5,5 Prozent Wachstum jährlich: Inlandsnachfrage lässt Japans Wirtschaftsmotor brummen

5,5 Prozent Wachstum jährlich
Inlandsnachfrage lässt Japans Wirtschaftsmotor brummen

Eine boomende Konsumnachfrage hat das Wachstum der japanischen Wirtschaft Ende 2005 stärker als erwartet beschleunigt.

HB TOKIO. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft legte im letzten Vierteljahr nach Regierungsangaben von Freitag um 1,4 Prozent zum Vorquartal zu. Zum Vergleich: Die deutsche Wirtschaft stagnierte in diesem Zeitraum. Auf das Jahr hochgerechnet ergibt dies ein Wachstum in Japan von 5,5 Prozent - dies ist fünf Mal stärker als in den USA, der weltgrößten Volkswirtschaft.

„Die Zahlen bestätigen eines ganz klar: Die Wirtschaft wächst richtig stark“, sagte Stefan Worrall, Volkswirt bei Credit Suisse. „Auch wenn wir in einigen Bereichen, etwa beim Konsum, möglicherweise einen kleinen Rückschlag im ersten Quartal erleben werden, läuft die Wirtschaft derzeit mit voller Kraft.“ Das Wachstum war das stärkste seit Anfang 2005. Im dritten Quartal hatte das BIP noch um 0,3 Prozent zugelegt. Für das Gesamtjahr ergibt sich damit ein Zuwachs um 2,8 Prozent. Dies ist das kräftigste BIP-Plus seit 2000. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte mit 2,0 Prozent gerechnet. Die deutsche Wirtschaft - die weltweit drittgrößte - wuchs 2005 um 0,9 Prozent.

Japan hat sich 2005 mit vier Wachstumsquartalen in Folge vor allem dank einer starken Inlandsnachfrage stetig von der Rezession Ende 2004 erholt. Der Konsum hat mittlerweile sogar den Export, den traditionellen japanischen BIP-Motor, als wichtigsten Wachstumstreiber abgelöst. Im Quartal Oktober bis Dezember legte der private Verbrauch um 0,8 Prozent zu. Dies lag vor allem an einer Belebung der Löhne und Gehälter, die 2005 erstmals seit fünf Jahren wieder zunahmen. Zudem führte ein ungewöhnlich kalter Winter zu einer starken Nachfrage nach Heiz-Material und warmer Kleidung. Und schließlich stieg die Stimmung der Konsumenten nicht zuletzt wegen des rund 40-prozentigen Kursanstiegs an der Börse in Tokio.

Die vorgelegten Daten zeigen aber auch, dass sich die Ausfuhren vor allem in wichtige Exportländer wie China und die USA Ende 2005 ebenfalls erholten. So lag der Außenbeitrag zum BIP-Wachstum - Exporte minus Importe - bei 0,6 Prozentpunkten. Im Vorquartal hatten die Ausfuhren dagegen noch keinen positiven Beitrag leisten können.

An den Märkten bestärkten die BIP-Zahlen zusammen mit der jüngsten Belebung der Verbraucherpreise die Erwartungen, dass die japanische Zentralbank Ende April ihre ultra-lockere Geldpolitik aufgeben wird. Der Finanzsektor müsse dann angesichts des allmählichen Endes der Phase dauerhaft sinkender Preise (Deflation) nicht mehr mit überschüssiger Liquidität versorgt werden, sagten Analysten. Die Bank von Japan (BoJ) könne daher zur traditionell auf Zinsen ausgerichteten Politik zurückkehren.

Die Zentralbank hält die Zinsen seit Jahren nahe null Prozent und steuert die Geldpolitik über direkte Finanzspritzen in die Wirtschaft. BoJ-Chef Toshihiko Fukui bekräftigte am Freitag, die Notenbank werde ihre Politik erst dann ändern, wenn sich die Jahresteuerung über null Prozent stabilisiere. Händler rechnen damit beim Treffen der BoJ am 28. April. Doch Ministerpräsident Junichiro Koizumi warnte trotz der guten Daten vor verfrühtem Optimismus: „Die Zahlen sind zwar besser als erwartet, aber wir können noch nicht sagen, dass wir die Phase der Deflation hinter uns gelassen haben.“

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