Allgemeiner Aufschwung bleibt zu schwach
Krise der Baubranche setzt sich fort

Die deutsche Bauwirtschaft rechnet nach einem Umsatzeinbruch im laufenden Jahr auch für 2005 mit schrumpfenden Einnahmen. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) erklärte am Mittwoch in Berlin, die Umsätze im Bauhauptgewerbe würden im kommenden Jahr um ein bis drei Prozent sinken.

HB BERLIN. Damit steuert das deutsche Baugewerbe auf das zehnte Krisenjahr in Folge zu. Die ursprünglich in diesen Monaten erwartete Talsohle der Branche sei noch nicht in Sicht, sagte HDB-Präsident Ignaz Walter am Mittwoch in Berlin. „Wir befinden uns dann im zehnten Krisenjahr“, sagte Walter mit Blick auf 2005. Eine Prognose für eine Trendwende wolle er nun nicht mehr abgeben. Im kommenden Jahr würden die Umsätze im Bauhauptgewerbe um ein bis drei Prozent sinken. Im laufenden Jahr sei mit einem Rückgang der Umsätze um 4,5 % zu rechnen. Die Zahl der Beschäftigten werde 2004 um 50 000 auf 765 000 sinken und im nächsten Jahr auf 740 000 zurückgehen.

Bisher hatte der HDB für 2004 nur mit einem Umsatzminus von zwei Prozent gerechnet und einem Verlust von rund 35 000 Stellen. Die Stimmung der Unternehmen habe sich aber im Herbst 2004 eingetrübt und rund 43 % der Firmen rechneten damit, dass sich ihre Geschäftslage im nächsten halben Jahr verschlechtere, hieß es. Die seit Mitte der 90er Jahre Krisen geschüttelte Branche leide unter anderem am fehlenden Schwung der gesamtwirtschaftlichen Erholung. Von 1995 bis 2004 seien die Umsätze im Bauhauptgewerbe um ein Drittel zurückgegangen und insgesamt 660 000 Arbeitsplätze weggefallen.

„Wir haben lange auf den Wirtschaftsbau gehofft“, sagte Walter. Der Aufschwung sei aber nicht gekommen. Der öffentliche Bau leide weiter unter dem Spardruck der öffentlichen Haushalte. Auch für den privaten Wohnungsbau hat er nach eigenen Worten wegen der sinkenden Bevölkerungszahl in Deutschland wenig Hoffnung. Singles benötigten zwar mehr Wohnungen, die könnten aber auch durch Umbau bestehender Häuser entstehen.

Walter warnte zudem, zu große Hoffnungen auf Aufträge aus dem Ausland zu setzen. „Das Auslandsgeschäft ist ohne breite Inlandsbasis sehr gefährlich“, sagte Walter. „Der Auslandsbau tritt gegen sehr aggressive, leistungsfähige Chinesen an.“ Die Asiaten beherrschten mittlerweile die wichtigsten Grundtechniken des Bau und produzierten deutlich billiger. Nur im Spezialbau hätten westliche Firmen noch einen Vorsprung.

Walter griff erneut die Deutsche Bahn scharf an. „Die Zahlungsmoral der Bahn ist schlecht“, sagte er. Ein Umfrage in der Branche habe ergeben, dass kein anderer Auftraggeber so lange mit dem Zahlen der Rechnungen warte wie die Bahn. Zudem gebe es noch einen milliardenschweren Stau von ungeklärten Nachtragsforderungen an das Staatsunternehmen.

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