Analyse von Standard & Poor`s

Deutschland alleine kann Euro-Zone nicht retten

Deutschland steht zunehmend in der Kritik: Das Land investiere zu wenig und müsse mehr für den Euro-Raum tun. Doch die Ratingagentur S&P mahnt: Ein Konjunkturpaket nur aus Berlin würde gar nicht so viel bringen.
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Der neue EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker will wegen der kriselnden Konjunktur in Europa ein 300 Milliarden Euro schweres Investitionsprogramm auf den Weg bringen. Quelle: Reuters

Der neue EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker will wegen der kriselnden Konjunktur in Europa ein 300 Milliarden Euro schweres Investitionsprogramm auf den Weg bringen.

(Foto: Reuters)

BerlinEin Konjunkturpaket allein in Deutschland würde nach Berechnungen der Ratingagentur Standard & Poor's der gesamten Euro-Zone kaum zugutekommen. Stärker würde sich wohl ein gemeinsamer Investitionsplan mehrerer Euro-Länder auf das Wachstum und die Beschäftigungslage in der Währungsunion auswirken, teilten die Bonitätswächter am Mittwoch mit.

Die Ratingagentur unterstellte in ihrer Berechnung, dass die öffentliche Hand in Deutschland die Ausgaben 2015 und 2016 um ein Prozent des Bruttoinlandsproduktes – also rund 30 Milliarden Euro – erhöht. Dies würde in Deutschland bis Ende 2017 zwar rund 145.000 Jobs schaffen, aber auch die Inflation hochtreiben, „was das Land in große Unruhe versetzen würde“.

Die erhöhten Staats- und Investitionsausgaben in Deutschland würden letztlich zu Anzeichen einer überhitzten Wirtschaft führen, erklärte S&P. Davon sprechen Fachleute, wenn Zinsen und Kreditnachfrage steigen und zugleich die Produktion nicht mehr zulegen kann. Die Märkte gelten dann als gesättigt und einige Branchen stagnieren oder schrumpfen sogar.

Die Impulse eines Konjunkturpakets nur in Deutschland für die anderen Euro-Ländern wären der Ratingagentur zufolge aber „vergleichsweise moderat“. Die Wirtschaftskraft würde im Währungsraum um etwa 0,3 Prozent zulegen. Bis Ende 2017 würden rund 210.000 neue Stellen geschaffen, davon aber fast 70 Prozent in Deutschland.

Deutschland steht zunehmend in der Kritik, es investiere trotz solider Staatsfinanzen zu wenig und müsse mehr für den Euro-Raum tun. Vor allem Frankreich fordert dies. Der neue EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker will wegen der kriselnden Konjunktur in Europa ein 300 Milliarden Euro schweres Investitionsprogramm auf den Weg bringen.

  • rtr
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10 Kommentare zu "Analyse von Standard & Poor`s: Deutschland alleine kann Euro-Zone nicht retten"

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  • Mit Ihrem Vorschlag laufen Sie bei den Politikern offene Türen ein.

    Die Bürger wird es aber nicht weiterbringen, weil immer noch die gleichen verantwortungslosen Politiker weiter arbeiten wie bisher.

    Wenn Sie also einen Vorschlag mit Erfolgsaussicht einbringen möchten, dann müssen Sie zuerst von den Politikern Verantwortung einfordern. Das können Sie aber nur dann, wenn es möglich ist, verantwortungsloses Handeln zu sanktionieren. Da aber viele Politiker über Wahllisten in ihr Amt gelangen, sind Ihnen an diesem Punkt die Hände gebunden. Andererseits muss man feststellen, dass die eigentlichen Drahtzieher nicht auf den untersten Listenplätzen rangieren, sondern sie haben sich auf den sicheren Listenplätzen eingenistet.

    Was ist die Lösung? Niemand kennt sie!

    Unser demokratisches System ist ja nicht schlecht. Es sind lediglich findige Politiker, die daraus ihr eigenes Geschäftsmodell entwickelt haben. Und sie haben es geschafft, dass alle Posten, die sie überwachen bzw. kontrollieren sollen, aus eigener Macht besetzt werden.

    Denken Sie nur einmal die Gewaltenteilung unseres Staatssystems durch: Exekutive, Legislative und Judikative

    Nichts funktioniert mehr und überall sind die allglatten, stromlinienförmigen Typen. Eine Streitkultur haben wir nicht mehr.

    Unser System hat sich nicht auf der Mitte eingependelt, es hat sich aufgelöst.

    Das haben die Bürger erkannt und die AfD nutzt diesen Schwung.

    Seitens der etablierten Parteien ist es schon kompliziert sich dagegen zu wehren. Schließlich müssten die "Oberen" die eigenen Hüte nehmen, weil sie befeuern das oben angeprangerte System.

    Diese Kommentierungen bewirken nichts, werden Sie entgegen halten. Und Sie haben Recht. Aber es sollte öffentlich darüber gesprochen werden, dass das verantwortungslose Handeln der Politiker erkannt ist. Vielleicht schämt sich doch der eine odere andere Politiker, wenn er morgens im politischen Spiegel seine "eigene Fresse" sieht und nicht mehr ansehen möchte bzw. kann.

