Nicht ganz so dramatisch schätzten US-Notenbanker die Lage ein. Die Wirtschaft werde im nächsten Frühjahr zu einem „vernünftigeren Wachstumstempo“ zurückkehren, erklärte Fed-Chef Ben Bernanke vergangene Woche. Nach aktuellen Aussagen des Präsidenten der Federal Reserve Bank of Kansas City, Thomas Hoenig, ist der Konjunkturausblick für die USA gut, wenn auch mit Risiken behaftet. Im kommenden Jahr werde das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) voraussichtlich um 2 Prozent oder mehr wachsen, sagte Hoenig am Donnerstag. Dabei dürfte die US-Schwäche von der starken Weltwirtschaft ausgeglichen werden, sagte Hoenig. Die Nachfrage nach US-Gütern bleibe stark, vor allem wegen des schwachen Dollar. Allerdings sei diese Schwäche „nicht gut“.
Mit Blick auf das dritte Quartal verwies Hoenig darauf, dass ein Wachstum von annualisiert 3,9 Prozent kaum als Abschwächung bezeichnet werden könne. Aber das sei eine rückwärts gewandte Betrachtung und die Fed müsse nach vorne schauen. Ihm sei bewusst, dass sich die Lage am Häusermarkt weiter verschärfen könne, sagte das stimmberechtigte FOMC-Mitglied. Die USA sollten nicht in ein langsameres Wachstum abrutschen, allerdings müsse die Fed ebenso der Inflation Beachtung schenken.
Die düstere Weltwirtschaftslage schlägt indes bereits auf das europäische Wirtschaftsklima durch. Laut Ifo-Geschäftsklima-Index hat sich die Stimmung in vielen europäischen Unternehmen deutlich verschlechtert. Der Stimmungs-Index brach von 111,9 auf 90,7 Punkte ein. Der Lage-Index, der die aktuelle Situation widerspiegelt, sank von 138,3 auf 123,4 Punkte. Der Erwartungsindex stürzte von 89,9 auf 63,6 Punkte.
Pessimistisch in die Zukunft blicken der Umfrage zufolge speziell in die Befragten in Belgien, Spanien, Österreich und Irland. Auch in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden sei der Optimismus zurückgegangen. Die gegenwärtige Wirtschaftslage werde nur in Frankreich und Portugal ungünstig eingeschätzt. Positiv bewerten sie dagegen in Finnland, die Niederlande, Irland, Österreich und Deutschland.
Das Ifo ermittelt das Wirtschaftsklima für den Euroraum vier Mal im Jahr durch die Befragung von rund 300 Experten aus multinationalen Unternehmen und Instituten. Nach Begründungen für ihre Urteile befragen die Wissenschaftler die Experten nicht. Für die Stimmungsverschlechterung dürften aber vor allem die Kreditkrise, der hohe Ölpreis und der schwache Dollar verantwortlich sein.




