Zyprisches Rettungspaket: Abstimmung über Bankeinlagen frühestens am Samstagabend

Zyprisches Rettungspaket
Abstimmung über Bankeinlagen frühestens am Samstagabend

Erste Teile des Rettungspakets sind verabschiedet, doch die wichtigste Entscheidung steht noch bevor. Das Parlament wird frühestens in der Nacht zum Sonntag über eine Zwangsabgabe auf Bankeinlagen abstimmen.
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Nikosia/BrüsselZypern hat erste weitreichende Schritte zur Rettung des vor dem Staatsbankrot stehenden Euro-Landes unternommen und Teile eines Sparpakets verabschiedet. Das Parlament in Nikosia billigte am Freitagabend mehrheitlich Einschränkungen im Kapitalverkehr und die Bildung eines Solidaritätsfonds zur Rekapitalisierung der Banken. Auch die Aufspaltung einer der großen Banken (Laiki Bank) in ein reguläres Institut und eine sogenannte Bad Bank billigten die Abgeordneten. Für das Gesetzt zur Bankenumstrukturierung stimmten 26 Abgeordnete bei zwei Gegenstimmen und 25 Enthaltungen.

Zyperns Staatschef Nikos Anastasiades reist noch am Samstag zu Gesprächen über den Rettungsplan für das Krisenland nach Brüssel. Der Präsident sowie Spitzen der Parteien würden gegen Mittag nach Brüssel reisen und dort Vertreter der EU-Führung zu Gesprächen treffen, berichtete die zyprische Nachrichtenagentur CNA am Samstag. Abhängig vom Ergebnis des Treffens werde das Parlament in Nikosia "entweder in der Nacht zum Sonntag oder am Sonntagmorgen über die geplante Abgabe für Bankeinlagen abstimmen".

"Wir werden nach dem Treffen der Eurogruppe zusammenkommen", sagte ein führender Abgeordneter, der namentlich nicht genannt werden wollte, am Samstag in Nikosia. Er wisse aber noch nicht, wann das sein werde. Zunächst war erwartet worden, dass das Parlament im Kampf gegen die Staatspleite noch am Samstag über die Abgabe entscheidet.

Die Euro-Finanzminister hatten am Freitag kurzfristig für Sonntag ein Treffen in Brüssel einberufen. Dies deutete daraufhin, dass eine Lösung in greifbarer Nähe sein könnte.

Die Zwangsabgabe auf Bankeinlagen über 100.000 Euro solle zwischen 22 und 25 Prozent betragen, berichtete fast übereinstimmend die zyprische Presse. Nur einige Blätter meinten, alle Bankkunden mit Geldeinlagen von mehr als 100.000 Euro sollten mit zehn Prozent belastet werden.

Die Stimmung in Nikosia war am Samstag bedrückt. „Das Wort hat jetzt Brüssel“, titelte die konservative Zeitung „Simerini.“ Am Sonntag soll die Eurogruppe in Brüssel tagen. Möglich ist, dass nach der Billigung der Zwangsabgabe Zyperns Präsident Anastasiades und politische Führer der Insel nach Brüssel fliegen. „Eine Einladung liegt vor“, berichtete die liberale Zeitung „Politis.“

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat die Teilbeschlüsse des zyprischen Parlaments im Kampf gegen den Staatsbankrott als ein Einlenken auf den richtigen Weg bezeichnet. Das verabschiedete Gesetz zur Aufspaltung von in Schieflage geratenen Finanzinstituten sei wichtig, damit der überdimensionierte Bankensektor, wie von den europäischen Partnern gefordert, geschrumpfte werden könne, sagte IW-Direktor Michael Hüther am Samstag im Deutschlandfunk. "Die Aufspaltung der Laiki-Bank in eine Good Bank und eine Bad Bank ist da ganz wichtig", betonte Hüther mit Verweis auf die zweitgrößte Bank des Landes. Eine tragbare Einigung im Parlament bis Ablauf der EU-Frist am Montag sei möglich. "Ich glaube, der Druck wird am Wochenende zu einer heilsamen Lösung führen", sagte Hüther.

