griechischen Teil überhaupt in die EU aufzunehmen, bevor sie sich nicht mit dem türkischen Teil auf einen modus vivendi geeignet hat. Ganz zu schweigen vom Euro. Wenn Zypern ohne Bedingungen geholfen würde, würden sich doch die anderen Länder unter dem Schirm fragen, warum sie so blöde waren, Bedingungen zu akzeptieren, die ihre Retter vor dem Staatsbankrott an sie stellen. Wenn die Zyprioten meinen, ein russischer Kredit sei billiger als ein europäischer, und die Russen seien langmütigere Gläubiger als die blöden europäischen Steuerzahler - nur zu!

  • @ R.Rath
    "China ist für Deutschland ein unverzichtbarer Markt, gegenseitige Abhänigkeiten werden immer größer."
    Das mag sein, aber China braucht Deutschland nicht!

  • @Vicario:
    genauso wohl wie viele Bürger in Russland nehme ich an. Wie war das nochmal - Aufstand mit Legofiguren, weil sonst ab in's Gefängnis????

    Nicht jeder hat denselben Geschmack.....und dieselbe primitive Lebensart.....

  • Großes Thema auf der nächsten NATO-Sicherheitskonferenz:
    "Wie wir durch durch die Eurokraten unsere wichtige Südflanke verwundbar machten und schliesslich verloren geben mußten."

    Zypern ist nicht der letzte "Fall", die Chinesen warten geduldig auf ihre Chance.

  • Eigentlich ist das alles seitens EU sehr gut gemacht:
    Dass Zypern einen Eigenbeitrag leistet sei mal als selbstvertändlich vorausgesetzt. Dass dieser Beitrag aus den Bankguthaben bestritten werden soll ist nicht nur für Zyprer eine heikle Sache, sondern auch für jeden braven Sparer.
    Dass die Zyprer die Suppe (so) nicht auslöffeln wollen ist vielleicht das Geniale daran: Dann muss der Suppenkasper nun bei den Russen an seiner Lernkurve trainieren.
    Für uns Deutsche kann sich das nur positiv entwickeln: Entweder kommen die Zyprer (und alle weiteren Pleitekandidaten) zur Räson, was gut wäre, oder sie scheren sich zu Dritten (was absehbar für die Zyprer nicht gut gehen kann).
    Dann kommen sie halt auf diese Weise zur Räson (zumindest die nächsten Pleitekandidaten, wenn sie sehen, was die Russen mit den Zyprioten anstellen, wenn sie sich ausgeliefert haben.)!

  • @MIB
    Bingo; "Verstand hat immer Recht".Die deutsche Politik muss gar nichts "machen", sondern ist diesemal in der komfortablen Situation, sich nicht rühren zu müssen.
    Die Zyprioten befinden sich in der Lage, entscheiden zu müssen, ob "sie wollen oder nicht" so oder so. Sie werden mit den Konsequenzen der Ergebnisse ihrer "Geschäftpolitik" leben müssen.

  • Wenn man die Bankkunden in Zypern gefragt hätte, ob sie bereit wären ihren Beitrag an der Sanierung der Staatsschuld zu leisten. Wäre das Resultat im Parlament vielleicht anders aus gefallen. Anstatt über den Köpfen der Leute zu entscheiden.

  • Seit Rußland als Staat gibt, drängt es ans Meer, genauer gesagt erstrebt es eisfreie Tiefwasserhäfen. Im Osten hat dieser Drang bis nach Wladiwostok geführt, im Westen geht es um die Umgehung des Skagerak und der Dardanellen, die beide leicht abzuriegeln sind. Darum unterhält Rußland auch eine Marinebasis in Syrien, deren Bestand jetzt gefährdet ist.

    Rußland wird die Gelegenheit nützen und sich in Zypern einkaufen, bzw. es unterwandern. Damit gewinnt es einen unsinkbaren Flugzeugträger im Mittelmeer wie die Engländer ihn einst in Malta hatten. Außerdem läßt sich damit die Türkei in die Zange nehmen, deren Umtriebe imKaukasus den Russen schon längst ein Dorn im Auge ist. Die Türkei wird damit ihren Wert als Natopartner ebenfalls verlieren und eine künftige EU-Zugehörigkeit wird hintertrieben, weil immer unwahrscheinlicher. Der Eingang zum Suezkanal liegt in Spuckweite gegenüber Zypern, auch nicht gerade ein Nachteil, wenn man derart die Erdölimporte Europas in den Griff bekommt. Das ganze nennt man Geostrategie, rein zufällig natürlich.

    Daß da unter Zypern auch noch Öl und Gas auf die Ausbeutung wartet, ist eigentlich nur noch die Sahnehaube auf der Torte.

    Was spielen da 10, 20 oder mehr Milliarden $ oder € für eine Rolle? Nachdem aber Europa schon längst keine vergleichbaren Ambitionen mehr hat, wird es jetzt die Bieterstunde versäumen.

  • Aus Frankfurt a.M. bekommen die nichts.

    Angebliche Stromausfälle: "To protect themselves, The Pentagon, CIA, the British Parliament and most large corporations decided to completely shut down their mail systems.[7]" http://en.wikipedia.org/wiki/ILOVEYOU

    http://books.google.de/books?id=rebq5IHSfkIC&pg=PA115&lpg=PA115&dq=%22noble+house%22+%22ho+pak%22+run&source=b#v=onepage&q=%22noble%20house%22%20%22ho%20pak%22%20run&f=false

  • 'Ljusja' sagt
    -------------

    @ Rechner

    Zitat : Wer Aktiva bei Pleitebanken unterhält, der hat selbst ein Problem

    Volle Zustimmung, da sind die Deutschen Banken mit 6 Mrd. € mit dabei !
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    Echt?

    Wo haben Sie die Zahlen her?

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