  • Das ist aber auch ärgerlich. Daß einem die Realität immer dazwischen kommt. Da hatte man so gute Nachrichten (verbreitet) von den Primärüberschüssen. Den Euro hatte man immer wieder aufs Neue beschworen, gerettet und verteidigt. Hat das etwa alles nichts genützt? Wenn sich jedoch Deutschland besonders anstrengt, viel investiert, die Produk-tionskosten weiter senkt, den Leistungsdruck erhöht, evtl. die Sozialversicherung vergemeinschaftet und evtl. einen Euro-Soli einführt - ja dann, steht der Rettung der Euro-Zone durch Deutschland vermutlich nichts mehr im Wege.




  • Wieso retten? Ich hätte gedacht, die Pleitestaaten und vor allem Griechenland wären auf einem "guten Weg".Ist die Realität denn anders als das blöde Geplapper?

  • Vorschlag1:

    2 Jahre keine Gewerbsteuer erheben und 2 Jahre auf 50 % der Einkommenssteuer aller ausser der von allen Beamten und Angestellten in Staatsbediensteten verzichten, dann ist Geld in der Hand von staatsfinanztragenden Konsumenten!
    Vorschlag 2:
    Wenn Draghi was tun will,dann bei allen EUDSSR-Staaten 25 % Ihrer Schulden uebernehmen und finanzieren, so dass jeder Staat Geld hat fuer die Investition in die Infrastruktur, Bruecken, Bahn, Strassen, Kanaele, die Adern der Wirtschaft und fuer die individuelle Unterstuetzung der nationalen Wirtschaft!

  • "Die Ratingagentur unterstellte in ihrer Berechnung, dass die öffentliche Hand in Deutschland die Ausgaben 2015 und 2016 um ein Prozent des Bruttoinlandsproduktes – also rund 30 Milliarden Euro – erhöht. Dies würde in Deutschland bis Ende 2017 zwar rund 145.000 Jobs schaffen, aber auch die Inflation hochtreiben, „was das Land in große Unruhe versetzen würde“."

    Diesen Berechnungen glaubt doch kein Mensch mit mittelmäßiger Intelligenz!

    Wieviel Jobs hier in Deutschland entstehen oder nicht entstehen ist doch vielmehr von der Wettbewerbsfähigkeit der übrigen EU-Länder abhängig.

    Agieren die anderen Staaten weiter so wie bisher, geht deren Wettbewerbsfähigkeit weiter zurück und in Deutschland entstehen unmäßig viele Arbeitsstellen. Verändern sich die Lohnstückkosten in diesen anderen Ländern dagegen zu deren Gunsten, entstehen dort unmäßig viele Arbeitsstellen und bei uns in Deutschland entsteht das "kalte Grausen".

    Fazit:
    Die Message der Ratingagentur ist nichts anderes als Propaganda. Prof. Sinn wird es ihnen gewiss noch näher beschreiben.

    Die Ungleichgewichte sind das Resultat verantwortungsloser Politiker, die mit ihren "alternativlosen" Entscheidungen zu chaotischen Verzerrung im Euroraum geführt haben und führen. Wollte man dies ändern, müssten aus verantwortungslosen Politikern verantwortliche Politiker gemacht werden.

    Das will niemand. Vor allem nicht die, die davon leben. Die die die korrupten Politiker gefügig machen und als Gegenleistung die Gesetze so schreiben wie wir sie heute lesen.

    Politiker müssen für ihr fehlerhaftes Handeln verantwortlich werden!

  • Deutschland sollte besser sich selbst retten.

  • "Deutschland alleine kann Euro-Zone nicht retten"

    Zum dritten Mal: Deutschland alleine kann Euro-Zone nicht retten

    Auch in der EU sollten alle vor dem Gesetz gleich sein.

    Es gibt ein großes Ungleichgewicht zwischen Deutschen und Luxemburgern. Die verfügbaren Nettoeinkommen sind in Luxemburg zumindest seit der Zeit als deutsche Banken die wirtschaftliche Blüte in Luxemburg auslösten, dort deutlich höher. In der Konsequenz sind die dortigen Vermögen auch höher angehäuft.

    Jetzt können unsere verantwortungslosen Politiker doch nicht erwarten, dass die Luxemburger die Lasten wiederum auf die Deutschen abwälzen können.

    Deshalb kann und darf es nicht sein, dass die Deutschen allein die Euro-Zone retten.

    Wären die Politiker nicht verantwortungslos, wäre dieser Anspruch, dieser Gedanke erst gar nicht formuliert worden.

    Zuerst sollten die zahlen, die den Mist eingebrockt haben. Wenn es dazu keinen Widerspruch gibt, dann sind dies in erster Linie die Politiker. Wenigstens in diesem Punkt sollten sie die Verantwortung für ihre "alternativlosen" Fehlentscheidungen übernehmen.

    Wetten, dass alle verantwortungslosen Politiker auf diesem Ohr gemeinsam taub sind?

  • Doch, Deutschland rettet alle. Das ist alternativlos

  • "Deutschland alleine kann Euro-Zone nicht retten"

    Das macht doch Hoffnung!

  • >> Deutschland alleine kann Euro-Zone nicht retten >>

    Deutschland muss zur Zeit die Ukraine retten.

    Anschliessend muss es sich selbst retten.

    Für die ERUtopia hat Deutschland keine Eier in der Hose !

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