7,5 Prozent mehr als im Vorjahr: Deutschland bleibt Exportweltmeister

7,5 Prozent mehr als im Vorjahr
Deutschland bleibt Exportweltmeister

Deutsche Unternehmen haben im vergangenen Jahr so viel exportiert wie nie zuvor – und das dritte Mal in Folge einen Rekordüberschuss im Außenhandel erzielt.

HB DÜSSELDORF. Die Handelsbilanz schloss 2005 mit einem Rekordüberschuss von 160,5 Mrd. Euro ab nach 156,1 Mrd. Euro 2004. Das teilte das Statistische Bundesamt heute basierend auf ersten Schätzungen mit. Insgesamt wurden Waren im Wert von 786,1 Mrd. Euro ausgeführt, das entspricht 7,5 % mehr als 2004. Die Einfuhren kletterten im vergangenen Jahr um 8,7 % auf 625,6 Mrd. Euro.

Volkswirte schließen daraus, dass Deutschland damit seine Stellung als Exportweltmeister verteidigt hat. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass Deutschland auch 2006 Warenexport-Weltmeister bleiben wird. Erst ab 2008 könnten die Chinesen die USA und uns überholen“, sagt Alexander Koch von der Hypo-Vereinsbank. Den deutschen Exporterfolg erklären Ökonomen mit der florierenden Weltwirtschaft und relativ niedrigen Lohn- und Preissteigerungen. Für Dezember wiesen die Bundesstatistiker dagegen einen überraschend geringen Handelsbilanzüberschuss in Höhe von 9,2 Mrd. Euro aus. Saisonbereinigt stiegen die Exporte um 0,8 %, die Importe legten um 5,8 % gegenüber November zu.

Volkswirte rechnen nun damit, dass der Außenhandel allenfalls einen geringen Wachstumsbeitrag zum Bruttoinlandsprodukt im letzten Quartal des vergangenen Jahres geleistet habe.

Volkswirte sagten zu den Daten gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters in ersten Reaktionen:

Ulrike Kastens, Sal Oppenheim:

Das ist schon enttäuschend: Es sieht danach aus, als hätte der Außenhandel im vierten Quartal keinen positiven Beitrag zum Wirtschaftswachstum geliefert. Der Konsum ist auch schwach, da bleiben nur noch die Ausrüstungsinvestitionen. Das vierte Quartal wird wohl schwächer sein als erwartet. Generell ist zu sagen, dass wir gute Aufträge aus dem Ausland im vierten Quartal bekommen haben, die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft ist sehr gut. Von daher rechnen wir mit einem kräftigen Rebound im ersten Quartal 2006. Man muss ganz klar sehen, dass die deutsche Wirtschaft von der guten Situation des Welthandels profitiert, wir haben steigende Exporte in die wachsenden Märkte, vor allem nach China und in die osteuropäischen Staaten. Außerdem profitiert die deutsche Wirtschaft vom Recycling der Petrodollars. Da macht es sich bemerkbar, dass die deutsche Industrie vor allem Investitionsgüter herstellt.

Die deutschen Unternehmen sind sehr gut aufgestellt: Die Restrukturierungen der vergangenen Jahre wirken sich aus im Vergleich zur Konkurrenz. Während die Lohnstückkosten in Deutschland fallen, steigen sie in anderen Ländern noch, das macht sich auf hart umkämpften Märkten deutlich bemerkbar.“

Dirk Schumacher, Goldman Sachs:

„Erstaunlich, dass der Import so stark angestiegen ist, und die Exporte nicht so kräftig, da hätte ich mehr erwartet. Nominell bekommen wir wohl einen negativen Wachstumsbeitrag im vierten Quartal vom Außenhandel. Das ist ähnlich wie bei der Industrieproduktion gestern eher enttäuschend. Aber die Business-Surveys signalisieren eine bessere Entwicklung.

Wenn die Importe steigen ist das grundsätzlich kein schlechtes Zeichen, dann regt sich was bei der inländischen Nachfrage. Hier spielen aber sicherlich auch höhere Ölpreise eine Rolle. Aber selbst in realer Betrachtung sind die Importe um zehn Prozent gestiegen, da sieht man, es ist nicht nur der höhere Ölpreis.“

Alexander Koch, Hypo-Vereinsbank:

„Die starken Importe werden auf jeden Fall den Außenbeitrag drücken, von dem wir zum Jahresende nicht viel zu erwarten haben. Wir sehen Abwärtsrisiken für das BIP im vierten Quartal und rechnen mit einer schwarzen Null, zumal vom Einzelhandel ein negatives Signal kam. Stark sind aber weiter die Investitionen.

Beim Blick auf die Export-Jahreszahl stellt man fest, dass sich die weltweiten Rahmenbedingungen seit der Jahresmitte 2005 verbessert haben. Und auch die Lohnkosten haben sich im Vergleich zu anderen Industrieländern moderater entwickel: Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit hat sich im internationalen Vergleich verbessert. Was den Euro angeht, hatten wir eine relativ günstige Entwicklung, aber von einem hohen Niveau. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Deutschland 2005 und 2006 Warenexport-Weltmeister bleiben wird. Erst ab 2008 könnten dann die Chinesen alle überholen.“

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