Abkühlung hat sich seit dem Frühjahr abgezeichnet
Japan: Wirtschaftsdynamik lässt nach

Die am Dienstag veröffentlichten Produktionszahlen deuten darauf hin, dass die konjunkturelle Dynamik in Japan sich stärker abzukühlen scheint als manche Analysten erwartet haben. In Marktkreisen gehen sogar schon wieder Sorgen um, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt steuere auf eine erneute Rezession zu oder stecke womöglich bereits drin.

HB TOKIO. Doch Analysten in Tokio halten das für wenig wahrscheinlich und glauben eher, dass es sich nur um eine „Pseudo-Rezession“ handelt. Japans wirtschaftliche Erholung dürfte sich vielmehr fortsetzen, wenn auch mit einer geringeren Dynamik.

Die Industrieproduktion sank im Oktober zum Vormonat um 1,6 % auf den niedrigsten Stand seit sieben Monaten - Ökonomen hatten mit einem leichten Zuwachs gerechnet. Die Arbeitslosenquote stieg zudem leicht auf 4,7 %. Bereits zuvor hatten die Daten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das Quartal Juli bis September die Erwartungen enttäuscht. Mit einem Plus von nur 0,1 % zum Vorquartal hatte sich das Wachstum im dritten Quartal in Folge verlangsamt. Sowohl die Daten zu Investitionen als auch den Exporten - beides die Hauptantriebskräfte für die jüngste Wirtschaftserholung - fielen unerwartet schwach aus.

Eine Abkühlung hat sich seit dem Frühjahr abgezeichnet. „Die Unternehmen agieren nach wie vor sehr vorsichtig. Sie achten darauf, dass ihre Lagerbestände nicht deutlich zunehmen und fahren mit ihren Restrukturierungsmaßnahmen fort“, erklärt Martin Schulz, Ökonom beim Fujitsu Research Institute in Tokio. Dies führe dazu, dass die Nachfrage der Haushalte angesichts stagnierender Löhne nur langsam zunehme und die Deflation nur langsam abnehme. Hinzu komme, dass in den nächsten Monaten die inzwischen generell hohen Profite der japanischen Unternehmen durch die Aufwertung des Yen abnehmen werden.

Dieses negative Umfeld dürfte nach Ansicht auch anderer Analysten jedoch nicht zu einer weiteren Rezession führen. Die gegenwärtige Phase unterscheide sich von vergangenen Abschwüngen, schrieben kürzlich die Ökonomen bei Goldman Sachs in Tokio. Zum einen sei der Druck zur Lageranpassung unvergleichlich schwächer als früher. Unbeabsichtigte Lagerakkumulierungen seien auf die IT-bezogenen Branchen beschränkt und hätten sich nicht auf den gesamten Produktionssektor ausgebreitet. Zum anderen sei die Zahl neuer Stellenangebote und die Kapazitätsausnutzung gestiegen, hieß es.

Hinzu kommt, dass die Umstrukturierungen der Unternehmen inzwischen nach dieser Darstellung zu einer hohen Wettbewerbsfähigkeit der japanischen Produkte geführt haben. Zudem befinde sich das Vertrauen der Haushalte weiterhin auf einem positiven Trend, erklärt der Ökonom vom Fujitsu Research Institute. Und schließlich erlaube das deflationäre Umfeld der japanischen Zentralbank, bei weiteren stärkeren Abwertungen des Dollars mit großem Gewicht in den Devisenmarkt einzugreifen - „und so zusätzlich expansiv zu wirken“, sagt Schulz.

Da die Antriebskräfte der wirtschaftlichen Erholung Japans weiterhin die Exporte und die Kapitalinvestitionen der Unternehmen seien, werde das Wachstum ab dem dritten Quartal 2005 wieder an Fahrt gewinnen, prognostiziert das Nomura Economic Research Institute in seinem Dezember-Bericht. Der Stimmungsabschwung an den Finanzmärkten werde von Ende 2004 bis Anfang 2005 abklingen, bevor wieder eine Aufhellung einsetzen dürfte, so die Nomura-Ökonomen.

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