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13.05.2008 

Woher könnte die konjunkturelle Wende kommen?

Im Moment sehe ich kein Licht am Ende des Tunnels. Sowohl auf den Finanzmärkten als auch in der realen Wirtschaft wird sich die Lage zunächst noch weiter zuspitzen. Viele sagen zwar, das Schlimmste sei überstanden. Davon bin ich jedoch nicht überzeugt.

Warum nicht? Es gibt doch auf den Kreditmärkten deutliche Zeichen der Entspannung.

Die Krise verläuft in Phasen. Wir hatten zunächst die massive Kreditklemme, ausgelöst von den Subprime-Problemen. Dadurch wurde auch die reale Wirtschaft in Mitleidenschaft gezogen. Jetzt sind wir in einer Rezession, und die wird wiederum auf den Finanzsektor durchschlagen. Die Zahl der Pleiten wird zunehmen und eine neue Welle von Abschreibungen bei den Banken auslösen. Die Finanzinstitute haben den Boden noch nicht erreicht. Sie werden sich nochmals neues Kapital beschaffen müssen.

Was kann diesen Teufelskreislauf durchbrechen?

Die eingeleiteten fiskal- und geldpolitischen Maßnahmen werden einen begrenzten, aber doch spürbaren Effekt haben. Möglicherweise wird es sogar ein zweites Konjunkturprogramm geben. Am Ende kommt die Regierung aber nicht darum herum, einen Großteil der notleidenden Hypotheken aufzukaufen. Wenn man den Wertverfall mit einem staatlichen Boden bremst, kann vermutlich die wirtschaftliche Erholung beginnen. Dazu brauchen wir aber eine radikale Intervention des Staates.

Wie beurteilen Sie das bisherige Krisenmanagement von Notenbank und Regierung?

Es ist richtig, dass der frühere Fed-Chef Alan Greenspan die Immobilienblase dadurch verursacht hat, dass er die Leitzinsen zu lange zu niedrig gehalten hat. Außerdem hat die Fed ihre Finanzaufsicht für Hypotheken nicht ausreichend wahrgenommen. Sein Nachfolger Bernanke hat die Krise zunächst völlig falsch eingeschätzt. Noch vor einem Jahr hat er behauptet, der Immobilienmarkt habe bereits seine Talsohle erreicht und die Subprime-Probleme würden nur eine Nische betreffen und sich nicht auf den Rest der Wirtschaft ausbreiten. Das war alles Blödsinn. Seit dem vergangenen Sommer hat die Fed jedoch den Ernst der Lage erkannt und aggressiv Liquidität ins Finanzsystem gepumpt.

War das die richtige Medizin?

Heute wissen wir, dass die Werkzeuge der Fed nicht sehr effektiv waren. Die Risikozuschläge auf dem Interbankenmarkt sind immer noch sehr hoch, weil das Misstrauen nicht gewichen ist. Auch in der realen Wirtschaft wirkt die Geldpolitik nicht wie gewohnt, da wir es nicht nur auf dem Häusermarkt, sondern auch bei langlebigen Konsumgütern mit einem Überangebot zu tun haben, das sich mit niedrigen Zinsen nicht beseitigen lässt.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Wie die Aufsichtsbehörden auf die Finanzkrise reagieren sollten

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Bundesregierung 1,2 1,7
Sachverständigenrat 1,9