Aktuelle Studien
Firmen wieder besser mit Krediten versorgt

Die Deutsche Bundesbank kann keine breit angelegte Kreditklemme im Firmenkundengeschäft feststellen. Das geht aus einer im Juli durchgeführten Sonderumfrage unter ausgewählten Banken und Bankverbänden hervor. Eine Ifo-Studie kommt zu einem ähnlichen Ergebnis.
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HB FRANKFURT/BERLIN. „Die vermehrt geäußerten Sorgen über wachsende Schwierigkeiten einer angemessenen Kreditversorgung der deutschen Wirtschaft werden durch die Angaben der Banken somit nicht bestätigt“, hieß es in einer Mitteilung der Bundesbank.

Insgesamt erwarten die Umfrageteilnehmer demnach in der zweiten Jahreshälfte 2009 und im Jahr 2010 keinen Rückgang ihres Neukreditgeschäfts. Größere Institute gingen von einer nur verhaltenen Entwicklung ihres Kreditgeschäfts aus, kleinere Banken erwarteten sogar eine Zunahme. Vor allem zyklische Einflüsse würden das Kreditangebot beeinflussen. Zudem gebe es eine rückläufige Nachfrage nach Finanzierungsmittel für Sachinvestionen.

„Von der Eigenkapitalausstattung der Banken wird kein dämpfender Einfluss erwartet“, schreibt die Bundesbank. Die großen Institute hätten jedoch angegeben, dass es durch die Einführung der „Basel II“-Regeln für die Mindestausstattung der Banken mit Eigenkapital bereits zu einer leichten Verstärkung des „prozyklischen Verhaltens“ bei der Kreditvergabe gekommen ist.“

Angesichts der grassierenden Finanzkrise befürchten manche Politiker und Analysten, dass es zu einer Kreditklemme kommt, durch die die Erholung der Wirtschaft gebremst wird. Die Europäischen Zentralbank (EZB) hatte gemeldet, die Kreditprobleme in den Ländern der Europäischen Währungsunion nähmen zu und gefährdeten zunehmend eine Erholung der Wirtschaft von der Krise. Wie aus den Daten der EZB hervorgeht, wuchs die Kreditvergabe der Banken in den 16 Euroländern im Juli aufs Jahr hochgerechnet so langsam wie noch nie.

Für Deutschland gibt neben der Bundesbank jedoch auch das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) Entwarnung. Die Unternehmen in Deutschland klagten nicht mehr so stark über die zögerliche Kreditvergabe der Banken, heißt es in einer aktuellen Ifo-Studie. Insgesamt bezeichneten im August 44,2 Prozent der Firmen die Kreditversorgung als restriktiv, im Vormonat waren es noch 45,1 Prozent. Basis ist eine Umfrage unter etwa 4000 Firmen. Noch Mitte 2007 hatte lediglich gut ein Fünftel der Betriebe über zurückhaltende Banken berichtet.

Im August besserte sich besonders die Situation im Verarbeitenden Gewerbe. „Sowohl in der Gruppe der großen wie auch der kleinen Industrieunternehmen haben die Klagen über die Kreditvergabepolitik der Banken etwas abgenommen“, sagte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Trotz der Fortschritte haben aber weiter vor allem die großen Betriebe Probleme, Fremdkapital von den Banken zu erhalten; mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer sprachen von schwierigen Verhandlungen. Bei den kleinen Firmen waren es lediglich gut zwei Fünftel. Angespannter als im Juli war dagegen die Situation für die mittelgroßen Industriebetriebe. Auch im Baugewerbe und im Handel sank die Kredithürde etwas.

Allerdings ist die Situation nach Einschätzung der Unternehmen noch lange nicht so dramatisch wie 2003: Damals klagten laut Ifo-Erhebung ungefähr zwei Drittel der Firmen über die zögerliche Kreditversorgung durch die Banken.

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