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24.03.2008 
Konjunktur

Wirtschaft ist gegen Krise gut gewappnet

von Dorit Heß

Der Euro schwankt um 1,50 Dollar, ein Barrel Öl kostet mehr als hundert Dollar, der US-Wirtschaft steht nach der Immobilien- und Finanzkrise (Subprime) eine ganz reale Rezession bevor. Schlechte Nachrichten, die eine exportorientierte Volkswirtschaft auf Talfahrt schicken könnten. Doch bislang zeigt sich die deutsche Wirtschaft resistent.

Die deutsche Wirtschaft zeigt sich resisten. Weder Volkswirte noch Verbände rechnen mit einem Einbruch des Auslandsgeschäfts, wohl aber mit einem Rückgang.Lupe

Die deutsche Wirtschaft zeigt sich resisten. Weder Volkswirte noch Verbände rechnen mit einem Einbruch des Auslandsgeschäfts, wohl aber mit einem Rückgang.

FRANKFURT. „Die Unternehmen in Deutschland sind zwar verunsichert, direkte Auswirkungen spüren sie aber noch nicht“, sagt der Präsident des Bundesverbandes des deutschen Groß- und Außenhandels (BGA), Anton Börner, dem Handelsblatt. „Daher müssen wir auch keinen Investitionsstopp befürchten.“

Tatsächlich trotzt die Konjunktur in Deutschland der globalen Krise bislang. Wichtige Indikatoren wie zuletzt der Einkaufsmanagerindex für die Industrie und den Servicesektor zeigen nach wie vor nach oben. Ausgerechnet der Exportweltmeister Deutschland mit einer Exportquote von fast 50 Prozent ist im globalen Krisenumfeld eine Ausnahme.

Wie stark die turbulente Entwicklung in den USA und die dadurch ausgelöste internationale Finanzmarktkrise einzelne Volkswirtschaften trifft, hängt grundsätzlich von deren Struktur ab: Je offener und je verflochtener ein Land mit der US-Wirtschaft ist, desto größer ist die Gefahr, mit in den Abwärtsspirale gerissen zu werden. also Alarmstufe Rot für Deutschland, dessen zweitwichtigstes Absatzland die USA sind?


Tabelle  Infografik: Der Exportweltmeister: Deutschland


Nein. Denn wie groß die Gefahr tatsächlich ist, hängt von vielen Faktoren ab: Welche Rolle spielt der Außenhandel für ein Land? Wie multinational sind die Unternehmen aufgestellt? Welche Bedeutung haben die Finanzmärkte? Wie hoch ist das Vertrauen in die Region? Als „groß“ stuft Elga Bartsch von Morgan Stanley die Abschwunggefahr für Länder ein, die bereits „interne Probleme haben" – wie Großbritannien, Irland und Spanien auf ihren Immobilienmärkten.

Da steht die deutsche Volkswirtschaft deutlich besser da: Auch wenn sie nicht frei von Gefahren ist dürfte sie kaum in eine Rezession mitgerissen werden. Das halten Konjunkturexperten wie der Deutschland-Chefvolkswirt von Goldman Sachs, Dirk Schumacher, für „äußerst unwahrscheinlich“. Ausschlaggebend dafür ist die gute Grundverfassung der Firmen. Die einstige rote Laterne der Euro-Zone ist nach Meinung der Experten hervorragend gerüstet: „Den deutschen Unternehmen kommt jetzt sehr zu Gute, dass sie massiv ihre Wettbewerbsfähigkeit gesteigert haben in den letzten Jahren“, argumentiert Schumacher.

Der erfolgreiche Restrukturierungskurs hat aus Sicht von Morgan Stanley-Ökonomin Bartsch einen elementaren Vorteil: Die erwirtschafteten Gewinne machten die deutschen Firmen relativ unabhängig. „Die Verengung der Kreditbedingungen kann relativ gut abgefedert werden“, sagt sie. Der Außenfinanzierungsbedarf sei gering, sowohl die Gewinnquote als auch die Gewinnmargen hoch.

