Analyse der Credit Suisse
Euro-Krise hat Deutschland erpressbar gemacht

Deutschland steht in einer schlechten Verhandlungsposition gegenüber Krisenländern wie Griechenland, so die Ansicht von Experten der Credit Suisse. Denn Deutschland habe bereits viel Geld in die Euro-Rettung gesteckt.
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Die Schweizer Großbank Credit Suisse kommt in einer ausführlichen Analyse für seine Kunden zu dem Ergebnis, dass Deutschland gegenüber Krisenländern wie Griechenland in einer sehr schlechten Verhandlungsposition steckt. 

Einerseits profitiere die deutsche Wirtschaft stark von der Währungsunion und andererseits habe Deutschland bereits extrem viel Geld in die Euro-Rettung gesteckt oder zugesagt. Dieses Geld könnte bei einem Zerfall der Währungsunion verloren sein, heißt es in der Analyse, die das Institut am Mittwoch an Kunden verteilte. 

Die Credit-Suisse-Experten beziffern das potenzielle direkte und indirekte finanzielle Engagement Deutschlands in der Euro-Rettung auf 600 Milliarden Euro, etwa ein Viertel seiner Jahreswirtschaftsleistung. 

„Deutschland hat einen großen Anreiz, seine Erpressbarkeit nicht zu offensichtlich werden zu lassen“, schreiben die Experten, denn ein zu großzügiger Umgang mit Griechenland könnte Begehrlichkeiten in anderen Krisenländern wecken. Andererseits würde ein Austritt Griechenlands wohl Kapitalflucht in anderen Krisenländern auslösen, so dass Deutschland sein schon sehr hohes Rettungsengagement noch steigern müsste.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " Analyse der Credit Suisse: Euro-Krise hat Deutschland erpressbar gemacht"

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  • @sunnymike72
    Das Bedauerliche ist, dass mit dem Euro nichtmal eine Finanzunion entstanden ist, wie man heute sieht. Der Euro ist vielmehr das Schlachtfeld, auf dem die Europäer zusammengetrieben wurden, um gegeneinander anzutreten. Leider ist den Europäern dabei entgangen, dass da jemand in den Rängen sitzt, die Regeln bestimmt und sein Spielchen mit uns treibt. Das sind aber keine Europäer. Es sind heimatlose Eurokraten, Großindustrielle und Finanzmagnaten. Man könnte meinen, es sind außerirdische Heuschrecken. Zumindest ergebe es dann einen Sinn.

  • @merxdunix:
    völlig korrekt ihr kommentar...sie sprechen mir aus der seele.Generell bereitet mir dies am meisten schmerz dass die sogenannte Europäische Union denn jahrelang absolut nichts zur Völkerverständigung beigetragen hat und sich das ganze ja nur auf eine finanzunion beschränkt hat.

  • @macheridisdimitrios
    Was den Eurokraten gelungen ist: Die Deutschen und Griechen gegeneinander aufzuhetzen. Zumindest ist hier ein Bild entstanden, wonach alle Griechen an der jetzigen Situation Schuld sind und daran gewonnen haben. Insofern ist der Euro wohl doch eine Frage von Krieg und Frieden. Aber was von beiden wird eigentlich angestrebt? Ich denke, wir haben europaweit ein Problem: Wir sind nicht mehr in der Lage, Strafverfolgung wirksam zu betreiben. Meist mit der Begründung, dass kein öffentliches Interesse besteht. Recht und Gesetz ist leider auch in Europa nur etwas für Verlierer. In Deutschland wurde dieses durch politikhörige Staatsanwälte, Polizisten und Richter sowie ein ausgedünntes und überfrachtetes Rechtssystem erreicht. Deshalb haben die Leute hier schon resigniert, gegen die wichtigen Fälle vorzugehen. Sicherlich auch, um sich nicht selbst zu schädigen. Deshalb verklagen sie lieber Nachbars Katze oder einen lebensfrohen Kindergarten. Irgendwo muss der Frust ja schließlich hin.
    Eventuell liegt es bei Deutschen und Griechen daran, dass wir uns die Demokratie nie wirklich erkämpfen mussten und deshalb nie gelernt haben, sie zu erhalten. Daher hoffen wir auf unsere Politker, es zu tun. Aber genau da schließt sich der Teufelskreis. Unsere Politiker betreiben eine Scheindemokratie, um ihre eigene Macht zu sichern. Die Macht des Volkes, zu der auch die Judikative gehört, stört da nur. Warum soll das bei euch anders sein?
    Ihr Griechen könnt euch gewiss sein, dass die meisten Deutschen gern helfen. Aber ihr müsst selbst dafür sorgen, dass die Hilfe auch wirksam ist und nicht wieder denen zu Gute kommt, die die jetzige Situation verursacht haben.
    Sparen zu wollen und Wachstum fördern, mag ein guter Ansatz sein. Wichtiger erscheint mir aber, für Effizienz zu sorgen. Sonst arbeiten wir alle in 100 Jahren noch mehr als 40 Stunden die Woche bis zum bitteren Ende, weil wir es zulassen, dass andere das Erreichte ruinieren oder sogar gegen uns verwenden.

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