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23.11.2007 
Privater Verbrauch

Börsianer hoffen auf Konsumenten

von Christian Schnell

Zwischen Kreditkrise und Wachstumsdelle haben Investoren den privaten Verbrauch als neuen Heilsbringer entdeckt. Waren die Aktien von Einzelhändlern und Konsumgüter-Herstellern in den vergangenen Jahren vernachlässigt worden, könnten sie jetzt zur Stütze der Börsen werden.

Am Aktienmarkt dürften auch Einzelhändler von der positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt profitieren. Foto: dpaLupe

Am Aktienmarkt dürften auch Einzelhändler von der positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt profitieren. Foto: dpa

FRANKFURT. Der private Konsum entpuppt sich als Hoffnungsschimmer für den angeschlagenen Aktienmarkt. „Das Wachstum in der Euro-Zone verlagert sich von der Industrie hin zum privaten Verbrauch“, sagt Adrian Pankiw von der britischen Fondsgesellschaft Henderson. Die Aktien von Einzelhändlern und Konsumgüter-Herstellern könnten also zur Stütze der von Unsicherheiten geprägten Börsen werden; in den vergangenen Jahren waren diese Papiere vernachlässigt worden. Die Investoren übernehmen damit Aussagen von Volkswirten, die seit langem die These vertreten, dass in der Endphase eines Konjunkturaufschwungs der private Konsum besonders stark ist.

Erste Konsequenzen dürften bereits im Weihnachtsgeschäft spürbar werden, glauben Analysten und Konsumforscher. Das geht morgen in sein erstes heißes Wochenende. „Wir gehen auch im laufenden Jahr vor dem Hintergrund der gesamtwirtschaftlichen Situation von einer weiteren Steigerung aus“, heißt es von den Analysten der DZ Bank. Und das, obwohl der Handel 2006 von Vorzieheffekten wegen der anstehenden Mehrwertsteuererhöhung profitiert hat.

Allerdings unterscheiden sich die Chancen für Konsumtitel in der Euro-Zone deutlich von denen in den USA und in Großbritannien. Jenseits des großen Teichs belasten die Kreditkrise und der hohe Ölpreis inzwischen stark das Konsumverhalten, so dass Werte wie Wal-Mart schon lange aus den Musterdepots führender Geldhäuser verschwunden sind. Gleiches gilt für Großbritannien: „Hier dürften sich 2008 die Aktivitäten im Bereich Konsum verlangsamen“, sagt Colin McLean, Fondsmanager des Noramco Quality Fonds Europe.


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Am deutschen Aktienmarkt dürften hingegen Einzelhändler und Konsumgüter-Hersteller von der positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt profitieren. Das schlägt sich unterschiedlich nieder: Offensichtlich ist etwa der Trend zu höherwertigem Konsum. Das nützt den Herstellern von Qualitätsprodukten und Einzelhändlern mit gutem Service. Der TV-Geräte-Hersteller Loewe gilt unter Analysten als Paradebeispiel für diesen Trend. Alle acht Analysten, die laut Informationsdienst Bloomberg die Aktie beobachten, raten zum Kauf.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der steigende Konsum macht das geringere Industriewachstum wett

Natalia Rountoleva von der Deutschen Bank hat gerade ihr Kursziel für die Aktie, die am Donnerstag 15,80 Euro kostete, von 19,50 auf 21 Euro nach oben gesetzt. „Die Aktie ist mittel- bis langfristig ein attraktives Investment“, sagt sie. In Zeiten starker Verunsicherung werden solche Aussagen von Börsianern dankbar aufgenommen.

Bei den Einzelhändlern stehen die schon lange nicht mehr nur auf Parfümerien spezialisierte Douglas Holding und der Weinhändler Hawesko bei Investoren hoch im Kurs. Bei keinem anderen Unternehmen steuert das vierte Quartal einen solchen Gewinnbeitrag zu wie hier, haben die Analysten der DZ Bank errechnet. Douglas erwirtschaftet im Schlussquartal 90 Prozent seines Jahresgewinns, Hawesko 73 Prozent.


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Sollte es am Aktienmarkt indes weiter bergab gehen, dann könnte auch ein starker privater Konsum diese Entwicklung nicht aufhalten. Dafür haben die Titel aus diesem Bereich einen zu geringen Börsenwert im Vergleich zu den Branchenriesen aus dem Finanzsektor, der Automobilindustrie und den Versorgern. Die Metro-Aktie als einziger Einzelhändler im Dax bringt es beispielsweise gerade auf einen Anteil von rund einem Prozent.

Viel wichtiger ist die Aussage für die Konjunktur: „Der steigende Konsum der privaten Haushalte macht das geringere Industriewachstum wett, so dass sich das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in der EuroZone im kommenden Jahr etwa auf dem aktuellen, leicht überdurchschnittlichen Niveau bewegen dürfte“, sagt Adrian Pankiw.

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EU-Kommission 0,0 1,7
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Herbstgutachten der Institute 0,2 1,8