„Wenn die USA in eine längere Schwächephase rutschen und sich die Konjunktur wichtiger europäischer Nachbarländer wie Frankreich oder Spanien schlecht entwickelt – dann wird das natürlich auch die deutsche Wirtschaft treffen“, erwartet der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Bert Rürup, ebenfalls im Gespräch mit dem Handelsblatt.
Spürbar würde das hierzulande dann allerdings „weniger in diesem, als vielmehr im nächsten Jahr“. Bisher sei Deutschland noch geradezu „das ökonomische Kraftzentrum in Europa“.
Rürup sieht indes gute Chancen, dass heute selbst eine echte Konjunkturabkühlung weniger durchschlagen würde als früher. Ursache seien die zurückliegenden Reformen der Agenda 2010: Dadurch profitiere der Arbeitsmarkt stärker als in der Vergangenheit von der guten Konjunktur. „Und man darf hoffen, dass, wenn es zu einer Abschwächung kommen sollte, sich diese weniger stark in der Entwicklung der Arbeitslosigkeit niederschlägt“, so der Wirtschaftsweise.
Ein paar Wermutstropfen hält daneben sogar der aktuell so robuste Aufschwung am Arbeitsmarkt noch bereit: Zwar hat sich die Gesamtzahl der Erwerbstätigen in Deutschland inzwischen auf dem Rekordniveau von 40 Millionen eingepegelt. Betrachtet man aber die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, die keine Minijobber und Selbstständigen erfasst, dann sieht das Bild nicht ganz so rosig aus. Die Zahl der Normalarbeitsverhältnisse, die das finanzielle Fundament der Sozialkassen bilden, ist mit gut 27 Millionen nach wie vor ein Stück vom Spitzenwert des Aufschwungjahrs 2000 entfernt.
Wenn führende Köpfe der Regierung nun sogar wieder Chancen auf Vollbeschäftigung sehen, dann speist sich dies zumindest zum Teil aus dem Umstand, dass in Deutschland bald nach 2010 die Zahl der Erwerbsfähigen demografisch bedingt deutlich sinken wird. Dieser Teil der Rechnung wird aber nach durchgängiger Ökonomenmeinung nicht aufgehen. Denn wenn es bei einer kleineren Bevölkerung direkt weniger Arbeitslose gäbe, dann müssten ja kleinere Länder als Deutschland quasi bereits automatisch vor Arbeitslosigkeit geschützt sein.
Kräftiger Rückgang
Weniger Arbeitslose: Die Zahl der Erwerbslosen sank im März auf 3,507 Mill. und damit auf den niedrigsten Stand dieses Monats seit 15 Jahren. Zum Februar 2008 ging die Zahl der Menschen ohne Job um 110 000 zurück, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Dienstag mitteilte. Verglichen mit März 2007 betrug die Abnahme sogar 617 000. Die Arbeitslosenquote verringerte sich um 0,2 Punkte auf 8,4 Prozent.
Mehr Jobs: Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs wuchs im Januar zum Vorjahr um 610 000 auf 27,08 Mill. Mehr als die Hälfte des Zuwachses entfiel auf Vollzeitstellen.
Höheres Defizit: Im ersten Quartal hat die BA ein Defizit von 2,5 Mrd. Euro erwirtschaftet (Vorjahreszeitraum: -71 Mill. Euro). Einnahmen von 8,8 Mrd. Euro standen Ausgaben von 11,3 Mrd. Euro gegenüber.




