Während Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann unterdessen zu seinen umstrittenen Äußerungen klarstellte, es gehe ihm nicht „um den Ruf nach dem Staat und die Rettung von Investoren“, wollten führende britische Banker am Donnerstag mehr staatliche Unterstützung einfordern. Die Vertrauenskrise der Banken untereinander dauert nach Einschätzung des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) nach wie vor an.
Ackermann hatte am Montagabend in Frankfurt gesagt: „Ich glaube nicht mehr an die Selbstheilungskraft der Märkte.“ Das hatte eine Debatte um die Rolle des Staates und die Regulierung der Finanzmärkte ausgelöst. Gewerkschafter, Ökonomen und Politiker hatten Ackermann vorgeworfen, er versuche Verluste auf die Allgemeinheit abzuwälzen. In der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) versicherte Ackermann, es gehe nicht darum, Verluste zu sozialisieren: „Die Banken haben und werden natürlich ihren Beitrag leisten.“
Ackermann erklärte, bei der Podiumsdiskussion am Montagabend sei es um die Stabilisierung des US-Immobilienmarktes gegangen. Er meine, dies werde relativ lange dauern. „In diesen schwierigen Zeiten ist dort eine konzertierte Aktion von Regierung, Notenbank und Marktteilnehmern notwendig.“ Vor allem die US-Notenbank Fed hatte die Kreditwirtschaft mit Geld versorgt und teils die Märkte beruhigt.
Auch europäische Zentralbanken stellen der Kreditwirtschaft weiterhin außer der Reihe Geld zur Verfügung: Die Europäische Zentralbank (EZB) versorgte das Bankensystem der Eurozone über Ostern mit 15 Mrd. Euro als zusätzliche Liquidität. Zudem pumpt die Bank of England wöchentlich jeweils fünf Mrd. Pfunde zusätzlich in den Markt.
In der Debatte um die Zinspolitik der EZB betonte Österreichs Notenbankchef Klaus Liebscher, die EZB lasse sich nicht von Markterwartungen treiben. „Ein guter Dialog zwischen der EZB und den Märkten ist wichtig. Aber andererseits ist klar: Im Fahrersitz sitzt die Zentralbank“, sagte Liebscher der „Financial Times Deutschland“. Die EZB lehnt wegen der ausufernden Inflation bislang Zinssenkungen ab, die die Wirtschaft ankurbeln würden. Niedrigere Zinsen könnten die Inflation anheizen, weil Kredite günstiger werden.
Liebscher warnte zugleich vor Konjunkturpessimismus. „Wir müssen alles tun zu verhindern, dass die Wirtschaft nur heruntergeredet wird.“ Das Wachstum im Euroraum werde 2008 „mit leicht unter Potenzial immer noch recht gut ausfallen“. Liebscher zeigte sich „fest überzeugt, dass sich das europäische Bankensystem in einer wesentlich stabileren Verfassung befindet“ als etwa das der USA.




