8. Deutsch-Arabisches Wirtschaftsforum
Wirtschaft hofft auf arabischen Investitionsboom

Die deutsche Exportwirtschaft profitiert kräftig von den hohen Einnahmen aus Ölexporten in den arabischen Staaten. Künftig wollen deutsche Unternehmen aber auch an dem Investitionsboom der Region teilhaben. „Deutsche Unternehmen sind bestens geeignet, an der Modernisierung und Diversifizierung der arabischen Länder teilzunehmen“, sagte Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement im Vorfeld des 8. Deutsch-Arabischen Wirtschaftsforums in Berlin. Dort sondieren ab heute hundert Teilnehmer aus dem Mittleren Osten und der deutschen Wirtschaft Kooperationschancen.

DÜSSELDORF. In den letzten sieben Jahren haben sich die Ausfuhren in die arabischen Opec-Staaten verdoppelt. Ende 2004 lag das Handelsvolumen mit allem arabischen Staaten bei 24 Mrd. Euro, Tendenz kräftig steigend. Dennoch fließen in die Region nur 0,7 Prozent aller Direktinvestitionen weltweit.

Aus dieser Nische wollen etliche Ölexporteure jetzt heraustreten – um langfristig der Abhängigkeit vom Öl zu entrinnen. Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Katar oder Kuwait verbreitern ihre Wirtschaftsbasis und machen durch spektakuläre Projekte auf sich aufmerksam. Diese Mixtur aus Kapital und Aufbruch macht die Region für Deutschland reizvoller noch als Südostasien oder Lateinamerika. Auf die arabischen Staaten entfallen zwei Drittel der Weltölproduktion, sie verfügen über große Gasreserven. Mit knapp acht Prozent der Weltbevölkerung produzieren sie aber nur 2,7 Prozent des globalen Bruttosozialprodukts. Nun wollen sie sich auch für Investoren attraktiver machen.

„Wir erleben einen neuen Schwung im Handel mit arabischen Staaten“, sagt Nahostexperte Peter Kreutzberger vom Bundesverband der Deutschen Industrie. „Unsere Exporte in die arabische Welt sind deutlich höher als die Exporte Deutschlands in die Asean-Staaten“, bestätigt Clement. Neben den VAE sind Saudi-Arabien, Ägypten Kuwait, Algerien und Libyen für die deutsche Wirtschaft Märkte mit großem Potenzial.

Ursache für den Aufschwung sind auch einsetzende Reformen. Ägypten, so beobachtet Jochen Clausnitzer von Deutschen Industrie- und Handelskammertag, habe seit Mitte letzten Jahres die Einkommensteuer halbiert, die Währung stabilisiert und die Zölle gesenkt. Mit Handels- und Industrieminister Rachid sitze erstmals ein Unternehmer in der Regierung. „Ägypten macht offensichtlich Ernst mit seinen Wirtschaftsreformen“, sagt Kreutzberger.

Auch Saudi-Arabien rückt wieder in das Blickfeld. Zwar sind die Exporte in das Land, das über 25 Prozent der weltweiten Ölreserven verfügt, 2004 leicht zurückgefallen und Terroranschläge haben Unternehmer verunsichert. Doch im ersten Quartal 2005 stiegen die deutschen Ausfuhren nach Saudi-Arabien deutlich um 42 Prozent. Die deutsche Wirtschaft hofft auf einen größeren Teil vom Investitionskuchen. Bis zum Jahr 2023 will Riad Investitionen von 500 Mrd. US-Dollar in den Ausbau der Öl- und Gaswirtschaft, in Infrastruktur, Wasser und Elektrizität kanalisieren.

Deutschland genießt in den arabischen Staaten traditionell einen guten Ruf. Die Position der Bundesregierung während des Irak-Krieges hat das Ansehen noch verbessert. Genützt haben der Wirtschaft auch die Reisen von Bundeskanzler Gerhard Schröder. „Sie waren Gold wert“, heißt es beim BDI. Allerdings müsse die Bundesregierung mehr leisten, um der massiven Konkurrenz von Briten, Franzosen und Italienern in den arabischen Staaten Stand zu halten, verlautet von der Arabisch-Deutschen Vereinigung für Handel und Industrie und Handel (Ghorfa). „Wir müssen mit massiver Präsenz vor Ort die Kooperationen ausbauen“, fordert Carl Dieter Spranger, Präsident der Ghorfa und ehemaliger Bundesminister für Wirtschaftliche Zusammenarbeit. „Es ist wichtig, dass unsere Botschaften in der Region mit ausreichenden Kapazitäten ausgestattet sind.“

Aber nicht nur an der Flankierung liegt es, wenn das Potenzial noch größer ist als das Engagement. „In den Golfstaaten liegt das Geld auf der Straße“, sagt Kreutzberger. „Doch die Deutschen waren zu zögerlich, um die Gelegenheiten beim Schopf zu packen.“ Das scheint sich allmählich zu ändern. In Kuwait ist die deutsche Wirtschaft dabei, sich an größeren Projekten mit Managementwissen und Instandsetzungsarbeiten zu beteiligen. Und die VAE präsentieren sich erfolgreich als Handelsdrehscheibe. Damit sind sie zum stärksten arabischen Partner der deutschen Wirtschaft avanciert. Kreutzberger: „Die VAE hat die Werbetrommel äußerst erfolgreich gerührt.“

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