Aktuelle Geschäftslage besser als im Vormonat
Ifo: Der Aufschwung kommt

Der Ifo-Geschäftsklima-Index, einer der wichtigsten Konjunktur-Indikatoren für Deutschland und die gesamte Euro-Zone, ist im August auf den höchsten Stand seit rund einem Jahr gestiegen. Besonders positiv: Die Unternehmen beurteilten jetzt auch die aktuelle Lage besser, nicht nur die Erwartungen.

ost/pbs/gil DÜSSELDORF. Die Lage-Komponente des Indexes stieg auf den höchsten Wert seit fast zwei Jahren. Die Geschäftserwartungen verbesserten sich ebenfalls. Das Geschäftsklima, in das Lage und Erwartungen einfließen, kletterte gegenüber Juli um 1,5 Punkte auf 90,8 Zähler. Volkswirte hatten nur einen geringeren Anstieg auf 90,0 Punkte erwartet.

„Die Umfragedaten untermauern die Prognose einer konjunkturellen Belebung im zweiten Halbjahr“, sagte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Das Barometer reiht sich ein in eine Kette guter Konjunktur-Daten der letzten Wochen: Zuletzt war der ZEW-Konjunkturtest deutlicher gestiegen als erwartet, auch die Auftragsbücher der deutschen Industrie haben sich wieder gefüllt.

Deutschland dürfte damit schon im laufenden Vierteljahr die Mini-Rezession des vergangenen Dreivierteljahres überwinden, erwarten Volkswirte. „Bereits für das dritte Quartal ist mit besseren Wachstumsraten zu rechnen“, betonte Volker Nitsch von der Bankgesellschaft Berlin. Zuvor war die Wirtschaftsleistung drei Quartale in Folge geschrumpft. Zuletzt sank das reale Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal gegenüber dem ersten Jahresviertel um 0,1 %.

Zwar rechnen Ökonomen nun mit einer allmählichen Belebung – nicht jedoch mit einem schnellen, starken Aufschwung. „Die Erholung wird wohl kommen, allerdings wird sie in diesem Jahr nur schwach ausfallen“, sagte Andreas Scheuerle von der Deka-Bank. Weil die Erholung spät einsetze, werde das reale Bruttoinlandsprodukt nur stagnieren. Die Märkte reagierten auf die Ifo-Daten unbeeindruckt. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) kommentierte die Zahlen zurückhaltend. Es sei ein „positives Zeichen, dass sich die wirtschaftlichen Verhältnisse aufhellen“.

Ökonomen stimmt optimistisch, dass Unternehmen jetzt auch ihre aktuelle Geschäftslage besser beurteilten – und nicht nur die Erwartungen für die Zukunft. Denn damit sinkt das Risiko, dass der Ifo-Index wie im vergangenen Jahr in die Irre führt. Die Erholung beginne „tatsächlich zu greifen“, hieß es bei JP Morgan.

Andere Volkswirte relativierten den Anstieg der Lage-Komponente allerdings: Im historischen Vergleich bewerteten die Unternehmen das derzeitige Umfeld noch immer relativ schlecht. „Die Lage-Komponente hat noch einen weiten Weg vor sich“, betonte Neville Hill von der Investmentbank Credit Suisse First Boston.

In den Branchen setzt sich vorsichtiger Optimismus durch. Die aktuelle Lage sei nicht mehr so schlecht wie noch vor einigen Monaten. „Im Juni war der absolute Tiefpunkt“, heißt es beim ZVEI, dem Branchenverband der Elektroindustrie. Jetzt gebe es eine relative Besserung. Auch die Maschinen- und Anlagenbauer sehen eine Reihe von Indikatoren, die sich positiv auf die Stimmung auswirken. In konkreten Zahlen habe sich dies allerdings bis jetzt noch nicht niedergeschlagen, sagte eine Sprecher des Branchenverbandes VDMA.

Die Volkswirte erklären den Stimmungsanstieg in den Unternehmen mit einer Reihe von Gründen: den besseren Konjunktur-Daten aus den USA, dem Ende der Euro-Aufwertung und den gestiegenen Aktienkursen. Gestern kamen neue Daten aus den USA. Der Index des vom Forschungsinstitut Conference Board ermittelten Verbrauchervertrauens stieg im August überraschend stark an. Außerdem erhöhte sich in den USA der Auftragseingang für langlebige Güter.

Schlusslicht Deutschland

Chronische Schwäche: Seit Mitte der neunziger Jahre hängt Deutschland deutlich beim Wirtschaftswachstum hinter der Euro-Zone hinterher: Hier zu Lande wuchs die Wirtschaft seit 1995 im Schnitt um 1,6 % – in der Euro-Zone ohne Deutschland dagegen um 2,8 %.

„Double Dip“-Rezession: Im ersten Halbjahr 2003 erlebte Deutschland einen neuen Konjunkturrückschlag: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte drei Quartale in Folge. Damit steckt das Land in der zweiten Rezession seit rund eineinhalb Jahren. Zuletzt war die Wirtschaftsleistung zwischen dem zweiten bis zum vierten Quartal 2001 geschrumpft.

Magere Perspektiven: Selbst wenn die Wirtschaft schon im zweiten Halbjahr 2003 wieder zu wachsen beginnt, wird das BIP im Jahresdurchschnitt auf der Stelle treten. Nennenswertes Wachstum von 1,3 bis 1,8 % erwarten Ökonomen erst 2004 – rund ein Drittel davon entsteht aber, weil das nächste Jahr mehr Arbeitstage hat.

Quelle: Handelsblatt

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