Analysten hatten die Entscheidung erwartet
EZB lässt Leitzins unverändert

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält trotz der hohen Inflationsrate die Leitzinsen konstant.

HB FRANKFURT. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen in der Euro-Zone am Donnerstag wie erwartet unverändert gelassen. Wegen wachsender Verunsicherung über die Aussichten für Konjunktur und Preisniveau wird die Zentralbank nach Einschätzung vieler Experten mindestens noch einige Monate mit einer Zinserhöhung abwarten.

Der für die Refinanzierung der Geschäftsbanken maßgebliche Schlüsselzins betrage weiterhin 2,00 %, teilte die EZB in Frankfurt mit. Alle 64 von Reuters befragten Bankvolkswirte hatten mit dieser Entscheidung gerechnet. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet wird sie ab 14.30 Uhr vor der Presse erläutern. Mehrere EZB-Ratsmitglieder hatten zuletzt verdeutlicht, dass sie im Ölpreisanstieg eine größere Gefahr für die Konjunktur sehen als für die Preisstabilität. Zugleich rückten sie nicht von ihrer Erwartung eines Rückgangs der Teuerungsrate unter zwei Prozent im kommenden Jahr ab. Damit besteht vorerst kein Grund für ein Ende der Niedrigzinspolitik.

Viele Bankvolkswirte haben den erwarteten Termin für die erste geldpolitische Straffung seit dem Boomjahr 2000 verschoben, zum Teil weit ins nächste Jahr. Am Geldmarkt wird damit erst im dritten Quartal 2005 gerechnet. Die EZB habe gute Gründe, eine neutrale Haltung zu bewahren, sagte Gregor Beckmann, Volkswirt von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Die Konjunktur werde an Dynamik verlieren und die Inflation im Rahmen bleiben. Trichet werde deshalb auf der Pressekonferenz die Risiken für die Konjunktur womöglich stärker betonen und auch auf den jüngsten Euro-Anstieg eingehen.

Die Wirtschaft ist zwar seit Mitte vergangenen Jahres auf Erholungskurs, doch der unablässige Ölpreisanstieg hat das Wachstum etwas gedämpft und die Aussichten für einen stärkeren Aufschwung verschlechtert. Seit Jahresbeginn verteuerte sich ein Barrel der führenden Nordsee-Ölsorte Brent in der Spitze um rund 70 % auf fast 52 Dollar, zuletzt kostete es 47,45 Dollar. Öl-Experten erwarten für 2005 inzwischen im Schnitt einen Preis von 37 Dollar. „Die jüngsten Daten belegen, dass die Konjunktur nicht so stark Tritt fasst, wie man sich das vorgestellt hat“, sagte Beckmann und verwies etwa auf den Rückgang des Auftragseingangs in der deutschen Industrie im September.

Die EU-Kommission prognostiziert für das dritte und vierte Quartal einen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von jeweils 0,4 % zum Vorquartal nach 0,5 % in den ersten beiden Vierteljahren. Banken und Forschungsinstitute haben ihre Prognosen für 2005 auf zwei Prozent oder etwas darunter reduziert, während der EZB-Stab im September noch 2,3 % im Mittelwert voraussagte. Trichet hatte aber schon vor einem Monat gesagt, die Zentralbank erwarte ein gleichbleibendes Wachstumstempo und keine Beschleunigung mehr.

Die Inflation hält sich angesichts des moderaten Wachstums in Grenzen und wird vor allem vom Ölpreis über Raten von zwei Prozent getrieben. Im Oktober erreichte sie mit 2,5 % den höchsten Stand des Jahres. Der Preisdruck aus der Binnenwirtschaft blieb dagegen gering, die Löhne wurden nicht zum Ausgleich für die kaufkraftdämpfende Energieverteuerung übermäßig angehoben. Somit ist es noch nicht zu den so genannten Zweitrundeneffekten gekommen, die nach Befürchtung der EZB die Preisstabilität gefährden könnten. Außerdem würde der jüngste Anstieg des Euro auf Dauer wie eine Zinserhöhung wirken, denn er belastet den Wachstumsmotor Export und dämpft die Importpreise. Der Euro hat mit Kursen um 1,28 Dollar fast seinen am Jahresanfang markierten Höchststand von 1,29 Dollar erreicht.

Die Zentralbank ließ auch den Zinskorridor für den Geldmarkt unverändert. Die Sätze dafür betragen weiterhin 1,00 % für Übernachteinlagen der Banken bei der EZB und 3,00 % für Übernachtkredite.

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