Zypern
Insel ohne Banken

Leere Geschäfte, umso mehr Andrang vor den Geldautomaten der Banken: Die Kriseninsel Zypern erlebt den Finanz-Ausnahmezustand. Die Menschen sind verunsichert - wissen sich aber zu helfen. Eine Reportage aus Nikosia.
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Nikosia„Keine Schecks und Kreditkarten, nur Cash“  - solche selbstgemalten Schilder sieht man jetzt in den Schaufenstern vieler Geschäfte in der Inselhauptstadt Nikosia. „Können Sie nicht in bar bezahlen?“ In vielen Restaurants und Cafes hört man jetzt diese Frage. Bargeld lacht. Auch Hoteliers nehmen Kreditkarten nur noch widerstrebend entgegen.

Zwar werden die dem Kunden belasteten Beträge offenbar ordnungsgemäß den Konten der Geschäftsleute gutgeschrieben, weil die elektronischen Buchungssysteme im Hintergrund noch laufen. „Aber wer weiß, ob ich jemals an das Geld auf meinem Konto herankomme?“, sagt ein Hotelier in der Altstadt von Nikosia. „Ich muss meine Lieferanten bezahlen, nächste Woche werden außerdem die Löhne für das Personal fällig.“ Er versuche deshalb, so viel Bargeld wie möglich vorzuhalten, erklärt der Geschäftsmann.

Auch an den Tankstellen hat man mit Banknoten bessere Karten. Die Treibstoffversorgung sei sichergestellt, es gebe keine Engpässe, versichert Stefanos Stefanou, der Präsident des Verbandes der zyprischen Tankstellenpächter. Er appellierte aber an die Autofahrer, möglichst in bar und nicht mit Plastikgeld zu zahlen.

Seit sechs Tagen sind die Banken auf der Insel bereits geschlossen – während die Politiker in einer Krisensitzung nach der anderen über einen Ausweg beraten, der den drohenden Zusammenbruch der Geldinstitute verhindern und einen Staatsbankrott abwenden soll. Ob eine Lösung gefunden werden kann, war am Donnerstag noch ungewiss. Seit das zyprische Parlament am Dienstagabend die von der EU vorgeschlagene Zwangsabgabe auf Bankguthaben mit großer Mehrheit abschmetterte, hat sich die Krise gefährlich verschärft.

Auch am Donnerstag und Freitag bleiben die Banken geschlossen. Dahinter steht die Angst, dass es zu einem Ansturm auf die Schalter kommen könnte, wenn die Filialen wieder öffnen, ohne dass zuvor eine politische Lösung gefunden ist und sich die Lage stabilisiert hat. Ein massiver Abfluss von Einlagen könnte die strauchelnden Geldinstitute binnen weniger Stunden in die Knie zwingen, fürchten Finanzexperten. Da am Montag ohnehin ein Feiertag in Zypern ist, werden die Institute frühestens am Dienstag der kommenden Woche öffnen.

Kommentare zu " Zypern: Insel ohne Banken"

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  • Der EZB-Rat hat beschlossen, daß die Notkredite am Montag, 25. März 2013 auslaufen, wenn bis dahin kein EU/IMF Programm Gültigkeit erlangt hat:

    +++

    21 March 2013 - Governing Council decision on Emergency Liquidity Assistance requested by the Central Bank of Cyprus

    The Governing Council of the European Central Bank decided to maintain the current level of Emergency Liquidity Assistance (ELA) until Monday, 25 March 2013.

    Thereafter, Emergency Liquidity Assistance (ELA) could only be considered if an EU/IMF programme is in place that would ensure the solvency of the concerned banks.
    
    European Central Bank
    Directorate General Communications and Language Services
    Press and Information Division
    Kaiserstrasse 29, D-60311 Frankfurt am Main
    Tel.: +49 69 1344 7455, Fax: +49 69 1344 7404
    Internet: http://www.ecb.europa.eu

    Reproduction is permitted provided that the source is acknowledged.

    +++

    Damit kommt es darauf an, ob Zypern bis Montag die 5,8 Milliarden auf den Tisch legen kann damit die Eurogruppe und der IMF das grundsätzlich bereits ausgehandelte Stabilisierungsprogramm verabschieden können.


  • Nach einem möglichen Staatsbankrott läuten Nationalisten zusammen mit der Kirche alle Glocken.

    Die Türkei ist besser beraten, ihre Industrie weiter auszubauen und ein Auge auf den nordzyprischen Tourismus zu werfen. Go slowly, verbrenn dir nicht die Finger.

    Mit Industrieanlagen hat es der "Grieche alter Prägung" nicht so. Die fähige GR Jugend erhält ja bei der hinlänglich bekannten EU Ausrichtung keine Chance.
    Kapiert unser Schulz nur nicht.

  • So wird am Ende, wenn alle Stricken reißen, daß
    griechische Zypern Ankara um Hilfe bitten müssen,
    wobei die Türkei dann dieser 'EU' zeigen wird,
    was eine funktionierende Wirtschaftsunion ist!

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