Auch der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg Braun, geht davon aus, dass es keine ähnlichen Probleme bei der Kreditvergabe geben wird wie in den USA: „Auch wenn einzelne Kreditinstitute Probleme haben, steht das deutsche Bankensystem immer noch auf solidem Fundament“, sagte er dem Handelsblatt. Das liege vor allem daran, dass die Mehrheit der Kreditinstitute kaum oder gar nicht in den betroffenen Märkten engagiert ist. Eine DIHK-Befragung hatte ergeben, dass sich die Kreditkonditionen für Unternehmen nur leicht verschlechtert haben. „Von einer Kreditklemme kann also keine Rede sein“, sagt Braun. „Vor diesem Hintergrund warne ich davor, hierzulande den vereinzelten Rufen nach staatlichen Hauruck-Aktionen zu folgen.“

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Experten rechnen aber mit einem Rückgang der Exporte

Allerdings gibt es auch die entgegen gesetzte Auffassung: „Die Banken tun sich schwerer, den Firmen Kredite für Investitionen zu geben. Das kann in jedem Fall Wachstum kosten“, warnte der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, in der „Bild“-Zeitung. Er sprach sich für staatliche Eingriffe aus, sollte sich die Krise verschärfen: „Die Krise kann für alle gefährlich werden, weil Geld zunächst knapp wird und Vertrauen fehlt. Ich bin für engste Abstimmung und nötigenfalls für eine konzertierte Aktion der Regierungen.“

Zudem wird die deutsche Wirtschaft nicht nur von der Subprime-Krise herausgefordert – sondern auch von dem hohen Euro-Kurs. Nachdem sie 2007 noch stark von der dynamischen Entwicklung des Welthandels profitiert und um 8,5 Prozent zulegt hatte, erwarten die meisten Konjunkturbeobachter wie der BGA in diesem Jahr nur noch eine geringe Zunahme: Auch wenn die deutsche Wirtschaft über Investitionen und Handel sowie durch die Finanzmärkte noch immer stark mit der US-Wirtschaft verflochten sei, gebe es keinen Grund für Panik, sagt BGA-Chef Börner. „Starke Wachstumsregionen wie Russland und China sorgen dafür, dass der Außenhandel 2008 immer noch um fünf Prozent zugelegt und das Wachstum stützt.“

Schon 2007 war die US-Nachfrage deutlich zurückgegangen und hatte ebenso wie die Euro-Aufwertung die Ausfuhren in die USA gesenkt: Nominal nahmen sie laut Bundesbank um sechs Prozent ab. Dass die meisten Experten dennoch relativ gelassen auf den Dollar-Euro-Kurs blicken, liegt an der sinkenden Zahl der in Dollar abgerechneten Auslandsgeschäfte: Nur noch 13 Prozent der deutschen Exporte werden in US-Dollar fakturiert, 80 Prozent in Euro. Die in ausländischen Währungen fakturierenden deutschen Unternehmen nutzten zudem in starkem Maße die Möglichkeit, ihre Ausfuhrerlöse gegen Wechselkursrisiken abzusichern, argumentiert die Bundesbank.

Ob die deutsche Konjunktur die globalen Risiken weiter abwehren kann, hängt laut Börner stark von der Euro-Entwicklung ab: Wenn der US-Dollar bis zum vierten Quartal 2008 nicht deutlich unter 1,50 Euro falle, gehe er nur von 1,2 Prozent Wachstum in 2009 aus. „Wahrscheinlich wird aber sein, dass der Euro bis zum Schlussquartal auf 1,40 sinkt – und dann sind bis zu 1,5 Prozent drin.“

Weder Volkswirte noch Verbände rechnen mit einem Einbruch des Auslandsgeschäfts, wohl aber mit einem Rückgang. Daher messen sie dem privaten Konsum eine besonders große Bedeutung bei. Bislang geben die deutschen Konsumenten keinen Anlass zur Hoffnung, bremsten sie doch sogar am Jahresende 2007 die Wirtschaft. Diese Schwäche des Konsums mache Deutschland insgesamt empfindlicher, sagt Schumacher von Goldman Sachs. „Aber sie ist in gewisser Weise auch ein Vorteil: Diese Reserve ist noch nicht angezapft.“ Das werde sich bald ändern: Die real verfügbaren Einkommen steigen – „und wenn die Menschen mehr in der Tasche haben, geben sie auch mehr aus.“

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2009 2008
Consensus Economics 1,1 2,0
OECD 1,1 1,5
IWF 1 2
EU-Kommission 1,5 1,8
Frühjahrsgutachten der Institute 1,4 1,8
Bundesregierung 1,2 1,7
Sachverständigenrat 1,9