... und läuft und läuft und läuft
Deutsche Konjunktur trotzt der Krise

Nicht nur in den volkswirtschaftlichen Abteilungen der Banken herrschte am Mittwoch Verblüffung – auch im Münchener Ifo-Institut. Die Deutsche Wirtschaft stemmt sich erfolgreich gegen die konjunkturellen Folgen der Finanzmarktkrise – und steckt den starken Euro und die hohen Ölpreise bislang locker weg. Selbst der private Konsum kommt jetzt in Gang.

DÜSSELDORF. Mit einer so guten Entwicklung des Ifo-Geschäftsklimas, dem dritten Anstieg in Folge, hatten die meisten Experten nicht gerechnet. Die deutsche Wirtschaft zeigt sich nach Einschätzung der meisten Bankökonomen widerstandsfähiger als erwartet. Schließlich hatte der Euro zum US-Dollar und der Ölpreis im März neue Rekordhöhen erklommen und waren erst wieder gesunken, als die monatliche Umfrage wegen der Osterferien praktisch schon abgeschlossen war. Inzwischen steigt der Euro-Kurs wieder, und auch Öl verteuerte sich am Mittwoch, weil die US-Rohöllagerbestände sich in der Woche vor Ostern kaum erhöht haben.

Doch nach dem Stimmungsbarometer scheint es, dass die konjunkturellen Belastungsfaktoren starker Euro und hoher Ölpreis der deutschen Wirtschaft derzeit kaum etwas anhaben können. Dabei spielt nicht nur eine Rolle, dass vier Fünftel der deutschen Exporte inzwischen in Euro fakturiert werden. Hinzu kommt, dass der starke Euro die Ölverteuerung für Europa erträglicher macht als für die US-Wirtschaft, die bei der Öl- und Kraftstoffrechnung die Dollar-Abwertung doppelt zu spüren bekommt.

Positiv überrascht hat am Mittwoch nicht nur der Anstieg des Ifo-Indexes um 0,7 auf 104,8 Punkte – und damit auf den höchsten Stand seit August vergangenen Jahres. Nicht erwartet worden war auch, dass sich die Geschäftserwartungen der befragten 7 000 Unternehmen aus Industrie, Bauwirtschaft, Groß- und Einzelhandel leicht verbessert haben. Das spricht nicht dafür, dass die Unternehmen fürchten, von den Folgen der Finanzmarktkrise in den nächsten sechs Monaten massiv getroffen zu werden.

In der Industrie haben sich die Geschäftsaussichten zwar im März etwas eingetrübt, gleichzeitig sind aber die Exporterwartungen für die nächsten drei Monate optimistischer als im Februar – trotz des hohen Euro-Kurses. Klaus Abberger, der im Ifo-Institut die Ifo-Befragungen koordiniert, spricht von „verhaltenem Optimismus“. Allerdings gebe es Unterschiede, sagte er dem Handelsblatt. So seien die PKW-Hersteller mit Blick auf ihre Exportaussichten kritischer als die Maschinenbauer und die Unternehmen der Metallerzeugung. Auch der Blick auf die Auftragsbestände zeigt, warum viele Unternehmen den nächsten Monaten gelassen entgegensehen. Im Maschinenbau beispielsweise sichern die Auftragsbestände schon jetzt die Produktion von vier Monaten.

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