Akute Inflationsrisiken heftig umstritten
Widerstand gegen höhere Zinsen wächst

Politiker und Volkswirte haben die Absicht der Europäischen Zentralbank (EZB) kritisiert, am Donnerstag den Leitzins von 2,0 auf 2,25 Prozent zu erhöhen. Der Vorsitzende der Euro-Gruppe, Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker, sagte, ein solcher Schritt würde das ohnehin schwache Verbrauchervertrauen zusätzlich belasten. Auch der EZB-Schattenrat, dem 18 prominente Ökonomen aus Banken, Hochschulen und Forschungsinstituten angehören, sprach sich mehrheitlich gegen eine Zinserhöhung aus.

FRANKFURT. Aus Junckers Sicht spricht nichts dafür, dass die EZB ihre seit zweieinhalb Jahren betriebene extreme Niedrigzinspolitik beendet. „Wir sehen keine Anzeichen für ein Wiederaufleben der Inflation oder irgendwelche Zweitrundeneffekte“, sagte der Vorsitzende der Euro-Gruppe der französischen Zeitung „Le Figaro“. Die Lohnentwicklung verlaufe weiterhin moderat. Gleichzeitig sei die Erholung der europäischen Wirtschaft immer noch mit erheblichen Risiken belastet.

Viele Bankvolkswirte und Ökonomieprofessoren teilen Junckers Kritik. Von den Mitgliedern des EZB-Schattenrats, dem 18 prominente europäische Volkswirte aus Banken, Hochschulen und Forschungsinstituten angehören, unterstützen zehn die Einschätzung, dass die Konjunkturerholung für eine Zinserhöhung noch zu fragil sei und keine akute Inflationsgefahr bestehe. Nur acht empfahlen der EZB eine umgehende Zinserhöhung. Das waren drei mehr als einen Monat zuvor, aber zwei weniger als für eine Mehrheitsempfehlung nötig sind. Die Europäische Zentralbank solle mit einer Anhebung des Leitzinses warten, bis die wirtschaftliche Erholung auf einem stabilen Fundament stehe, empfiehlt die Mehrheit des Schattenrats.

Seit der EZB-Schattenrat im November 2002 zum ersten Mal eine Zinsempfehlung an die EZB aussprach, wäre dies das erste Mal, dass die Mehrheit der Experten eine von der EZB beschlossene Leitzinsänderung nicht mehrheitlich unterstützt.

Trichet hatte am 18. November mit ungewöhnlich deutlichen Worten angekündigt, dass der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) bereit sei, auf seiner nächsten Sitzung am Donnerstag eine Leitzinserhöhung zu beschließen. Dies wäre die erste Zinserhöhung, seit die Notenbank vor zweieinhalb Jahren ihren Leitzins auf zwei Prozent senkte.

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