Abwertungswettlauf droht Weidmann warnt vor Wechselkursdumping

Befindet sich die Welt mitten in einem Währungskrieg? Sollten immer mehr Länder ihre eigene Währung auf Talfahrt schicken, drohe ein Wechselkurs-Dumping, so Bundesbank-Chef Weidmann. Und der kenne am Ende nur Verlierer.
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Bundesbankpräsident Jens Weidmann. Quelle: Reuters

Bundesbankpräsident Jens Weidmann.

(Foto: Reuters)

Freiburg/LondonBundesbank-Präsident Jens Weidmann hat vor den Folgen eines staatlich betriebenen Wechselkurs-Dumpings gewarnt. "Versuchen mehr und mehr Länder, die eigene Währung zu drücken, kann dies am Ende in einen Abwertungswettlauf münden, der nur Verlierer kennen wird", mahnte der Bundesbank-Chef am Montag bei einem Auftritt in der Universität Freiburg.

Die Wechselkursentwicklung werde bei den geldpolitischen Entscheidungen der EZB selbstverständlich berücksichtigt, falls sie die Preisentwicklung beeinflusse. "Eine Wechselkurspolitik zur gezielten Schwächung des Euro würde aber am Ende auf eine höhere Inflation hinauslaufen", warnte Weidmann laut Redetext.

Auslöser der Debatte über Wechselkurs-Dumping war zuletzt die radikale Lockerung der Geldpolitik in Japan, die den Yen auf Talfahrt geschickt hatte. Dadurch haben exportorientierte japanische Firmen Wettbewerbsvorteile am Weltmarkt.

Seit Sommer 2012 hat der Euro zu vielen Währungen deutlich aufgewertet, nicht nur zum Yen, sondern auch zum US-Dollar und zum britischen Pfund. Waren aus dem Euroraum werden in der Folge im außereuropäischen Ausland tendenziell teurer, was hierzulande die konjunkturelle Erholung gefährden könnte.

Der Bundesbankchef verwies darauf, dass sich die EU-Finanzminister nur in außergewöhnlichen Situationen wie im Falle klarer und dauerhafter Fehlbewertungen des Euro auf "allgemeine Orientierungen für die Wechselkurspolitik" in der Euro-Zone verständigten. Die Diskussion um einen vermeintlich überbewerteten Wechselkurs der europäischen Gemeinschaftswährung lenke nur von den eigentlichen Herausforderungen ab.

Insbesondere Frankreich beklagt, dass die Euro-Stärke Nachteile für die europäische Wirtschaft habe. Finanzminister Pierre Moscovici will das Thema beim Treffen der Industrie- und Schwellenländer (G20) am Wochenende in Moskau ansprechen. Die G7-Gruppe der etablierten Industrieländer erwägt angesichts der Ängste vor einem globalen Abwertungswettlauf auch eine gemeinsame Erklärung gegen politisch gesteuerte Wechselkurse.

Veröffentlicht werden könnte diese während des G20-Treffens, hieß es in G20-Kreisen. Im Entwurf dafür bekennen sich die G7 - das sind neben den USA, Japan und Kanada die EU-Länder Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien - zu marktbestimmten Kursen an den Devisenmärkten und wenden sich gegen eine Wechselkurssteuerung durch die Politik.

„Wir haben kein Wechselkurs-Ziel“
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7 Kommentare zu "Abwertungswettlauf droht: Weidmann warnt vor Wechselkursdumping"

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  • Der Goldmarkt ist einfach für solche Operationen viel zu klein. Was auch einer der Gründe dafür war von der Golddeckung von Währungen abzugehen.

    Einwand: Nicht der Goldmarkt ist zu klein als Währungsgrundlage, nein der Papier-und Giralgeld"markt" ist um ein vielfaches zu groß. Die Kreditvolumen weltweit einfach zu aufgebläht als daß die reale WERTschöpfung dauerhaft mithalten kann. Fast schon ein Naturgesetz. darum wird sich in einem großen Schuldenabbau-Knall ALLES an vermeintlichen "Werten" entweder in Luft auflösen oder zum eigentlichen innewohnenden Wert zurückkehren. Was glauben Sie wohl, warum das göttliche "Streben" der Banken nach dem Besitz echten Wertes wie Grund und Boden, Immobilien, Rohstoffen uvm. in "Friedenszeiten" oberste maxime ist1 werkzeug ist die Zinsschuld aller.

