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03.08.2007 

Übertrieben? Mitnichten. Eine reale Geschichte: 2005 setzt der 32-jährige Manager des Amaranth-Fonds auf ein Steigen der US-Gaspreise. Als Wirbelsturm Katrina über den Golf von Mexiko heranfegt, geht die Spekulation auf. Brian Hunter kassiert geschätzte 100 Millionen Dollar Tantieme. Im nächsten Jahr versucht der Mann – wen wundert es eigentlich? –, das Spiel zu wiederholen. Diesmal aber bleibt ein Katrina-Nachfolger aus. Pech gehabt, der Gaspreis fällt. Neun Milliarden Dollar Einlagen sind weg. Hunter muss seinen Schreibtisch räumen, aber schon ein halbes Jährchen später ist er mit einem eigenen Fonds wieder da. Offenbar wollen andere Anleger nicht auf sein Spielerglück verzichten.

„Moral hazard“ heißt in der Spieltheorie so eine Konstellation, bei der ein Spieler beim Eingehen höherer Risiken auf Kosten der anderen gewinnen kann. Es liegt auf der Hand, dass solche Vorbilder ganze Jahrgänge kluger Harvard-Absolventen in das Geschäft locken. Wer will nicht auch auf anderer Leute Risiko die Chance haben, wie Hunter im grauen Ferrari zur Arbeitsstätte zu brausen und sich und seine Nachkommen für Generationen zu sanieren? Die smarten Boys fanden so lange Zeit ein schönes Betätigungsfeld wegen der „zunehmenden Bereitschaft praktisch aller Anleger, darunter auch der Pensions- und Investmentfonds, höhere Risiken einzugehen“, wie die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel konstatiert.

Moralisten fragten sich spätestens an dieser Stelle, ob am Ende dem Hasardeur die Zukunft gehört? Wer soll Autos produzieren, Software-Programme schreiben oder Windräder bauen, wenn die klügsten Burschen einfach ein paar Firmen zerschlagen und sich zur Ruhe setzen? Aber die Bäume wachsen nicht in den Himmel. Tatsächlich droht dem Spiel Ungemach gleich von zwei Seiten: wenn die Renditen von Anlagen fallen, etwa in einer ganz normalen Rezession, oder wenn die Zinsen steigen – wie im Moment. In beiden Fällen kann die Finanzierung plötzlich mehr kosten, als mit den Anlagen verdient wird. Die Geldgeber bluten, denn der Kredithebel wirkt auch in die unangenehme Richtung.

Die Topriege rüstet sich für schwierigere Zeiten: Die großen Fonds beginnen, ihre Aktien an die Börse zu bringen oder spielen mit dem Gedanken. Vor einigen Wochen kam Blackstone mit einer Vier-Milliarden-Emission, folgen will sogar der Doyen der Branche, Kohlberg Kravis Roberts, kurz KKR. Im Moment ist allerdings offen, ob diejenigen, die noch nicht an der Börse sind, nicht zu spät dran sind.

Und was ist mit den Opfern der Fonds – und der Finanzkrise? Lawrence Garfield sagt im Film: „Was wird ihnen geschehen? Ich weiß zwei Worte dafür: Wen juckt’s?“

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Sachverständigenrat 0,0 1,7
IWF -0,8 1,7
EU-Kommission 0,0 1,7
Bundesregierung 0,2 1,7
Herbstgutachten der Institute 0,2 1,8
OECD 1,1 1,5