Zyperns Finanzminister
„Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt“

Zyperns neuer Finanzminister Charis Georgiades hat der Gläubiger Troika versichert, dass verordnete Sparprogramm bis ins Details umzusetzen. Fliege sein Land aus der Euro-Zone werde es „um Jahrhunderte“ zurückfallen.
  • 7

NikosiaZypern wird nach Worten des neuen Finanzministers Charis Georgiades sein Sparprogramm bis ins letzte Detail in die Tat umsetzen. Der Inselrepublik bleibe keine andere Wahl, der Wohlstand des Landes würde im Falle eines Austritts aus der Eurozone „um Jahrhunderte“ zurückfallen, sagte Georgiades am Montag im zyprischen Parlament. „Die Stunde ist gekommen, den Preis dafür zu bezahlen, dass wir über unsere Verhältnisse gelebt haben“, erklärte Georgiades.

Nach Angaben des Ministers reicht das Geld in den Staatskassen bis Mai. Bis dahin hoffe er, dass die Hilfskredite der Geldgeber (von zehn Milliarden Euro) fließen werden. Zypern will mit einer beispiellosen Zwangsabgabe auf Bankeinlagen selbst rund 5,8 Milliarden Euro für die Rettung seiner Banken aufbringen. Die zweitgrößte Bank, die Laiki Bank, wird zerschlagen. Das Gesundschrumpfen des Bankensystems ist Voraussetzung für die weitere Hilfe durch die Geldgeber von EU, dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB).

Der russische Präsident Wladimir Putin versicherte unterdessen, dass auch Russland seinen Betrag zur Rettung Zyperns leisten wird. Moskau habe Zypern eine Milliarde US-Dollar als Staatskredit gegeben, dieser solle nun restrukturiert werden, sagte Putin am Montag in Hannover nach einem Messe-Rundgang mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Er gehe allerdings davon aus, dass der jetzige Lösungsansatz ein „Einzelfall“ bleibe und diese Methoden nicht mehr angewendet würden. Zypern will als Teil des Rettungspakets Bankeinlagen mit einer Zwangsabgabe belegen. Auch russische Staatsbürger haben in Zypern Geld angelegt.

Merkel sagte dazu, sie nehme zur Kenntnis, dass Russland ein grundsätzliches Interesse an einer stabilen Entwicklung im Euro-Raum Habe. Zurecht sei in letzter Zeit darauf hingewiesen worden, dass im Euro-Raum in einigen Bereichen nachgebessert werden müsse.

So würden zur Zeit einheitliche Regelungen für Einlagensicherungen erarbeitet. Zwar seien Einlagen bis zu 100 000 Euro in Europa geschützt. Aber die Standards dieser Sicherung würden erst jetzt vereinheitlicht. Ebenso werde die Aufsicht der Banken erst jetzt vereinheitlicht. Sie wies erläuternd darauf hin, dass in Zypern die Zinsen für Einlagen deutlich höher gewesen seien als in Deutschland, aber eben auch die Risiken.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Zyperns Finanzminister: „Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Schämt sich dieser "Mensch" nicht? Nur Politiker und Manager haben über die Verhältnisse gelebt bzw. die Bürger belogen, abgezockt und betrogen!

  • Immer noch ist die Rückführung des ELA Kredites über 10 Mrd nicht geklärt. Wo ist das Geld hingekommen? Bleibt das jetzt am Steuerzahler hängen?

  • HB:"Zypern wird nach Worten des neuen Finanzministers Charis Georgiades sein Sparprogramm bis ins letzte Detail in die Tat umsetzen. Der Inselrepublik bleibe keine andere Wahl, der Wohlstand des Landes würde im Falle eines Austritts aus der Eurozone „um Jahrhunderte“ zurückfallen."


    Richtig. Demnach bleibt immerhin ein Wohlstand der Zyprer bei einem Verbleib in der EURO-Zone erhalten, wenn hart gespart wird; denn der "Wohlstand" der christlichen Zyprer dürfte unter der Herrschaft des türkischen Sultans nahe NULL zu beziffern sein.
    Ist das ein versteckter Hinweis auf die beachtliche Leidensfähigkeit der Zyprer ?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%