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17.11.2007 
Studie

Goldman-Sachs schürt Rezessionsangst

An den Märkten wächst die Sorge, dass Banken die Folgen der Finanzkrise noch lange nicht verdaut haben. Spekulationen über weitere Milliardenabschreibungen ließen Bankaktien zuletzt in Europa und in den USA in die Tiefe stürzen. Nun schürt eine Studie der Investmentbank Goldman-Sachs zusätzlich die Rezessionsangst. Von „dramatischen makroökonomischen Auswirkungen“ ist darin die Rede.

Dunkle Wolken hängen über der City of London - die Finanzkrise schürt Ängste vor einem Einbruch der Konjunktur. Foto: ap Lupe

Dunkle Wolken hängen über der City of London - die Finanzkrise schürt Ängste vor einem Einbruch der Konjunktur. Foto: ap

HB NEW YORK. Was fast unbemerkt mit ein paar nicht bezahlten Kreditraten für ein Eigenheim irgendwo in den USA anfing, hat längst mit Wucht das Zentrum der Finanzwelt erfasst: Die Wall Street. Nun droht die Kreditkrise eine Branche nach der anderen anzustecken. Der Dollar verfällt, Rohstoffe werden immer teurer. Die US-Verbraucher halten das Geld beisammen. Amerika steht nach Ansicht vieler Experten vor schweren Jahren - und das bedeutet auch für Europa nichts Gutes.

Die Finanzmarktkrise kann einer Goldman-Sachs-Studie zufolge das Kreditvolumen in der US-Wirtschaft um zwei Billionen Dollar verringern und so das Risiko einer tiefen Rezession erhöhen. „Die makroökonomischen Auswirkungen könnten ziemlich dramatisch sein“, meint der Goldman-Sachs-Chefökonom für die USA, Jan Hatzius. Dies werde bislang weit unterschätzt.

Die Hypothekenausfälle vor allem durch Zwangsvollstreckungen von US-Eigenheimen summieren sich demnach grob geschätzt auf rund 400 Milliarden Dollar. Um dies auszugleichen, müssten Banken und weitere Kreditgeber ihre anderen Ausleihungen um ein Vielfaches zurückfahren. So könnten der amerikanischen Wirtschaft am Ende bis zu zwei Billionen Dollar (1,37 Billionen Euro) an Krediten fehlen, rechnet Hatzius in der am Freitag veröffentlichten Studie vor.

„Dies ist ein großer Schock“, warnte der Experte. Die Summe entspreche rund sieben Prozent aller US-Schulden von Privatleuten, Unternehmen und öffentlicher Hand. Ein solcher Schock könne eine „substanzielle Rezession“ bewirken, wenn er sich im Laufe lediglich eines Jahres ereigne. Wenn er sich über zwei bis vier Jahre hinziehe, komme es zumindest zu einer langen Periode mit nur sehr geringem Wachstum oder Stagnation.

Allein ein knappes Dutzend der größten US-Banken musste bislang zusammen mehr als 50 Milliarden Dollar infolge der Kreditkrise abschreiben. Bankanalysten rechnen mit hohen weiteren Bereinigungen.


» Bild für Bild: Die Opfer der Subprime-Krise


Lesen Sie weiter auf Seite 2: Schlechtere Stimmung in der europäischen Wirtschaft

Nicht ganz so dramatisch schätzten US-Notenbanker die Lage ein. Die Wirtschaft werde im nächsten Frühjahr zu einem „vernünftigeren Wachstumstempo“ zurückkehren, erklärte Fed-Chef Ben Bernanke vergangene Woche. Nach aktuellen Aussagen des Präsidenten der Federal Reserve Bank of Kansas City, Thomas Hoenig, ist der Konjunkturausblick für die USA gut, wenn auch mit Risiken behaftet. Im kommenden Jahr werde das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) voraussichtlich um 2 Prozent oder mehr wachsen, sagte Hoenig am Donnerstag. Dabei dürfte die US-Schwäche von der starken Weltwirtschaft ausgeglichen werden, sagte Hoenig. Die Nachfrage nach US-Gütern bleibe stark, vor allem wegen des schwachen Dollar. Allerdings sei diese Schwäche „nicht gut“.

Mit Blick auf das dritte Quartal verwies Hoenig darauf, dass ein Wachstum von annualisiert 3,9 Prozent kaum als Abschwächung bezeichnet werden könne. Aber das sei eine rückwärts gewandte Betrachtung und die Fed müsse nach vorne schauen. Ihm sei bewusst, dass sich die Lage am Häusermarkt weiter verschärfen könne, sagte das stimmberechtigte FOMC-Mitglied. Die USA sollten nicht in ein langsameres Wachstum abrutschen, allerdings müsse die Fed ebenso der Inflation Beachtung schenken.

Die düstere Weltwirtschaftslage schlägt indes bereits auf das europäische Wirtschaftsklima durch. Laut Ifo-Geschäftsklima-Index hat sich die Stimmung in vielen europäischen Unternehmen deutlich verschlechtert. Der Stimmungs-Index brach von 111,9 auf 90,7 Punkte ein. Der Lage-Index, der die aktuelle Situation widerspiegelt, sank von 138,3 auf 123,4 Punkte. Der Erwartungsindex stürzte von 89,9 auf 63,6 Punkte.

Pessimistisch in die Zukunft blicken der Umfrage zufolge speziell in die Befragten in Belgien, Spanien, Österreich und Irland. Auch in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden sei der Optimismus zurückgegangen. Die gegenwärtige Wirtschaftslage werde nur in Frankreich und Portugal ungünstig eingeschätzt. Positiv bewerten sie dagegen in Finnland, die Niederlande, Irland, Österreich und Deutschland.

Das Ifo ermittelt das Wirtschaftsklima für den Euroraum vier Mal im Jahr durch die Befragung von rund 300 Experten aus multinationalen Unternehmen und Instituten. Nach Begründungen für ihre Urteile befragen die Wissenschaftler die Experten nicht. Für die Stimmungsverschlechterung dürften aber vor allem die Kreditkrise, der hohe Ölpreis und der schwache Dollar verantwortlich sein.

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