Zugleich trat Hüther Sorgen vor einer Verschärfung der Euro-Schuldenkrise durch einen Bankrott des kleinen Inselstaates entgegen. Es gebe hier keinen systemischer Effekt. Die Auswirkungen einer Pleite Zyperns wären relativ überschaubar. Die öffentliche und politische Aufregung habe sich bislang weder am Aktien- noch am Devisenmarkt wiedergefunden.

Wegen der Zypern-Krise gerät auch der Terminkalender der EU durcheinander. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy kündigten an, den für nächste Woche geplanten EU-Japan-Gipfel zu verschieben. Einen geplanten Besuch in der Mongolei sagte Barroso ebenfalls vorerst ab. „Die laufenden Bemühungen, eine Lösung für die finanzielle Situation in Zypern zu finden, erfordern unsere Anwesenheit in Brüssel“, teilten sie in einer Erklärung mit.

Kommentare zu "Abstimmung über Bankeinlagen frühestens am Samstagabend"

Alle Kommentare
  • Wenn Sie interesss haben können Sie sich das folgende Video mal ansehen. Da erfahren Sie was es mit den Schulden überall auf sich hat und was die Aufgabe des Staates in diesem Spiel ist. (ist den dem Video auf die USA bezogen, gilt aber überall) Man kann garnicht oft genug den Menschen sagen was läuft, aber leider kümmert man sich nur um oberflächliche Diskusionen. Die Strippenzieher lachen sich kaputt.

    15:18 Min.
    http://www.youtube.com/watch?v=0MLBGDTvpZU

  • @Karsten:
    Dass wird die CH ganz sicher auch tun (müssen), sollte sie es mal nötig haben.
    Allerdings hat die CH eine sehr gesunde Wirtschaftsstruktur; im Gegensatz zu so manchem EU-Krisenland.
    Und keine schweizer Bank zahlt 4 % Guthabenzinsen und muss sich entsprechend windig refinanzieren.
    Wer da seine Gier, trotz unendlich vieler historischer Fingerzeige, nicht im Griff halten kann, ist nur selber Schuld - ob 'böse'(s), oder "gut"(es Geld); jeder hat einen Kopf auch zum Nach(!)denken mit auf die Welt bekommen.

  • Und mein Geld, das ich jede Nacht einnehme liegt bei mir unter der Matratze.

  • @ kit_fisto

    Zitat : Also nein, russische Oligarchen als ein Symptom der Unfreiheit und Korruption auf den Weltmärkten auszumachen, hat gar nichts mit anti-russischer Propaganda zu tun

    - Zum Geschäft, bekanntlich, gehören immer mindestens zwei....und Sie glauben wohl nicht im Ernst, dass der zweite hier ein Zypriote ist...?

    Zypern mit seinem Bankensystem und Geschäftsmodell ist nur eine kleine Durchgangsstation !

    Das die Oligarchen Russland ausrauben ist seit langem bekannt....und wie Sie richtig bemerkt haben, sind die Juden mit ihrer US- Verwandtschaft ( migrierte Juden aus der UdSSR ) bestens platziert.

    Mit im Boot sitzen vorneweg Deutsche und Britische Banken, die das Geld für diese Oligarchen auf den Weltmärkten verdienen !

    Und was glauben Sie, wenn man den Zyprioten das Geschäftsmodell abwürgt, gehen die Oligarchen baden....? Das wäre Naivität pur.

    Die gehen nicht mal auf Cayman oder nach Syngapur....die sind durch die Verflechtung mit dem durch korrumpierten Russischen Staat heute so frech, dass sie sich nur nach England oder Lichtenstein verlagern !

    Das PROBLEM ist nicht Zypern....das Problem ist die EUtopia als Fantasiestaat und daraus resultierenden DILETTANTISMUS , der meistens die ärmeren Bevölkerungsschichten trifft !

  • @Freidenker - nur weil Sie in Ihrem ahnungslos aufoktriierten Anti-Rassisismus-Reflex oder falschem russischen Stolz keine russischen Oligarchen ausmachen können wollen, heißt das nicht, dass Sie Ihre Traumwelt anderen als Realität verkaufen müssen.

    Beresowski, Abramovitch, oder der "arme" Khodorkovski sind übrigens auch jüdisch, also vielleicht sind jüdisch-russische Oligarchen ein Problem, kann sein...einige derer die von Russlands Justiz verfolgt werden, setzen sich auch mal nach Israel ab, wie Leonid Nevzlin, Vladimir Dubov oder Mikhail Brodno.

