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02.07.2008 

BRÜSSEL. Auch für belgische Finanzpolitiker ist es eine harte Zeit. Über Jahre hinweg waren sie die Lieblingsschüler der europäischen Wächter über den Stabilitätspakt; schließlich war es ihnen gelungen, die Verschuldung des Landes kontinuierlich abzubauen und einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen. Damit aber ist es vorbei. Nun bekommen die belgischen Finanzpolitiker einen Rüffel nach dem anderen von der EU-Kommission. "Wir müssen sehr vorsichtig sein, dass wir nicht auf eine Inflationsspirale zusteuern", monierte jüngst die Sprecherin des Währungskommissars Joaquin Almunia. Im Blick hatte sie dabei die Inflation: Sie hat in Belgien im Juni ein Rekordhoch von 5,8 Prozent erreicht.

Solch einen rapiden Preisanstieg gab es im Königreich seit einem knappen Vierteljahrhundert nicht mehr. Und das kleine Land klettert damit an die Spitze der schlechten Schüler in der Euro-Zone. Der Durchschnitt der 15 Länder liegt nämlich bei vier Prozent - auch das ist ein historischer Rekord. Aber nur Slowenien steht mit sieben Prozent in der Euro-Zone noch schlechter da als Belgien.

Hinzu kommen die schlechten Aussichten. Die niederländisch-belgische Bank ING rechnet in diesem Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von lediglich 1,5 Prozent für das Land. In den nächsten zwei Jahren sieht es nicht besser aus. Die Arbeitslosigkeit ist im sonst günstigen Monat Mai sprunghaft angestiegen.

Viele Experten stehen nach wie vor etwas ratlos vor dem explosionsartigen Anstieg der Preise. Wie in anderen Ländern sind es aber auch hier vor allem Öl- und Energiekosten, die die Inflation besonders stark treiben. "Belgien leidet darunter mehr als andere Länder in der Euro-Zone. Unsere Wirtschaft ist besonders abhängig von Rohölimporten", heißt es in einer Analyse der belgischen Nationalbank. Die EU-Kommission kritisierte zudem die Versorger, die ihre Preise substantiell angehoben hätten: "Das erklärt die höhere Inflation im Vergleich zu den anderen Euro-Ländern." Doch es liegt nicht nur an Öl und Gas.

Zusätzlich zu den Energiepreisen leiden die belgischen Unternehmen unter den Lohnkosten. Sie liegen im Vergleich zu den Nachbarländern nach wie vor höher und orientieren sich gesetzlich an der Inflation. Das heißt: Ist die Teuerung hoch, müssen die Unternehmen die Gehälter anpassen. Um eine dadurch drohende Inflationsspirale zu verhindern, hat der belgische Zentralbankchef Guy Quaden für eine Änderung der Indexbindung plädiert. Die Gewerkschaften stellten sich gegen Quadens Vorschlag und konnten auch die Regierung für ihre Sache gewinnen.

Immerhin eine Branche profitiert aber von den horrenden Preisanstiegen. Die Billig-Supermärkte verzeichnen Gewinnzuwächse, während alle anderen am trägen Konsumentenverhalten knabbern. Im belgischen Geschäftsjahr (1. April 2007 bis 31. März 2008) erreichte zum Beispiel Colruyt, die belgische Ausgabe von Lidl oder Aldi, ein Wachstum von knapp zehn Prozent - und das eindeutig dank der schlechten Wirtschaftslage, lässt der Konzern wissen: "Der Verbraucher konzentriert sich infolge der Inflation wieder auf die Preise. Das kommt uns zugute."

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EU-Kommission 0,0 1,7
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Herbstgutachten der Institute 0,2 1,8