17. Zinserhöhung in Folge
US-Notenbank weckt Hoffnungen

Die amerikanische Notenbank hat gestern die Leitzinsen erneut angehoben, sich für die Zukunft aber alle Optionen offen gelassen.

HB WASHINGTON. Der Zielsatz für das Tagesgeld unter Banken stieg um 0,25 Prozentpunkte auf nunmehr 5,25 Prozent. Es war die 17. Zinserhöhung der Federal Reserve (Fed) seit Juni 2004. Die Finanzmärkte reagierten mit Kursgewinnen für Aktien und Anleihen. Der Dollar fiel zurück.

In ihrer schriftlichen Erklärung weisen die Notenbanker darauf hin, dass sich die Konjunktur in den USA abgekühlt habe. Zugleich gebe es jedoch immer noch Inflationsrisiken. „Die Zahlen für die Kerninflation haben sich in den vergangenen Monaten erhöht“, schreiben die Fed-Gouverneure. Zwar begrenze die Abschwächung des Wachstums den Preisdruck, „ein gewisses Inflationsrisiko bleibt“ jedoch. Ausmaß und Zeitpunkt möglicher künftiger Zinserhöhungen hingen von der Entwicklung der Wachstums- und Inflationszahlen ab.

Auf den Terminmärkten für Zinskontrakte sank die Wahrscheinlichkeit für einen weiteren Zinsschritt im August von zuvor 84 auf nur noch rund 66 Prozent. Mit anderen Worten: Die Hoffnungen auf eine Zinspause im August sind gestiegen, was auch die Rally an den Aktien- und Anleihemärkten erklärt. „Die Fed hält sich alle Türen offen. Ich glaube aber, dass sie ihr Ziel erreicht hat“, sagte der frühere Notenbank-Gouverneur Robert Heller. Ökonomen an der Wall Street hatten befürchtet, die Notenbank könnte mit ihren Zinserhöhungen über das Ziel hinausschießen und eine Rezession in den USA riskieren.

Insbesondere die stark gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten haben das Preisniveau in Amerika zuletzt hochgetrieben. Die von der Fed bevorzugte Kerninflation lag im Mai bei 2,1 Prozent und damit knapp über der inoffiziellen Toleranzgrenze der Notenbank. Nach Meinung von Michael Moskow, Fed-Präsident in Chicago, sollte die Fed gar einen Wert von nur 1,5 Prozent anstreben. Derart harte Töne dienen vor allem dazu, die Inflationserwartungen der Bürger unter Kontrolle zu behalten. Die Crux dabei ist, dass die Erwartungen wesentlich von den aktuellen Inflationszahlen bestimmt werden.

Das eigentliche Dilemma für Fed-Chef Ben Bernanke & Co. besteht jedoch darin, dass sich die US-Konjunktur merklich abgekühlt hat. Zwar meldete das Handelsministerium für das erste Quartal eine stolze Wachstumsrate von 5,6 Prozent. Seither ist aber der private Verbrauch deutlich zurückgegangen. Neben den hohen Benzinkosten drückt auch der auslaufende Immobilienboom auf die Kauflust.

Steigende Preise und sinkende Wachstumsraten haben in den USA bereits die Furcht vor einer Stagflation aufkeimen lassen. Um das zu verhindern, muss die Fed in den kommenden Monaten die richtige Balance zwischen Wachstums- und Inflationsrisiken finden. Bernanke hat deshalb den Autopiloten in der Geldpolitik abgeschaltet und wird die US-Wirtschaft auf Sicht steuern müssen. „Es kommt wirklich auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung an“, sagte Bill Gross. Der Chef des weltgrößten Anleihenhändlers Pimco rechnet damit, dass sich die US-Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte soweit abkühlen wird, dass die Fed noch vor dem Jahresende die Leitzinsen wieder senken muss.

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