Zypern in der Krise
Opposition fordert Volksabstimmung über Euroaustritt

Das zyprische Parlament stimmt zwar dem Hilfspaket zu, doch nur ganz knapp. Die Opposition sieht nur einen Ausweg aus der Krise: den Abschied vom Euro. Nun soll das Volk entscheiden, ob es den Euro behalten will.
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AthenEine Stimme gab den Ausschlag: Mit der denkbar knappen Mehrheit von 29 gegen 27 Stimmen hat das zyprische Parlament am Dienstagabend die Kreditverträge mit der Europäischen Union (EU) und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) ratifiziert. Damit ist der Weg frei für die Auszahlung der dringend benötigten Hilfskredite. Der konservative Staatspräsident Nikos Anastasiadis will den unpopulären Sparkurs mit Reformen flankieren, Korruption und Vetternwirtschaft bekämpfen. Die kommunistische Opposition unterlag bei der Abstimmung, lässt aber nicht locker: Sie fordert den Austritt Zyperns aus der Eurozone.

„Zypern kann wieder atmen“ – mit diesem Seufzer der Erleichterung kommentierte Anastasiadis das Abstimmungsergebnis. Ohne die Hilfskredite wäre Zypern noch in diesem Monat zahlungsunfähig. Zehn Milliarden Euro soll das Land in mehreren Raten bis 2015 erhalten, neun Milliarden von den Euro-Staaten, eine vom IWF. Mit den Geldern werden fällige Schulden refinanziert und Haushaltslöcher gestopft, damit der Staat weiter Gehälter und Renten zahlen kann.

Staatschef Anastasiadis macht sich aber keine Illusionen: „Wir gehen schwierigen Zeiten entgegen“, sagte er. Denn rund weitere 13 Milliarden Euro müssen die Zyprer mit einem Sparprogramm selbst zu ihrer Rettung beitragen. Zahlreiche Steuern werden erhöht, die Bezüge der Staatsbediensteten gekürzt. Die tiefsten Einschnitte gibt es im Bankwesen. Finanzdienstleistungen waren bisher neben dem Tourismus die wichtigste Säule der zyprischen Wirtschaft – bis die beiden großen zyprischen Banken mit griechischen Staatsanleihen zwischen 2009 und 2012 ihr gesamtes Eigenkapital verzockten.

Für die Rekapitalisierung der Banken wird es ausdrücklich keine europäischen Steuergelder oder IWF-Kredite geben. Das zweitgrößte Geldinstitut der Insel, die Laiki Bank, wird abgewickelt. Guthaben über der Grenze von 100.000 Euro, die nach EU-Recht garantiert sind, dürften verloren sein. Beim Branchenführer Bank of Cyprus erwartet Kunden mit Guthaben von mehr als 100.000 Euro eine Zwangsabgabe von voraussichtlich 60 Prozent. Dafür bekommen die Kontoinhaber neue Aktien, die aber nicht viel wert sind. Die Teilenteignung, ein bisher im Euro-Raum beispielloser Vorgang, trifft nicht zuletzt ausländische Kunden aus Russland, der Ukraine, dem Libanon und Großbritannien, die wegen hoher Zinsen, günstiger Steuersätze und der gebotenen Diskretion ihr Geld zyprischen Banken anvertraut hatten.

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„Dieses Programm zerstört unseren Bankensektor“

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  • Uups, Dilling bitte etwas kleiner und schneller schreiben, sonst kann Frau Murksel das vielleicht mitlesen. Und das wird ihr so weh tun in ihrem kleinen Kinderherzchen. Immerhin ist sie doch die mächtigste Frau der Welt (so glaubt sie zumindest, weil der Mainstream das so kommuniziert).

    Entschuldigung, aber die gesamte verantwortliche Brut schwebt doch auf Wolke 147 (sieben reicht nicht mehr aus). Diese Bande ist völlig weltfremd und fühlt sich nur nach Anflug im Kanzlerjet, nach Empfang mit militärischen Ehren und gutem Fresschen bei vermeintlich guten Freunden wohl und wichtig.

    Was zäglt da schon die Meinung des Volkes? Der Pöbel soll malochen und den Mund halten.

  • nee, nee, wo denkst du hin. Sowas machen die nicht, das ginge gegen ihre Politikerehre und das will was heißen.

    Alle Statistiken, Erhebungen, Voraussagen, Reden, Versprechen, Bekanntgaben, Zahlenveröffentlichungen aller Art sind nichts als die reine, pure Wahrheit.
    Wer es nicht glaubt, wird erschossen.

  • Der Austritt der Peripherieländer ist ja genau die Kernforderung der AfD, die betont, dass dies auch im Interesse der betroffenen Länder ist. Die Zyprioten scheinen das begriffen zu haben.

    Aktueller Stand in der Prognosebörse des Handelsblatts zur Bundestagswahl: Union 28,5%, AfD 25,3%, SPD 19,7%, Grüne 9,4%, Linke 5,9%, FDP 5,3%, Piraten 3,7%, Sonstige 2,2%.
    Auch wenn das "nur" ein Börsenspiel ist, so stimmt das doch hoffnungsfroh. Gleichzeitig kommt man sehr ins Grübeln, wie das denn zu aktuellen Meinungsumfragen paßt, in denen die AfD bei 2%, 3% oder max. 5% liegt. Wird da etwa von den Instituten manipuliert?

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