2008 nur noch 1,5 Prozent
IWF senkt Wachstumsprognose für Deutschland

Der schwächere Welthandel hat den IWF zu einer abermaligen deutlichen Absenkung seiner Wachstumsprognose für Deutschland veranlasst. In seinem Länderbericht vom Mittwoch geht der Internationale Währungsfonds (IWF) nur noch von einem deutschen Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent in diesem Jahr aus nach einem Zuwachs von 2,5 Prozent im vorigen Jahr.

HB WASHINGTON. Im Oktober hatten die Experten für 2008 noch mit einem Zuwachs von zwei Prozent gerechnet, drei Monate davor mit 2,4 Prozent. Für 2009 geht der Fonds von einem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 1,6 Prozent aus. Weiterhin bestünden für die Wachstumsprognose moderate Abwärtsrisiken.

Einen gewissen dämpfenden Einfluss hätten auch der starke Euro und der hohe Ölpreis. Der Fonds empfahl Deutschland, Maßnahmen zur Erhöhung seines Wachstumspotenzials zu ergreifen. Kurzfristig sei mit einem geringeren Wachstum und einer höheren Inflation zu rechen. Für das deutsche Bankensystem sieht der Fonds einen Restrukturierungsbedarf.

Der Exekutivrat des Währungsfonds lobte die Reformanstrengungen und dass der Gesamthaushalt erstmals seit 1990 wieder leicht positiv ist. Die Beschäftigung sei „beeindruckend“ gestiegen, die Etatlage in Deutschland überdies die beste seit der Wiedervereinigung. Um den das bisher Erreichte auf lange Sicht zu sichern, müssten die Reformen mit Blick auf den Arbeitsmarkt, die Rahmenbedingungen für Investitionen und Staatsausgaben allerdings unvermindert fortgesetzt werden, betonte das Gremium. Vor allem die weiter steigenden Gesundheitskosten seien eine Belastung für die Staatsfinanzen.

„Langfristig bestehen die Herausforderungen darin, die Produktivität und das potenzielle Wachstum zu erhöhen, um die hart erarbeiteten Fortschritte zu erhalten“, sagte der IWF-Beauftragte für Deutschland, Juha Kähkönen. Die Produktivität bei den Dienstleistungen sei anders als in der Industrie kaum gestiegen. Zudem behindere ein deutlicher Mangel an Fachkräften, vor allem in exportorientierten Branchen, im Bildungs- und Gesundheitswesen, weiteres Wachstum. Skeptisch zeigte sich der Währungsfonds auch mit Blick auf die Einführung von Mindestlöhnen, die den Erfolg der Harz-IV-Reformen untergraben könnten. Um das Geschäftsklima zu verbessern, rät der IWF überdies zur Senkung von Steuern auf Kapital und Arbeit, was den Gesamthaushalt allerdings nicht belasten dürfe.

„Deutschland braucht einen stärkeren Finanzsektor“, sagte Kähkönen. Dazu müsse die Bankenaufsicht verbessert werden, eine Umstrukturierung des Bankenwesens mit einer stärkeren Rolle für Privatkapital, betonte der IWF-Experte. Auch zählten tiefere Kapitalmärkte und ein besserte Unternehmensführung.

Die Bundesregierung hatte die Senkung der IWF-Wachstumsprognose für Deutschland auf 1,5 Prozent bereits am vergangenen Freitag bekanntgegeben, ohne aber weitere Details zu nennen. Die EU-Kommission hatte am vergangenen Donnerstag ihre Erwartung für das Wachstum in Deutschland auf 1,6 Prozent und im Euroraum auf 1,8 Prozent gesenkt. Die Bundesregierung geht in ihrer offiziellen Wachstumsprognose von einer Steigerung des Bruttoinlandsproduktes (BIP) in Deutschland um 1,7 Prozent aus.

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