Analyse der Privatbanken
„Absturz in Rezession droht nicht“

Die deutsche Wirtschaft wird nicht in eine Rezession abrutschen - so die Einschätzung des Bankenverbandes BdB. Allerdings hat der Verband auch seine eigene BIP-Prognose für das Jahr 2012 halbiert.
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BerlinDeutschlands Privatbanken befürchten trotz wachsender Risiken keinen Konjunktureinbruch. „Es droht aus heutiger Sicht kein Absturz unserer Wirtschaft in eine Rezession“, sagte Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes BdB, am Mittwoch. Das Wachstum habe zwar deutlich an Schwung verloren, werde in den nächsten Quartalen aber nicht zum Erliegen kommen. Der Verband halbierte allerdings seine Prognose für das Bruttoinlandsprodukt 2012 auf 1,1 von 2,3 Prozent. Für das laufende Jahr erwarten die Experten ein Anziehen um 2,8 Prozent, nach bisher veranschlagten 3,0 Prozent.

Zuletzt hatten Konjunkturforscher des Kieler IfW-Instituts und der OECD es nicht ausgeschlossen, dass die Wirtschaft in eine Rezession rutscht. Der Bankenverband gab sich optimistischer: „Wenn eine weitere Eskalation der Staatsschuldenkrise vermieden werden kann, sollten die nach wie vor recht solide deutsche Industrieproduktion und das Investitionswachstum für Wachstum sorgen“, sagte Kemmer. Gegen überzogenen Pessimismus spreche, dass die Unternehmen gut aufgestellt seien.

Für die Euro-Raum dampfte der BdB seine Wachstumsprognose deutlich ein. Die Wirtschaft in den 17 Ländern werde im nächsten Jahr nur noch um 0,8 Prozent wachsen, nach 1,7 Prozent 2011. Bisher hatten die Banker für beide Jahre ein Plus von 2,0 vorausgesagt. „Wie in den meisten Industrieländern werden die unvermeidliche Konsolidierung der öffentlichen Finanzen und erforderliche strukturelle Anpassungen das Wachstum belasten.“ Die Schuldenstandsquote des gesamten Währungsraums dürfte trotz Sparbemühungen steigen und bis Ende 2012 rund 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen. Mit der Wachstumsschwäche und der angespannten Arbeitsmarktlage ließen die Inflationsrisiken wieder spürbar nach, so dass die Europäische Zentralbank eine längere Zinspause einlegen dürfte.

Um eine weitere Zuspitzung der Schuldenkrise in Europa zu verhindern, müssen nach Kemmers Worten die Reformen des Rettungsschirms EFSF zügig umgesetzt werden. Ohne weitere Reformen des institutionellen Rahmens werde die Währungsunion langfristig kaum überleben. Damit einhergehen werde zwangsläufig auch ein gewisser Souveränitätsverzicht der Nationalstaaten.

Die Prognose des Bundesverbandes deutscher Banken basiert auf einer Umfrage unter 13 Chefvolkswirten der Mitgliedsinstitute, die im BdB-Ausschuss für Wirtschafts- und Währungspolitik sitzen.

 

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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