Absturz als Vorbote
Japan als Warnung für die deutsche Konkurrenz

Ein heftiger Einbruch der japanischen Exporte erschreckt weltweit die Anbieter von Industrieausrüstung. Die Ausfuhr der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt fiel im Januar verglichen mit dem Vorjahresmonat um 46 Prozent, teilte die Regierung am Mittwoch in Tokio mit. Der Absturz gilt als Vorbote für eine ähnlich schlechte Entwicklung in Deutschland, dessen Wachstum von vergleichbaren Produktgruppen abhängt.

HB TOKIO. Die offiziellen Daten für Januar stehen in Europa noch aus. Mit der Ausfuhr fiel in Japan auch das Handelsdefizit in ungeahnte Tiefen. Die Japaner mussten 7,7 Mrd. Euro draufzahlen - so viel wie noch nie seit Beginn der statistischen Erfassung.

Ursache der bisherigen Überschüsse sei der US-Import auf Pump gewesen, sagt Takatoshi Ito, Ökonom an der Tokyo University. Japan profitierte davon zweifach. Konsumgüter wie Autos und Flachfernseher gingen direkt in die USA. Der Export nach Nordamerika halbierte sich nun im Jahresvergleich. Fast ebenso stark trieben jedoch Lieferungen nach China das japanische Wachstum an. Japans Unternehmen verschifften neben Elektronik auch Ausrüstung für Fabriken von Yokohama und Osaka aus in Richtung Shanghai und Ningbo.

"Auffälligste Eigenschaft des aktuellen Exporteinbruchs ist der Wegfall von Waren, die mit Produktion in anderen Industriezweigen zu tun haben", sagt Ökonom Chiwong Lee von Goldman Sachs. Maschinen, Elektroausrüstung und Transportgeräte haben noch deutlich stärker verloren als der Gesamttrend.

Der asiatische Marktführer Komatsu beispielsweise musste bereits an sechs Standorten in Japan die Zweitagewoche einführen. Eine der Fabriken des Unternehmens arbeitet nur noch fünf Tage im Monat. "Die Zahlen belegen, dass Japans Industrieproduktion noch stärker zurückgehen wird als befürchtet", sagt Lee. Ökonomen erwarten nun durchweg, dass die Wirtschaft in diesem Jahr stärker schrumpft als bisher geschätzt.

Aktuelle Wachstumszahlen zeigen bereits jetzt, dass die Krise Japan härter trifft als deren Ursprungsland, die USA. Ursache dafür ist auch die Auflösung Ungleichgewichten in der globalen Wirtschaft. Die chinesischen Handelsüberschüsse lagen vor der Krise im Bereich von zwölf Prozent des Bruttoinlandprodukts, in den USA erreichte das entsprechende Defizit sieben Prozent. "Diese Konstellation hat sich 2008 geändert, und zwar auf harte Weise. Das Niveau von vor der Krise werden wir nie wieder erreichen", sagt Ito. Denn am Anfang der Futterkette stand US-Konsum, der von leichtfertig vergebenen Hypothekenkrediten angetrieben war. Schlechte Zeiten für Japans Exportindustrie - und eine Warnung für Deutschland. Industrieroboter, Gabelstapler oder ganze Großanlagen mit Exportziel China brachten auch deutschen Unternehmen viel Geld.

Ebenfalls wie in Deutschland trägt in Japan die Autoindustrie einen hohen Anteil zur Writschaftsleistung bei. Wegen des Exporteinbruchs stehen jedoch sogar beim weltgrößten Autokonzern Toyota an zahlreichen Standorten die Bänder still: Das Unternehmen produzierte im Jahresvergleich nur noch halb so viele Autos. Der Konzern hatte sich in seinem weltweiten Siegeszug auf eine Jahresproduktion von zehn Millionen Fahrzeugen eingestellt - in diesem Jahr werden es jedoch eher sechs Millionen sein.

Bereits im Dezember ging der japanische Export um ein knappes Drittel zurück. Der Januar war zugleich der vierte Monat in Folge mit einem Außenhandelsdefizit. Während der Export in die USA bereits seit zwei Jahren zurückgeht, stürzte die Ausfuhr nach Asien erst im Dezember ab - dafür jedoch umso steiler. Die Nachfrage aus China macht rund 15 Prozent des japanischen Exports aus. Sie fiel im Januar um 40 Prozent. Einen schwachen Lichtblick sehen die Exporteure jedoch ausgerechnet wieder im Reich der Mitte, wo Konjunkturpakete in der Größenordnung von 450 Mrd. Euro bereits jetzt zu wirken beginnen. Schon im Februar sei eine Steigerung der Nachfrage erkennbar gewesen, sagte der Chairman von Komatsu, Masahiro Sakane. Für den Export insgesamt sei jedoch noch keine Erholung zu sehen.

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