Aktuelle BIP-Zahlen
Chinas Wachstum beunruhigt die Regierung

Das zweistellige Wachstum der chinesischen Wirtschaft setzt sich ungebremst fort. Regierungschef Wen Jiabao warnte daher erneut vor einer Überhitzung der Wirtschaft. Die Angst davor belastete auch die asiatischen und deutschen Aktienmärkte.

HB PEKING. Angetrieben von einem rapiden Anstieg der Exporte und Investitionen legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Chinas in den ersten drei Monaten im Jahresvergleich um 11,1 Prozent zu. Der am Donnerstag vom Statistikamt gemeldete Zuwachs wäre noch deutlich höher ausgefallen, hätte die Regierung in den vergangenen Monaten nicht massiv auf die Bremse getreten.

Mit solchen Zuwachsraten bleibt China auf Kurs, bereits im nächsten Jahr Deutschland als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt abzulösen. Das Wachstum im ersten Quartal stellt eine weitere Beschleunigung gegenüber den 10,4 Prozent Ende 2006 dar.

Der vor allem auf den Exporten und Auslandsinvestitionen basierende Boom der chinesischen Wirtschaft hält damit seit Jahren unvermindert an: Seit 1978 ist das BIP im Schnitt um 9,8 Prozent pro Jahr gewachsen. Die USA und andere Handelspartner drängen China deshalb mit Nachdruck dazu, den künstlich niedrig gehaltenen Kurs der Landeswährung Yuan völlig freizugeben, um das Exportwachstum zu bremsen.

Der rapide Aufschwung bereitet der kommunistischen Regierung zunehmend Kopfzerbrechen. Denn mit ihm einher gehen kräftige Preissteigerungen, was in der Bevölkerung immer stärkeren Unmut auslöst. So stieg die Jahresteuerung im März erstmals seit zwei Jahren über drei Prozent und zwar auf 3,3 Prozent.

An den Märkten wird daher schon bald fest mit weiteren Zinserhöhung der Zentralbank gerechnet, um das Wachstum und die Inflation abzubremsen. In diesem Jahr hat sie dies bereits einmal getan nach mehreren Anhebungen 2006 und zudem die Mindestreservepflicht für die Banken drei Mal verschärft, womit sie dem Wirtschaftskreislauf ebenfalls Geld entzog.

Regierungschef Wen äußerte sich nach Vorlage der Zahlen besorgt über Gefahren für die Wirtschaft. In einer im Internet veröffentlichten Erklärung des Ministerpräsidenten hieß es, das Wachstum der Kredite und der Geldmenge sei zu stark. Seine Regierung werde daher alles tun, um die Preise stabil zu halten und ein abruptes Abwürgen des Aufschwungs zu verhindern. „Die Bemühungen im Kampf gegen die Inflation müssen verdoppelt werden“, erklärte Wen. Er signalisierte auch verstärkte Bemühungen für den Umweltschutz.

Es sei wichtig, das übermäßige Wachstum energieintensiver und umweltverschmutzender Firmen abzubremsen. Kritik kam von der japanischen Regierung, einem der wichtigsten Handelspartner Chinas. Die Führung in Peking tue nicht genug, um die Wirtschaft zu kontrollieren, sagte der japanische Vize-Finanzminister Hiroshi Watanabe. „Die Überhitzung der Wirtschaft ist im Gange.“

Der ungebremste Wachstumsboom in China zeigt sich auch an den massiven Kursgewinnen an den Aktienmärkten des Landes in den vergangenen Monaten. Auch diese Hausse birgt Gefahren für die internationalen Finanzmärkte. So löste ein Kursrutsch Anfang des Jahres weltweit Panikverkäufe aus und ließ die Aktienkurse einbrechen.

Der Vize-Gouverneur der chinesischen Notenbank forderte daher, Investmentfonds sollten auch verstärkt Rentenpapiere und andere festverzinsliche Papiere in ihr Portfolio aufnehmen. Eine Konzentration auf Aktien berge Risiken, warnte Wu Xiaoling. Investmentfons in China halten derzeit Anlagen im Wert von rund 130 Milliarden Dollar, nachdem sie vor Jahren noch praktisch am Aktienmarkt nicht präsent waren.

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