Das Beispiel zeigt: Je nach Auswahl der Fakten lässt sich ein positives oder negatives Bild vom Standort Deutschland zeichnen. Unabhängige Studien wie das Mitte September veröffentlichte Standortranking der Weltbank sind über jeden Verdacht erhaben. Dort schaffte es Deutschland von 155 untersuchten Ländern auf Platz 19. Vor Deutschland liegen in etwa die Staaten, die auch in der Untersuchung der Deka-Bank am besten abschneiden: Neuseeland, die USA und Großbritannien. Der Schwerpunkt der Weltbank-Studie liegt allerdings auf der Bürokratie. Mit Fallbeispielen werden die Rahmenbedingungen für Unternehmen geprüft.
„Deutschland hat in den letzten Jahren Fortschritte gemacht“, erkennt auch Kater an. „Die deutschen Unternehmen sind nach jahrelanger Sanierung wettbewerbsfähig – aber der deutsche Standort ist es nicht“, schränkt er ein. Die Wende zu mehr Wachstum könne Deutschland nur schaffen, wenn „mehr Arbeit eingesetzt wird“. Der Rückstand ist groß: Gemessen an der Arbeitszeit in Stunden landen die Deutschen auf den hinteren Rängen. Die Lohnspreizung – also die Differenz zwischen der Höhe der Sozialtransfers und der durch Arbeit erzielten Einkommen – ist gering. Kater plädiert deswegen für die Einführung subventionierter Kombilöhne. Generell erhöhe eine größere Lohnspreizung den Leistungsanreiz.
Wie weit Deutschland hinterherhinkt, zeigt auch der Vergleich der „natürlichen“ Arbeitslosenquote. Der heimische Standort liegt auf dem vorletzten Platz. Die Rate zeigt an, welche Arbeitslosenquote bei den gegebenen Arbeitsmarktstrukturen nicht unterschritten werden kann, ohne dass sich die Inflation beschleunigt.
Den vergleichsweise hohen Kündigungsschutz konnten die Deka-Ökonomen allerdings nicht als Wachstumsbremse ausmachen. Die Korrelation zum Wachstum sei „vergleichsweise schwach“. Zwar sei möglich, dass Unternehmer bei weniger Kündigungsschutz mehr Arbeitnehmer einstellen. Deren Produktivität könnte aber sinken, weil weniger in Weiterbildung investiert wird.




