Zyperns Außenminister: Kapitalkontrollen für einen Monat in Kraft

Zyperns AußenministerKapitalkontrollen für einen Monat in Kraft

Nach Einschätzung der zyprischen Zentralbank werden die bestehenden Kapitalverkehrskontrollen wohl einen Monat aufrecht erhalten werden. Dass die Abschaffung nicht einfach wird, zeigt ein Beispiel aus dem Ausland.
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NikosiaDie Kapitalverkehrskontrollen in Zypern werden wohl einen Monat bestehen. Die Maßnahmen würden Schritt für Schritt aufgehoben, sagte Außenminister Ioannis Kasoulides am Donnerstag. Bis sie vollständig außer Kraft seien, würde nach Einschätzung der Zentralbank wohl ein Monat vergehen.

Am Donnerstag hatten die Banken in Zypern erstmals nach zehn Tagen wieder geöffnet. Kontrollen der Kapitalströme sollen verhindern, dass Geld massenhaft außer Landes geschafft wird. Die Regierung hatte zunächst von sieben Tagen für die Kontrollen gesprochen. Dann sollten sie stetig überprüft werden.

Eigentlich sind Kapitalverkehrskontrollen in der EU verboten - sie können aber vorübergehend angeordnet werden, wenn die öffentliche Ordnung und Sicherheit gefährdet wären oder auch bei „ernsten Schwierigkeiten in der Wirtschafts- und Geldpolitik“, wie es in Artikel 66 des Gesetzes zum Gemeinsamen EU-Binnenmarkt steht.

Zyprer können unter anderem nur noch 300 Euro pro Tag bar abheben. Geldtransfers und Überweisungen ins Ausland sind nur dann möglich, wenn sie für den Handel zwischen Unternehmen nötig sind und dann auch nur mit Erlaubnis der Zentralbank. Darüber hinaus dürfen Termin- und Festgelder nur noch in ganz bestimmten Fällen aufgelöst werden.

Wie schwer es ist, Kapitalverkehrskontrollen abzuschaffen, zeigt das Beispiel Island. Dort gelten seit dem Spätherbst 2008, also seit mehr als vier Jahren, Restriktionen und ein Ende ist nicht ins Sicht. Allerdings hat die Vulkaninsel im hohen Norden ihre eigene Währung. Ein Zypern, sei es auch ein noch so kleiner Teil der Währungsunion, auf Sicht ohne freien Kapitalverkehr mag sich niemand vorstellen. „Mit den politischen und rechtlichen Grundprinzipien der Euro-Zone wäre das wohl nicht vereinbar“, sagt ein Notenbanker, der nicht namentlich genannt werden will.

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  • Zitat : Dort gelten seit dem Spätherbst 2008, also seit mehr als vier Jahren, Restriktionen und ein Ende ist nicht ins Sicht. Allerdings hat die Vulkaninsel im hohen Norden ihre eigene Währung. Ein Zypern, sei es auch ein noch so kleiner Teil der Währungsunion, auf Sicht ohne freien Kapitalverkehr mag sich niemand vorstellen

    - Die Restriktionen in Zypern werden genau so lange andauern, bis Zypern auch eine eigene Währung hat !

    Bis dahin müßen die Zyprioten mit dem "Minderwertigen" Zypro-€ leben,
    der nach und nach ihr Bankwesen ruiniert !

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