  • 'Mazi' sagt
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    Dann sollten wir auf die Kursbewegung des Goldes achten!

    Es gibt nichts einfacheres als die Gelddruckmaschine anzuwerfen und dafür Gold zu kaufen. Billiger kann kein Land seinen Goldbestand aufstocken und seinen eigenen Wechselkurs nach unten drücken.
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    Das mag für kleine Länder mit entsprechend kleinen Währungen gelten - und selbst da nur bedingt.

    Wenn die EZB aber durch Goldkäufe den Wert des Euro drücken wollte, dann würde das den Preis des Edelmetalls in schwindelerregende Höhen treiben bevor ein nennswerter Effekt auf den Eurokurs zu verzeichnen wäre:

    Es gibt (Geldmenge M3) etwa 10 Billionen Euro.

    Bei einem Goldpreis von etwa 40.000 Euro pro Kilogramm müßte die EZB also etwa 25.000 Tonnen Gold aufkaufen, um die Geldmenge um 10% zu steigern.

    Das wäre ein Siebtel des gesamten jemals geförderten Goldes, oder zehn Jahresfördermengen.

    Der Goldmarkt ist einfach für solche Operationen viel zu klein. Was auch einer der Gründe dafür war von der Golddeckung von Währungen abzugehen.

    ...

    Abgesehen davon wäre es natürlich für jede Notenbank verkehrt, etwas derart nutz- und wertloses wie Gold zu kaufen und damit die Spargutgaben in ihrer Währung zu entwerten.

    Genauso gut könnte man zum Zwecke der Drückung des Währungskurses einfach Fremdwährungen kaufen - das wird auch normalerweise gemacht.

    Oder die Haushalte der Staaten in der Eurozone ein Jahr lang mit "frischgedrucktem" finanzieren und in diesem Zeitraum auf die Erhebung von Steuern verzichten.

    Oder jedem Eurozonisten fünftausend frischgedruckte Piepen in die Hand drücken.

    So würde die Beute des Raubes an den Sparern wenigstens gleichmäßig verteilt werden und nicht ausgerechnet den Goldspekulanten in die gierigen Griffel gehen.

  • Wer schlau ist, kauft Edelmetalle - dieser Krieg ist nämlich in der Tat bereits in vollem Gange.

  • Insbesondere Frankreich beklagt, dass die Euro-Stärke Nachteile für die europäische Wirtschaft habe.
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    Jetzt reicht es aber, Herr Moscovici! Sind Sie nicht einmal in der Lage, die EU-Verträge zu lesen und zu verstehen? Dort steht u.a., dass der Euro als starke Währung angetreten ist und zu erhalten ist - der Euro soll mindestens so "hart" wie die DM sein. Sonst hätten wir dieser Euro-Genese niemals zugestimmt. Fragen Sie Herrn Schäuble, Herr Moscovici, der wird Ihnen verklickern, was unter einer harten Währung zu verstehen ist!

  • Die Eurozone muss bei Ihrer derzeitigen Geldpolitik die Schleusen weiter öffnen. Etwas anders wird den "Währungshütern" gar nicht übrig bleiben, schließlich werden immer mehr Euroländer Opfer dieser unsäglichen "Rettungspolitik" der Eurodiktatoren. Die globale Geld u. Wirtschaftspolitik ist komplett gescheitert. Wer unendliches Wachstum predigt bekommt als Dank hierfür unendliche Umweltverschmutzung, zunehmende Verarmung ganzer Kontinente, Krieg u. Massenvernichtung. Für all dies stehen unsere Bundespolitik-Verbrecher!

  • Wechselkursdumping kann man leicht durch Rückverbindung der Währung an ein Gut bekämpfen, wenn man einen festen Umtauschsatz garantiert...


  • Dann sollten wir auf die Kursbewegung des Goldes achten!

    Es gibt nichts einfacheres als die Gelddruckmaschine anzuwerfen und dafür Gold zu kaufen. Billiger kann kein Land seinen Goldbestand aufstocken und seinen eigenen Wechselkurs nach unten drücken.

    Wenn Herr Weidmann auch dieses Mal richtig liegt, dann heißt es aber "anschnallen" und fertig machen zur Notlandung!

    Da hilft auch kein ESM mehr. Für diese Krisenbewältigung brauchen wir Kompetenz. Kompetenz mit der Schäuble, Asmussen und dessen ehemaliger Chef Steinbrück nicht dienen können.

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