An Geldmenge scheiden sich die Geister
Forderung nach Zinssenkung wird lauter

In der Geldpolitik driften die Expertenmeinungen immer weiter auseinander. Auf der jüngsten Sitzung des EZB-Schattenrats empfahlen nur noch acht der achtzehn Mitglieder der Europäischen Zentralbank eine Fortsetzung ihrer abwartenden Zinspolitik. Sechs Mitglieder traten für eine Zinssenkung ein, vier dagegen für eine Zinserhöhung.

HB FRANKFURT/M. Damit waren die Meinungen in dem Expertengremium so polarisiert wie noch nie seit Gründung im November 2002. Dem EZB-Schattenrat, der monatlich über geldpolitische Fragen debattiert, gehören 18 prominente Ökonomen aus Banken, Forschungsinstituten und Hochschulen an.

Nach Berechnungen der Deutschen Bank auf Grundlage der Preise von Zinsterminkontrakten setzen die Marktteilnehmer die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bis zum Jahresende mit 25 Prozent an, die Wahrscheinlichkeit einer Senkung mit neun Prozent.

Grund für die Meinungsgegensätze unter den Experten sind unterschiedliche Grundhaltungen zur Geldpolitik, die in der gegenwärtigen Wirtschaftslage besonders stark zu Tage treten. Während die einen auf Grund der schlechten Konjunkturperspektiven eine zusätzliche geldpolitische Lockerung für nötig halten, richtet die Gegenseite ihren Blick viel stärker auf monetäre Indikatoren. Wegen des seit langem übermäßig starken Wachstums der Geldmenge und der kräftigen Zunahme der Kreditgewährung halten sie eine geldpolitische Straffung für nötig.

„Ich vermute, dass es im EZB-Rat ähnlich aussieht“, sagt Schattenratsmitglied Thomas Mayer von der Deutschen Bank. „Wahrscheinlich prallen auch dort die von der monetären Analyse ausgehenden Befürworter einer Zinserhöhung auf die von der ökonomischen Analyse ausgehenden Befürworter einer noch expansiveren Geldpolitik aufeinander – mit dem Ergebnis einer unveränderten Zinspolitik.“

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