Absichtserklärung unterschrieben
Europäische Wertpapierabwicklung kommt voran

Die Notenbanken machen Fortschritte bei der Entwicklung der europäischen Wertpapierabwicklung. In einer Absichtserklärung von Donnerstag kündigten zahlreiche europäische Zentralverwahrer ihre Teilnahme an. Ein endgültiger Vertrag soll 2010 unterzeichnet werden.

FRANKFURT. Am Donnerstag haben das Eurosystem - die Europäische Zentralbank (EZB) und die 16 nationalen Zentralbanken der Währungsunion - sowie 27 europäische Wertpapier-Zentralverwahrer eine Absichtserklärung unterzeichnet: Sie schreibt die Realisierung der zentralen europäischen Plattform für die Abwicklung von Wertpapiergeschäften, kurz: Target 2 Securities (T2S), fest. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sprach von einem "sehr wichtigen Meilenstein" auf dem Weg zur Verwirklichung eines integrierten europäischen Finanzmarktes. EZB-Direktoriumsmitglied Gertrude Tumpel-Gugerell, die für das Projekt verantwortlich ist, äußerte sich zuversichtlich, dass der Zeitplan eingehalten werden könne.

Obwohl noch zahlreiche Detailfragen zu klären seien, rechnet Tumpel-Gugerell damit, dass ein endgültiger Vertrag zwischen den Beteiligten schon in der ersten Jahreshälfte 2010 unterzeichnet werden kann. 2013 soll die neue Plattform an den Start gehen. Noch vor drei Jahren, als die EZB das Projekt erstmals aufgriff, schien das Ganze vollkommen utopisch zu sein.

Die Wertpapierabwicklung ist integraler Bestandteil der Finanzmärkte. Im Kern geht es darum, wie nach dem Verkauf etwa einer Staatsanleihe der Kaufpreis beim Abwickler von der Bank des Käufers zur Bank des Verkäufers übertragen werden kann, und gleichzeitig (Zug um Zug) die Anleihe aus dem Depot der Verkäuferbank in das Depot der Käuferbank überführt wird. Dieser Prozess ist in Europa und weltweit uneinheitlich organisiert. Dies führt vor allem im grenzüberschreitenden Wertpapierhandel zu ineffizienten Abläufen. T2S soll hier durch einen einzigen Wertpapiere-Pool, zu dem alle Zentralverwahrer Zugang haben, Abhilfe schaffen. Automatisch komme es durch die neue Plattform zu mehr Wettbewerb, Transparenz und neuen Geschäftsmöglichkeiten, sagte der EZB-Präsident Trichet.

Nicht nur die Zentralverwahrer des Euro-Raums hätten das "Memorandum of Understanding" unterzeichnet", erklärte er. Unterschrieben hätten ebenfalls Island und die Schweiz, ferner sieben EU-Ländern, die nicht der Währungsunion angehörten - Dänemark, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, Schweden und Großbritannien.

Zu den noch ungeklärten Fragen zählt die Preisstruktur. Geoffrey Tessler, Chef von Clearstream, machte davon am Donnerstag unter anderem seine endgültige Teilnahme an T2S abhängig. Es wird aber allgemein davon ausgegangen, dass die Kosten drastisch reduziert werden. In einer früheren Machbarkeitsstudie war die EZB bei konservativer Kalkulation nur noch auf 0,28 Euro pro Transaktion und pro Partei gekommen. Derzeit liegen sie in den Euro-Ländern deutlich darüber.

Insgesamt würde nach einer anderen Machbarkeitsstudie bei den Depotbanken und Zentralverwahrern zwar einmalig Investitionskosten von 210 Mill. Euro anfallen. Dem stünden jährliche Einsparungen von rund 385 bis 455 Mill. Euro gegenüber.

Marietta Kurm-Engels
Marietta Kurm-Engels
Handelsblatt / Redakteurin
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