Absatzssorgen
Industrie tritt auf Produktionsbremse

Wegen massiver Absatzsorgen hat die deutsche Industrie ihre Produktion im Oktober so stark gedrosselt wie seit Jahren nicht mehr. „Die globale Finanzmarktkrise trifft den Sektor nun mit voller Wucht“, schrieben die Forscher von Markit zu ihrer am Montag veröffentlichten Umfrage unter 500 Unternehmen. Erstmals seit drei Jahren wurden auch Stellen abgebaut. Auch die Industrie in der Euro-Zone hat im Oktober eine Vollbremsung hingelegt.

HB BERLIN. Der Markit-/BME-Einkaufsmanagerindex brach von 47,4 Punkten im September auf 42,9 Zähler ein. Er entfernte sich damit überraschend deutlich von der Schwelle von 50 Punkten, ab der ein Wachstum angezeigt wird. Hauptgrund dafür war, dass die Firmen kräftig auf die Produktionsbremse traten. „Infolge des regelrechten Auftragseinbruchs und schrumpfender Auftragspolster drosselten die Firmen ihre Produktion nicht nur zum dritten Mal hintereinander, sondern auch so stark wie noch nie in der zwölfeinhalbjährigen Umfragegeschichte“, hieß es.

Die Unternehmen verzeichneten einen Rekordrückgang beim Neugeschäft. „Ausschlaggebend hiefür waren die globale Finanzmarktkrise und zunehmende Konjunkturängste“, schrieben die Marktforscher. Besonders rapide gingen die Aufträge aus dem Ausland zurück. Wegen der schlechten Aussichten baute die Industrie erstmals seit gut drei Jahren wieder Stellen ab. Entlassen wurden vor allem Zeitarbeiter.

Für etwas Entlastung sorgte der massive Preisrückgang bei Rohöl und anderen Vormaterialien. Der Index für die Einkaufspreise fiel dadurch auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren. Auch wegen des massiven Wettbewerbsdrucks hoben die Betriebe ihre Verkaufspreise so gering an wie seit Jahresbeginn nicht mehr.

Auch die Industrie in der Euro-Zone drosselt die Produktion: Die Geschäfte in dem Sektor liefen so schlecht wie seit mindestens elf Jahren nicht und die Aufträge brachen kräftig ein, wie aus dem Markit-Einkaufsmanager-Index für die Euro-Zone hervorgeht. Das Barometer fiel etwas stärker als nach vorläufigen Berechnungen um knapp vier auf 41,1 Punkte und markierte damit den tiefsten Stand seit Umfragebeginn im Juni 1997.

Die Daten deuteten auf einen Rückgang der Industrieproduktion mit einer aufs Jahr hochgerechneten Rate von sechs Prozent hin, sagte der Chefvolkswirt der britischen Marktforscher von Markit, Chris Williamson. Ein solche Talfahrt habe es seit 1993 nicht mehr gegeben. „Da die Fertigwarenlager wegen schwacher Umsätze in Rekordtempo steigen, dürfte es in den kommenden Monaten wahrscheinlich zu weiteren Rückgängen bei Produktion und Beschäftigung kommen.“ Die Industrie baute bereits im Oktober unterm Strich so kräftig Personal ab wie seit Anfang 2002 nicht mehr.

Leichte Entlastung spürten die Firmen dank des billigeren Öls immerhin auf der Kostenseite. Die Unternehmen konnten die höheren Preise zwar nur noch gebremst an ihre Kunden weiterreichen. Allerdings stiegen die Preise erstmals seit fünf Jahren stärker als die Kosten.

Die Euro-Zone steht vor einer Rezession. In allen großen Ländern dürfte die Wirtschaft im Sommer kaum gewachsen oder sogar geschrumpft sein. Auch Großbritannien steckt in einem kräftigen Abschwung. Die dortige Wirtschaft war im dritten Quartal erstmals seit 1992 geschrumpft.

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