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Wie der Schwanz mit dem Hund wackelt

Zypern-Hilfe vorerst gescheitert
Wie der Schwanz mit dem Hund wackelt

Zyperns Regierungspartei will das Votum übers Rettungspaket verschieben – und der Euro-Zone Zugeständnisse abringen. Zypern führt vor, wie ein Inselstaat, der wirtschaftlich halb so stark wie Bremen ist, die EU erpresst.

DüsseldorfEs klingt wie ein Treppenwitz. Eine winzige Insel, deren Wirtschaftskraft etwa halb so groß ist wie die des Stadtstaates Bremen, spielt mit der zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt Katz und Maus. Zum Vergleich: Das Bruttoinlandsprodukt der Euro-Zone ist mehr als 550-mal so groß wie das von Zypern.

Dennoch sträubt sich der kleine Inselstaat gegen die Bedingungen für ein Rettungspaket der anderen Euro-Länder.  Durch das Hilfspaket würden die zyprischen Banken und der Staat Hilfen der anderen Euro-Länder in Höhe von zehn Milliarden Euro bekommen.

Allerdings sollen sich auch die zyprischen Sparer an der Rettungsaktion beteiligen. Bankeinlagen bis 100.000 Euro sollten mit einer Zwangsabgabe von 6,75 Prozent belastet werden. Beträge darüber mit 9,9 Prozent, so der Plan.

Doch das lehnen die zyprischen Parlamentarier vehement ab. Das Rettungspaket ist am Dienstagabend im Parlament auf ganzer Linie durchgefallen. 36 von 56 Abgeordneten stimmten nach einer hitzigen Debatte dagegen. 19 enthielten sich der Stimme. Eine Abgeordnete war nicht anwesend.

Damit hat Zypern einen Präzedenzfall geschaffen. Bisher haben die Parlamente der rettungsbedürftigen Länder die Auflagen für Hilfspakete stets akzeptiert. Doch das zyprische Parlament wähnt sich offenbar in einer guten Verhandlungsposition und hofft auf Nachbesserungen.

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Wie der Schwanz mit dem Hund wackelt

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„Es wird weitere Verhandlungen geben“

Kommentare zu "Wie der Schwanz mit dem Hund wackelt"

Alle Kommentare
  • Gratulation an Zypern.

    Man kann der Regierung in Zypern für ihr Verhalten nur gratulieren, denn die Finanzminister der Euroländer habe die Sache ja schlecht durchdacht auf die Spitz getrieben und erhalten jetzt dafür ihre Quittung.

  • Die Zyprioten sind nicht besonders clever, die andere Verhandlungsseite ist schlichtweg dümmer.

  • weitere Verhandlungen sind moeglich, sie sollten beginnen mit:jetzt sind es 15 Prozent ohne Ausnahme.

  • Die EU verkennt die Lage. Es geht Zypern nicht um die Spareinlagen von irgendwelchen Witwen und Weisen - es geht vielmehr um das Geschäftsmodell der Insel. Diese besteht in einer Mischung aus Steueroase, Geldwaschanlage und Schwarzgeldbahnhof. Viele - auch deutsche - Firmen haben Dependenzen in Zypern, auf die sie Gewinne "steuerschonend" verschieben. Das schädigt den deutschen Staat und seine Bürger massiv und kann nicht weiter geduldet werden. Doch die Zyprioten spielen nun das gleice Spiel wie Griechenland: verzögern, taktieren, einwilligen und widerrufen. Dem südländischen Verhandlungstemperament ist die Bürokratenkralle Brüssel nicht gewachsen. Die sind auf dämliche Lammländer wie Deutschland eingestellt, die streberhaft jede Weisung übererfüllen. Übrigens: Mochten Sie früher die Klassenstreber?

  • endlich zeigt ein Parlament den "ewigen" Rufen nach "Systemrelevanz" und "Alternativlosigkeit" die Rote Karte. Der Deutsche Bundestag würde in gleicher Lage mit 2/3 Mehrheit zustimmen...

  • Ich wollte nur nochmal hier in Erinnerung rufen, das die neue Partei AfD dafür ist den Euro zum Teufel zu jagen und uns aus der erpressbaren Koalition der verschwenderischen Eurostaaten zu verabschieden. Kein Land in Europa könnte uns seine Bedingungen aufzwingen. Vielleicht kapieren ja jetzt einige Deutsche, daß wir dringend wieder unsere Eigenständigkeit in der Geldpolitik brauchen.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Regling und sein "systemrelevant": Das ist doch nur eine Behauptung. Wie wollen denn die Euroretter das belegen? Die Euroretter haben schon lange ihr Gesicht verloren: Nicht sie sitzen am längeren Hebel und diktieren Vorgaben (die falls doch aufgeweicht und bis in 25 Jahre verlängert werden), sondern die Nehmer der Finanzhilfe.
    Denn: sie Euroretter werden gezwungen immer mehr zu geben, damit die bereits gegebenen Mittel nicht verloren sind. Aber das war abzusehen, und Merkel verkaufte das noch als "alternativlos". Der Fehler wurde im Mai 2010 gemacht.

  • Ist überhaupt kein Wunder, dass Zypern so handelt. Die EU möchte , dass Zypern seine Luxusgrundlage preisgibt: die zwielichtige Bankenwirtschaft. (wenn sie denn überhaupt zwielichtig ist) Da macht natürlich die Regierung nicht mit, wollte ihre Investoren schonen - und hat dabei das eigene Volk erschreckt. Die Opposition wittert ihre Chance und sagt "nein". Das Volk wird es ihr danken.
    Nun ist die Karre im Dreck: die ausländischen Investoren werden ihr Geld abziehen, nach Twitter-Quellen 30 Milliarden! Wird die EU das retten können oder wollen? Also wird das zyprische Volk sein Geld nicht abheben können, denn die anderen sind schneller?

    Macht Zypern mit, sind die Banken Freitag pleite, die EU muss stützen, welche Auflagen wird Zypern dann tragen müssen?

    MAcht Zypern nicht mit, behält Zypern wenigstens die Ehre und eventuell auch einen gehörigen Teil des Geldes in den Banken, indem es Schuldscheine auf die Zukunft ausgibt.

    Eventuell ist Zypern viel besser dran ohne die EU?

    Aber: was passiert - in Fall A oder Fall B - in der EU?

  • Zypern sollt man jetzt sich selbst überlassen. Vielleicht besitzen sie ja so viel Verhandlungskompetenz, dass sie den russischen OligARSCHen die 5,8 Milliarden aus den Rippen betteln. Wir jedenfalls sollten darauf bestehen, dass die Abmachungen von Brüssel gültig sind und gültig bleiben. Wo kämen wir hin, wenn jede Abmachung bereits nach einem Tag wieder hinfällig würde? Das wäre ein fatales Signal an die anderen Bankrotteure, die sich das Spiel aus der südlichen Nähe anschauen - um daraus eine verbindliche Handlungsoption ableiten zu können. Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem nicht nur eurpäische Verträge, der Vertrag von Lissabon, sondern jede Krisenverhandlung obsolet wird. Wir haben also de facto und de jure absolut keine Rechtssicherheit mehr - denn jeder kann im Grunde machen, was er will (auf unsere Kosten!)!

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