Abschied von der Niedrigzinspolitik eingeleitet
EZB erhöht Leitzins

Die zweieinhalb Jahre dauernde Phase historisch niedriger Zinsen in den zwölf Euro-Ländern ist zu Ende. Zur Bekämpfung der Inflation erhöhte die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag zum ersten Mal seit fünf Jahren den Leitzins und hob ihn von 2,00 auf 2,25 Prozent an.

FRANKFURT. Eine Folge von weiteren Zinsschritten steht aber zunächst nicht an. „Dies ist keine Entscheidung im Voraus, dass wir eine Serie von Zinserhöhungen umsetzen werden“, sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet in Frankfurt. Die Notenbank wolle darüber erst auf Basis neuer Informationen entscheiden. Ökonomen erwarten die nächste Zinsanhebung im Frühjahr 2006. Bis Ende nächsten Jahres könnte der Zins auf maximal 2,75 Prozent steigen.

Die Entscheidung des EZB-Rats sei wegen der gestiegenen Inflationserwartungen erforderlich gewesen, sagte Trichet. Dieser Schritt sei kein Dämpfer für das Wirtschaftswachstum, sondern im Gegenteil eine Voraussetzung dafür: „Preisstabilität ist eine notwendige Bedingung für dauerhaftes Wachstum und Beschäftigungszuwachs.“

Die Notenbank sieht stabile Preise bei einer Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent gewährleistet. Die hohen Öl- und Benzinpreise haben die Teuerung in der Euro-Zone auch im November mit 2,4 Prozent über dieser Grenze gehalten. Trichet unterstrich, dass die gestiegene Nachfrage in Asien die Ölpreise in die Höhe treibe. Mit einem deutlich Rückgang sei daher zunächst nicht zu rechnen. Die EZB erwartet 2006 eine stärkere Inflation als bisher und hob ihre Prognose von durchschnittlich 1,9 auf 2,1 Prozent an. Die Wirtschaft werde sich schneller erholen und im nächsten Jahr mit 1,9 wachsen. Die geplante Mehrwertsteuererhöhung 2007 in der größten Volkswirtschaft Deutschland mit ihren Effekten im kommenden Jahr ist dabei berücksichtigt.

Die Notenbanker wollen mit ihrem Schritt verhindern, dass die Tarifparteien wegen der hohen Inflation stark steigende Löhne aushandeln. Dies könnte eine weitere Teuerungswelle - so genannte Zweitrundeneffekte - auslösen. Trichet wollte für die Lohnsteigerungen keine Zahl nennen, die die Bank für angemessen hält.

Trichet wehrte sich gegen die massive Kritik aus den EU-Staaten gegen die Zinserhöhung. „Diese moderate Korrektur mussten wir machen, um unsere volle Glaubwürdigkeit zu bewahren“, sagte der EZB- Präsident. „311 Mill. Menschen erwarten von uns, dass wir Preisstabilität gewährleisten.“ Das Zinsniveau von zwei Prozent sei tiefer gewesen als jemals zu Zeiten der Deutschen Bundesbank.

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