Abwärtssog erfasst China
Euro-Virus greift die Weltwirtschaft an

Die Euro-Krise nicht im Griff, katastrophale Konjunkturdaten aus Asien – droht nun ein noch größeres Desaster? Ökonomen halten dieses Szenario für möglich. Dass irgendwas besser wird, glaubt jedenfalls kaum einer.
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DüsseldorfDas schuldengeplagte Europa entwickelt sich zunehmend zu einer Bedrohung für die Weltwirtschaft. Erste Vorboten eines globalen Crashs sind die jüngsten Konjunkturdaten aus Japan und China. Einige Ökonomen sehen darin erste Anhaltspunkte dafür, dass die Euro-Krise in einer Weltwirtschaftskrise münden könnte.

„Die neuesten Zahlen auch für Deutschland verheißen in der Tat  nichts Gutes. Eine Weltwirtschaftskrise kann derzeit nicht mehr ausgeschlossen werden“, sagte der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, Handelsblatt Online. „Denn es zeigt sich immer mehr, dass  die jüngsten Treiber  der Weltwirtschaft, die Schwellenländer, zunehmend in konjunkturelle Schwierigkeiten geraten.“

Hintergrund ist, dass die chinesische Wirtschaft nun die schwache Nachfrage aus Europa deutlich zu spüren bekommt. Der Einkaufsmanagerindex der Großbank HSBC sackte im August auf 47,8 Punkte ab nach einem Stand von 49,3 im Juli, wie aus am Donnerstag veröffentlichten vorläufigen Daten hervorging. Dies ist das niedrigste Niveau seit neun Monaten.

Das schleppende Wachstumstempo in China, gepaart mit der Euro-Krise bremsten auch Japans Exportwirtschaft aus. Die Ausfuhren des Fernostlandes brachen im Juli zum Vorjahr um 8,1 Prozent ein und damit weit stärker als von Experten mit einem Minus von 2,9 Prozent erwartet.

Die Exporte in die von Rezessionssorgen geplagte Euro-Zone sackten zum Vorjahr sogar um mehr als ein Viertel ab. Einen solchen Einbruch hat es seit Oktober 2009 - also rund ein Jahr nach dem Ausbruch der Weltfinanzkrise - nicht mehr gegeben. "Das Abwärtstempo ist erschreckend. Die Lage erinnert an die Zeit nach der Lehman-Pleite", sagte Ökonom Masayuki Kichikawa von Bank of America Merrill Lynch.

Horn prophezeite schon einen harten konjunkturellen Herbst und Winter, da die USA wegen ihrer privaten und öffentlichen  Konsolidierungsanstrengungen und Europa wegen  der Euro-Krise  und des Austeritätskurses als Puffer ausfielen. Dies zeige von welch „essentieller“ Bedeutung die Überwindung der Euro-Krise sei.

Ähnlich äußerte sich der der Wormser Wirtschaftsprofessor Max Otte, der einer breiteren Öffentlichkeit durch sein 2006 geschriebenes Buch „Der Crash kommt“ bekannt wurde.  „Ich habe immer gesagt, dass sich die Finanz- und Staatsschuldenkrise dann zu einer echten Weltwirtschaftskrise ausweiten kann, wenn mindestens zwei der drei großen Industrieregionen gleichzeitig betroffen sind. Dann dürften sich auch die fiskal- und geldpolitischen Maßnahmen als weitgehend wirkungslos herausstellen“, sagte Otte Handelsblatt Online. „Noch befinden sich von den Regionen nur die USA und der europäische Süden in einer echten Krise. Aber die Gefahren wachsen.“

Kommentare zu " Abwärtssog erfasst China: Euro-Virus greift die Weltwirtschaft an"

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  • 'Euro-Payer' sagt

    @Rechner sagt
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    @Rechner sagt:

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    Weshalb eine vermehrte Kreditvergabe durch die Geschäftsbanken eine Zunahme ihres Eigenkapitals erfordert....
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    Auch das ist nicht richtig. Viele Banken haben ungenutztes EK und könnten - wenn sie denn wollten und es für sie attraktiv wäre - durchaus ihre Kreditvergabe erhöhen.
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    Viele Banken haben ungenutztes Eigenkapital?

    "(FT, 18.4:)A drastic contraction of European bank balance sheets during the next 18 months could jeopardise financial stability and economic growth in Europe and beyond, according to forecasts from the International Monetary Fund.

    In its Global Financial Stability Report, published on Wednesday, the fund warned that European banks looked set to shrink their balance sheets by $2.6tn (€2tn) over that period.
    ....
    The fund notes that the degree of deleveraging predicted by the GFSR assessment is “much larger” than that implied by plans submitted to the European Banking Authority as part of the regulator’s efforts to ensure all major European lenders’ high-quality capital buffers amount to at least 9 per cent of assets by the middle of this year."

    Ihre Vorstellungen von "ungenutzem Eigenkapital" sind laienhaft.

    Dass Eigenkapital wird bei Banken 20-fach bis 50-fach genutzt. Und das muß jetzt eben weniger werden, weshalb deleveraging angesagt ist.

    Theoretisch ginge auch mehr Eigenkapital - bloß ist das eben schwer aufzutreiben.

    Denn gebranntes Kapital scheut das Feuer.

  • (...)

    +++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++

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  • 'Euro-Payer' sagt
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    @Rechner sagt

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    ....da die unzureichende Eigenkapitalausstattung der Geschäftsbanken als ein Hauptgrund für die Finanzkrise identifiziert wurde.
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    Das ist nicht richtig. Die Finanzkrise hat 2 völlig verschiedene Bestandteile und Ursache: Die Bankenkrise ausgelöst durch die Subprime-Kreditvergabe und die Staatsschuldenkrise ausgelöst von einer Überschuldung der Staaten. Es war nicht eine zu niedrige EK-Ausstattung der Banken! Mehr EK hilft lediglich die Folgen einer Krise besser bewältigen zu können.
    ==============

    Die "Krise" und "die Folgen der Krise" sind hier doch wohl ein und dasselbe.

    Hätten die Banken ausreichend Eigenkapital gehabt um die Subprimeverluste auffangen zu können wäre es doch überhaupt nicht erforderlich gewesen sie vom Staat retten zu lassen.

    Daß ein paar Kapitalanleger ihr Kapital ganz oder teilweise verlieren ist doch keine systemische Krise.

    Die entsteht erst durch die extreme Hebelung des Eigenkapitals, die zu einem lawinenartigen Bonitätsverlust führt, selbst wenn regulatorisch offene Pleiten vermieden werden.

    Mutatis mutandis das gleiche bei den Auswirkungen des Bonitätsverlusts von Südstaaten auf die Bonität ihrer Kreditgeber und derer Kreditgeber etcpp ad infinitum.

    ...

    Versuchen Sie nicht sich 'rauszureden - Sophismen verfangen bei mir nicht ;)

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