Abschied von den zweistelligen Wachstumsraten
Chinas fette Jahre sind vorbei

Die weltweite Finanzkrise macht auch vor China nicht Halt. Das Wirtschaftswachstum der Exportlokomotive hat sich in den ersten neuen Monaten des laufenden Jahres auf 9,0 Prozent abgeschwächt. Erstmals seit Jahren fiel das Quartalswachstum nicht mehr zweistellig aus, liegt nun auf dem Niveau von 2003 – nach Ausbruch der Lungenkrankheit Sars. Erste Fabriken schließen bereits.

PEKING. Der Rückgang fiel deutlich stärker aus als von den meisten Analysten vorhergesagt. „Es ist jetzt deutlich zu erkennen, dass das Wirtschaftswachstum rapide abflaut“, regaierte ein Analayst in Schanghai geschockt. Der Trend werde weiter anhalten, ist er überzeugt. Das wäre ein echter Rückschlag für Peking: Im ersten Halbjahr hatte Chinas Wachstum noch bei 10,1 Prozent gelegen. Volkswirte hatten für das dritte Quartal nur ein Absinken knapp darunter vorhergesagt.

Das Rückgang mache deutlich, „dass niemand gegen die Krise immun ist“, erklärte Ben Simpfendorfer, Ökonom der Royal Bank of Scotland in Hongkong. Die Chinesen werden sich zunächst von den fetten Jahren mit zweistelligen Wachstumsraten verabschieden müssen, meint auch Tao Wang, Analystin bei UBS Securities in Peking. „Ich erwarte ein schwächeres Wachstum im letzten Quartal, weil dann die äußeren Einflüsse auf die chinesische Wirtschaft noch stärkere negative Auswirkungen zeigen werden.“

Dennoch gehen die Experten davon aus, dass Chinas Wirtschaftsleistung noch in diesem Jahr erstmals das deutsche Bruttoinlandsprodukt übertreffen wird. Seit 1978 ist die chinesische Wirtschaft durchschnittlich um rund zehn Prozent pro Jahr gewachsen. 2007 lag das Wachstum bei 11,9 Prozent. Die meisten Analysten haben ihre China-Jahresprognose bereits auf neun Prozent revidiert.

Die Regierung in Peking hatte am Wochenende ebenfalls eingeräumt, dass man mit einem Rückgang der Wachstumsrate rechne, da sich die Staatseinnahmen ebenso wie die Unternehmensgewinne verringern würden. Die internationalen Turbulenzen würden sich allmählich auf China auswirken. Insgesamt sei die einheimische Wirtschaft jedoch robust genug, um die globale Krise zu meistern, hieß es in einer Erklärung des Staatsrats.

Nach Einshätzungen von Analysten muss China aber jährlich ein Wachstum von mindestens acht Prozent schaffen, um einen Anstieg der Arbeitslosigkeit zu vermeiden. Denn die Volksrepublik muss jedes Jahr rund 15 bis 20 Millionen neue Arbeitsplätze schaffen, da in den komemnden Jahren 200 bis 300 Millionen Bauern vom Land in die Metropolen drängen werden.

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