60 Jahre Konjunkturforschung
Ifo – Münchner Geburtstagskindl

Das Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) feiert seinen 60. Geburtstag. Nach wechselvoller Geschichte muss die Denkfabrik durchaus nicht bange in die Zukunft schauen – auch in Zeiten der Wirtschaftskrise.

FRANKFURT. Es ist gerade mal ein Jahr her, da feierte der Übervater des Münchener Ifo-Institutes, Hans-Werner Sinn, mit einer großen Forschungskonferenz seinen 60. Geburtstag. Am Dienstag zieht die gesamte Denkfabrik nach: Die Jahrestagung des renommierten Hauses wird zu 60. Geburtstagsfeier. Dabei könnte das Institut im Grunde zu seinem 63. Geburtstag einladen. Denn bereits 1946 wurde das „Institut für Wirtschaftsbeobachtung und Wirtschaftsberatung“ im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft gegründet, aus dem später das Ifo-Institut hervorging – unter Mitwirkung des damaligen Bayerischen Landes- bzw. Staatsministers Ludwig Erhard. Noch heute heißt der große Sitzungssaal des Münchener Instituts zu Ehren des Vaters des Wirtschaftswunders daher „Ludwig-Erhard-Saal“.

Ein Jahr später wurde das Haus „umgegründet“ – zum hauseigenen Institut des Staatsministeriums, in das „Süddeutsche Institut für Wirtschaftsforschung e. V.“. Wiederum ein Jahr später wurde die Ifo-Stelle für Wirtschafsbeobachtung im Bayerischen Landesamt für Statistik zur Organisation von Unternehmenserhebungen außerhalb der amtlichen Statistik gegründet, im Juli 1948 erschien der erste Ifo-Schnelldienst mit Ergebnissen von Testerhebungen. Heute gilt der Ifo-Geschäftsklima-Index, wie das Barometer heißt, als der wichtigste Stimmungsindikator der deutschen Wirtschaft.

Im Januar 1949 schließlich wurde das Institut für Wirtschaftsforschung München im Kleinen Rathaussaal „durch maßgebliche Initiative von bayerischen Unternehmen und Verbänden sowie durch die Mitwirkung der süddeutschen Wirtschaftsministerien in Bayern, Württemberg-Baden, Hessen und der Münchner Universität“ gegründet, wie es heute im Institut heißt.

Das Haus in der Poschingerstraße 5 in München steht seither für Konstanz – das lässt sich allein schon an der kleinen Zahl der Präsidenten ablesen: Innerhalb von sechs Jahrzehnten standen gerade einmal fünf an der Spitze. 1949 bis 1955 Karl Wagner, 1955 bis 1965 Hans Langelütke, 1965 bis 1976 Karl Maria Hettlage, 1976 bis 1999 Karl Heinrich Oppenländer und seither Hans-Werner Sinn. „Er hat aus dem Ifo-Institut eine nicht nur in Deutschland, sondern weltweit bedeutende ökonomische Forschungseinrichtung gemacht“, lobt Harvard-Professor Martin Feldstein, der das renommierte amerikanische National Bureau of Economic Research (NBER) leitet. Cesifo – ein Forschungsverbund – sei „in den letzten Jahren wie Phönix aus der Asche gestiegen“, lobt der Vorsitzende der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz. „Das Institut hat sich nicht zuletzt auf Grund seines internationalen Netzwerkes eine hohe wissenschaftliche Reputation erworben und ist in der wirtschaftspolitischen Beratung nicht mehr wegzudenken“, sagt er.

Dabei lief es für das Ifo-Institut vor einigen Jahren gar „nicht übermäßig“, wie Ifo-Wissenschaftler Gernot Nerb berichtet, der seit 1967 dem Haus angehört. Die Serviceleistungen des Instituts waren zwar gut, die Forschungsleistungen aber nicht ausreichend, so das Urteil der Evaluatoren. Den tiefen Kratzer im Image, den die Herabstufung zur „Serviceeinrichtung“ hinterließ, konnte das Haus in der „Ära Sinn“ mehr als nur glatt bügeln. Pünktlich zum Jubiläum, im März dieses Jahres, kamen die strengen Prüfer zu dem Ergebnis, das Ifo-Institut leiste „hervorragende“ Arbeit. Ihre Empfehlung: Bund und Länder sollen Ifo zu einer Forschungseinrichtung umstufen. So gesehen dürfte den Münchnern trotz der Wirtschaftskrise vor den nächsten 60 Jahren nicht bange sein.

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