    AS Monaco-Besitzer Dmitri Jewgenjewitsch Rybolowlew hat einige Eisen im zypridiotischen Feuer, wie man hört, und Gazprom verdiente auf Zypern wunderbar.

    Natürlich haben Sie recht, dass auch Schweiz, Luxemburg, GB, Deutschland und vor allem die USA ihre Corporatisten-Kaste der Steuerhinterziehung und Geldwäsche haben, dieser Mitt Romney hatte wohl sehr gute Erfahrungen mit den Caymans, Luxemburg und der Schweiz gemacht...

    Aber dass eine konspirative Clique durch miese Finanz-Ingenieurs- und Rohstoff-Plünderungs-Geschäfte Milliarden auf Kosten anderer macht, und sich in Zypern breit gemacht hat, ist eben auch wahr.

    Also nein, russische Oligarchen als ein Symptom der Unfreiheit und Korruption auf den Weltmärkten auszumachen, hat gar nichts mit anti-russischer Propaganda zu tun, fragen Sie mal einen (anderen?) Ivan-Normal-Verbraucher was der von den Machenschaften dieser gut organisierten Clique hält.

  • Good Bank und Bad Bank. Die Good Bank erhält die Aktiva und die Bad Bank die Passiva. Der Staat Zypern muss die Bad Bank bilanzieren oder saldieren.d. h. sofortige Erhöhung des Schuldenstandes und wie IMMER; Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren. Und die Bankmanger und ihre berater erhalten Superboni für den tollen Buchgewinn.
    Die Zwangsabgaben nur auf ein oder zwei Banken zu beschränken, die mit dem höchsten Ausländeranteil und die heimischen Millionäre und Milliardäre soweit wie möglich zu schonen, riecht auch nach Willkür und ist sicher rechtlich bedenklich.

  • @ Dr.NorbertLeineweber


    Zitat : Gauck, wo bleiben Sie? Ist das die Freiheit, um "mehr Europa zu wagen?"

    - Die "Freiheit" von Gauck besteht nicht im Wagnis für mehr Europa !

    Die Freiheit von Gauck besteht im Leben im Schloss mit üppigen Diätskonto auf Kosten der Allgemeinheit !

    Trittin und Brüderle sei Dank !!!!

  • @ Curley

    Zitat : Wie viele Sonder- bzw. Einzelfälle kommen denn noch ? Der Bankensektor sei zu groß in Zypern, sagen die Euroretter. Was ist mit Luxemburg ? Im Verhältnis zu Zypern ist der dortige Bankensektor noch größer.

    - Und was ist mit Deutschland, in dem der Automobilsektor durch Dumpinglöhne ( Agenda 2010 und Leihfirmenausbeuter ) dabei ist, die Europäische Autoindustrie ( F, I , S ) abzuwürgen ? Sollte man dieses Geschäftsmodell nicht auch unterbinden ( natürlich ohne nachzudenken, was die Konsequenz daraus ist ) ? Und würden die Arbeitnehmer der Autofirmen dann nicht den Bundestag belagern ?

    Unfassbar, diese EUtopia Fantasten !

  • Kapitalverkehrskontrollen sind der Offenbarungseid einer freien, marktwirtschaftlichen Ordnung!
    Das sind eben die Risiken und Nebenwirkungen einer gemeinsamen Währung. Leider war der Beipackzettel im Vertrag von Maastricht grob fehlerhaft. Der Autor schrieb schon 1993, dass der Euro in einer Schuldenorgie untergehen wird. Mit Sozialer Marktwirtschaft hat das Ganze nichts mehr zu tun. Erst kommt die Massenarbeitslosigkeit und die Jugendarbeitslosigkeit von bis zu 50% und dann kommen Kapitalverkehrskontrollen. Eine Wirtschaft ohne Freiheit steht am Ende der Gemeinschaftswährung. Damit ist der Euro faktisch gescheitert, weil ein System ohne Freiheit gescheitert ist. Gauck, wo bleiben Sie? Ist das die Freiheit, um "mehr Europa zu wagen?"
    Mehr zu Gauck und zur Krisenentwicklung auf der eurokritischen Seite www.fortunanetz.de

  • Solche "Patrioten" wie Sie braucht unser Land.

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