Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat ihre Wachstumsprognose für die USA deutlich gesenkt und rechnet für das kommende Quartal sogar mit Stillstand. Die US-Wirtschaft bewege sich nun seitwärts, hieß es – oder schlimmer. Anders sieht die Lage für die Wirtschaft in Europa aus.
Nach Einschätzung der OECD schrammen die USA im Zuge der Finanzkrise nur knapp an einer Rezession vorbei. Foto: dpa
HB PARIS/BERLIN/LONDON. Nach Einschätzung der OECD vom Donnerstag schrammt die größte Volkswirtschaft der Welt in der ersten Jahreshälfte nur knapp an einer Rezession vorbei. Im Ringen um eine Lösung der Krise an den internationalen Finanzmärkten geht unterdessen in Europa die Diskussion um staatliche Hilfen weiter. Derweil pumpen Zentralbanken weiter zusätzliche Liquidität in den Kreislauf, um ein Austrocknen des Geldmarktes zu verhindern.
Im ersten Quartal wird das Bruttoinlandsprodukt der USA zum Vorquartal nur noch um 0,1 Prozent zulegen, im zweiten Quartal gar nicht mehr wachsen, prognostizierte die OECD. Nach der in Paris veröffentlichten OECD-Prognose bleibt die deutsche Wirtschaft mit 0,6 Prozent dagegen auf einem soliden Wachstumskurs. Die Vorhersage für die wichtigste europäische Volkswirtschaft wurde damit sogar erhöht. „Man muss klar sagen, dass das erste Quartal soweit wohl besser läuft als gedacht“, sagte OECD-Deutschlandexperte Felix Hüfner.
Die Aufwärtsrevidierung sei Folge der guten Zahlen für Deutschland, etwa in der Industrieproduktion, am Bau oder beim ifo Geschäftsklima-Index. „Die Auftragslage ist stabil, der Export läuft gut.“ Dass Deutschland auch künftig nicht berührt werde, sei aber auszuschließen. Es komme nur noch auf den Zeitpunkt und die Stärke der Auswirkungen an. Für das zweite Quartal rechnet die OECD mit einem Wachstum von 0,4 Prozent.
Das Bundesfinanzministerium verwies in seinem aktuellen Monatsbericht auf einen intakten Aufschwung in Deutschland. Es gebe einen starken Beschäftigungsaufbau, positive Konjunkturindikatoren und eine optimistische Stimmung. All dies zeugt nach Auffassung des Hauses von Minister Peer Steinbrück „von einer robusten Verfassung der deutschen Wirtschaft“.
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Während Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann unterdessen zu seinen umstrittenen Äußerungen klarstellte, es gehe ihm nicht „um den Ruf nach dem Staat und die Rettung von Investoren“, wollten führende britische Banker am Donnerstag mehr staatliche Unterstützung einfordern. Die Vertrauenskrise der Banken untereinander dauert nach Einschätzung des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) nach wie vor an.
Ackermann hatte am Montagabend in Frankfurt gesagt: „Ich glaube nicht mehr an die Selbstheilungskraft der Märkte.“ Das hatte eine Debatte um die Rolle des Staates und die Regulierung der Finanzmärkte ausgelöst. Gewerkschafter, Ökonomen und Politiker hatten Ackermann vorgeworfen, er versuche Verluste auf die Allgemeinheit abzuwälzen. In der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) versicherte Ackermann, es gehe nicht darum, Verluste zu sozialisieren: „Die Banken haben und werden natürlich ihren Beitrag leisten.“
Ackermann erklärte, bei der Podiumsdiskussion am Montagabend sei es um die Stabilisierung des US-Immobilienmarktes gegangen. Er meine, dies werde relativ lange dauern. „In diesen schwierigen Zeiten ist dort eine konzertierte Aktion von Regierung, Notenbank und Marktteilnehmern notwendig.“ Vor allem die US-Notenbank Fed hatte die Kreditwirtschaft mit Geld versorgt und teils die Märkte beruhigt.
Auch europäische Zentralbanken stellen der Kreditwirtschaft weiterhin außer der Reihe Geld zur Verfügung: Die Europäische Zentralbank (EZB) versorgte das Bankensystem der Eurozone über Ostern mit 15 Mrd. Euro als zusätzliche Liquidität. Zudem pumpt die Bank of England wöchentlich jeweils fünf Mrd. Pfunde zusätzlich in den Markt.
In der Debatte um die Zinspolitik der EZB betonte Österreichs Notenbankchef Klaus Liebscher, die EZB lasse sich nicht von Markterwartungen treiben. „Ein guter Dialog zwischen der EZB und den Märkten ist wichtig. Aber andererseits ist klar: Im Fahrersitz sitzt die Zentralbank“, sagte Liebscher der „Financial Times Deutschland“. Die EZB lehnt wegen der ausufernden Inflation bislang Zinssenkungen ab, die die Wirtschaft ankurbeln würden. Niedrigere Zinsen könnten die Inflation anheizen, weil Kredite günstiger werden.
Liebscher warnte zugleich vor Konjunkturpessimismus. „Wir müssen alles tun zu verhindern, dass die Wirtschaft nur heruntergeredet wird.“ Das Wachstum im Euroraum werde 2008 „mit leicht unter Potenzial immer noch recht gut ausfallen“. Liebscher zeigte sich „fest überzeugt, dass sich das europäische Bankensystem in einer wesentlich stabileren Verfassung befindet“ als etwa das der USA.




