Analyse
Volkswirte zum Rückgang des Bruttoinlandsproduktes

Die deutsche Wirtschaft ist auch im zweiten Quartal geschrumpft. Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) verringerte sich saison- und kalenderbereinigt um 0,1 % im Vergleich zum Vorquartal.

Reuters BERLIN. Von Reuters befragte Analysten hatten vor allem wegen der stark gesunkenen Industrieproduktion im Schnitt mit einem Rückgang des BIP in dieser Höhe gerechnet.

Volkswirte sagten zu den Daten in ersten Reaktionen:

Rainer Sartorius, HSBC Trinkaus&Burkhardt:

„Was wir befürchteten, das passieren würde, ist passiert. Die Exporte sind wegen des starken Euros gefallen und die Inlandsnachfrage hat es nicht geschafft, irgendeinen Impuls zu geben. In den kommenden Monaten werden wir eine leichte Stabilisierung erleben, es wir zu keinem weiteren Schrumpfen kommen, und die Quartal-Wachstumsraten werden zwischen 0 und 0,2 % liegen. Wir rechnen mit einem Schrumpfen von 0,2 % für das gesamte Jahr 2003.

Die Steuerkürzungen, die im kommenden Jahr in Kraft treten, werden keinen großen Impuls geben. Aber zusammen mit einem stärkeren weltweiten Wachstum werden sie zu einer Stabilisierung der deutschen Wirtschaft beitragen. Mit einem Wachstum von einem Prozent oder weniger im kommenden Jahr wird es dennoch keinen großen Schwung geben.

Nach den schwachen Zahlen aus Italien und Deutschland erwarten wir, dass das BIP der Euro-Zone im zweiten Quartal im Vergleich zum ersten stagnierte.“

Rainer Guntermann, Dresdner Kleinwort Wasserstein:

„Wie erwartet befand sich die deutsche Wirtschaft in einer Rezession im ersten Halbjahr, aber das hatten die Indikatoren bisher bereits angedeutet, das war also keine große Überraschung. Wir erwarten für das zweite Halbjahr eine leichte Verbesserung, aber die Exporte werden weiter belasten, sie werden schwach bleiben. Die Importe und der Inlandskonsum werden sich verbessern.

Wir sehen nur ein leichtes Wachstum im dritten Quartal, das zweite Halbjahr sollte also das erste ausgleichen. Daher wird es dieses Jahr ein Nullwachstum geben.

Für die Euro-Zone erwarten wir bestenfalls ein Null-Wachstum im zweiten Quartal. Italien war in einer Rezession, das wird sich in anderen Ländern nicht wiederholen.“

Thomas Hück, Hypo-Vereinsbank:

„Wir hatten auch erwartet, dass es Revision nach unten geben würde. Man sieht: Die Ausschläge haben sich abgeschwächt. Für mich ist klar: Diese Wirtschaft ist in den vergangenen drei Jahren nicht von der Stelle gekommen. Es sieht auch nicht so aus, als sollte sich das nachhaltig ändern, ich vermute ein ähnliches Muster wie Anfang 2002.

Ich tue mich schwer fürs zweite Quartal beim privaten Verbrauch große Impulse zu erkennen, die Investitionen sind wohl schwach gewesen. Beim Bau könnte es größere Zuwächse gegeben haben. Der Außenbeitrag dürfte auch deswegen belastet haben, weil die Leute wieder gereist sind. Wovon ich nicht viel halte, ist die Idee mit den Streiks. Wenn man sich den Ifo-Index im Juni anschaut, hat sich hier die Lage verbessert.

Für mich ist das dritte Quartal ein klassisches Übergangsquartal von einer rezessiven in eine leichte bessere Performance der Wirtschaft. Das wird richtig holprig. Die Impulse kommen dann erst mal wieder von außen. Ob der Aufschwung nachhaltig wird, ist die große Frage.“

Gerd Hassel, ING-BHF-Bank:

„Das war wie erwartet. Die Folgen des Irak-Kriegs, die Reaktion in den USA auf die deutsche Haltung zum Irak-Krieg, Sars und der Wechselkurs des Euro haben bei der Entwicklung des Außenbeitrags eine Rolle gespielt. Obwohl sich die Erwartungen der Unternehmen und Haushalte verbessert haben, ist ein von der Binnenwirtschaft getragener Aufschwung unwahrscheinlich. Das dritte Quartal wird wohl weiter um die Stagnation herum liegen, erst ab dem vierten Quartal wird die Wirtschaft etwas anziehen. Der Wachstumsimpuls kommt dann aber überwiegend von außen. Das BIP dürfte im Gesamtjahr 2003 stagnieren.“

Stefan Bielmeier, Deutschen Bank

„Das BIP hat sich entsprechend unseren Erwartungen leicht rückläufig entwickelt. Damit waren wir technisch in einer Rezession. Allerdings ist dies eher die Fortsetzung einer Stagnation, die seit dem zweiten Quartal 2002 anhält. Erfreulich ist, dass die Binnenwirtschaft einen positiven Wachstumsbeitrag geleistet hat. Dies konnte aber nicht die negativen Effekte des Außenbeitrages ausgleichen. Wir erwarten einen moderaten Aufschwung in der zweiten Jahreshälfte. Der Aufschwung wird erst im kommenden Jahr deutlich an Fahrt gewinnen. Für das laufende Jahr rechnen wir mit einem Wachstum von 0,1 %.“

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