Analysten keineswegs überrascht
Teure Energie treibt Erzeugerpreise in die Höhe

Die deutschen Erzeugerpreise sind im September wegen hoher Energiekosten so stark gestiegen wie seit viereinhalb Jahren nicht mehr.

HB WIESBADEN. Die Jahresteuerungsrate für Erzeugerpreise gewerblicher Produkte habe 4,9 (August: +4,6) Prozent betragen, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mit. Das ist der höchste Wert seit April 2001 (ebenfalls 4,9%). Gemessen am Vormonat kletterten die Erzeugerpreise um 0,4 (0,3) Prozent. Volkswirte hatten eine Jahresteuerungsrate von 4,9 Prozent und einen Anstieg von 0,5 Prozent im Monatsvergleich.

Hauptgrund für den erneuten Anstieg der Erzeugerpreise war wie schon in den Vormonaten die anhaltende Verteuerung von Energie. Die Kosten erhöhten sich um 0,7 Prozent zum Vormonat und um 17,1 Prozent zum Vorjahr. Wegen der Hurrikan-Schäden in den USA stiegen die Preise für Mineralölerzeugnisse wie Benzin und Diesel auf neue Rekordstände. Sie legten um 2,9 Prozent zum August zu und waren damit um 20,8 Prozent teurer als im Vorjahr.

Der erneut starke Anstieg der Erzeugerpreise kam nicht überraschend. 30 von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten mit einer Monatsrate von 0,4 Prozent und einer Jahresrate von 4,8 Prozent gerechnet. Ralph Solveen von der Commerzbank sagte, für die nächsten Monate sei nicht mehr mit einer so hohen Inflation zu rechnen. Er gehe davon aus, dass der Rohölpreis auf dem gegenwärtigen Niveau verharren werde. Derzeit kostet ein Fass (rund 159 Liter) der führenden europäischen Sorte Brent rund 60 Dollar und damit 60 Prozent mehr als zu Jahresbeginn.

Drastische Preissteigerungen verzeichneten die Statistiker auf der Erzeugerebene bei allen Energieträgern. So kostete Benzin auf dieser Preisstufe 4,6 Prozent mehr als im August und knapp 17 Prozent mehr als vor einem Jahr. Leichtes Heizöl verteuerte sich zum Vormonat um 2,3 Prozent und um knapp 39 Prozent zum September 2004, Flüssiggas verteuerte sich zum August um fast 16 Prozent und zum Vorjahresmonat um 23 Prozent.

Solveen sagte, er rechne nicht damit, dass der Preisanstieg auf der Erzeugerpreisstufe die Verbraucherpreise noch stärker antreiben werde als ohnehin. Im September waren die Verbraucherpreise um 2,5 Prozent gestiegen und damit so stark wie seit vier Jahren nicht mehr. Auch die an Großhändler gezahlten Preise hatten um 3,6 Prozent zum Vorjahres-September zugelegt. „Bei den Verbraucherpreisen haben wir die Anstiege beim Ölpreis ja schon gesehen - da ist nicht mehr viel in der Pipeline“, sagte Solveen. Erste Preisdaten aus den Bundesländern für Oktober werden nächste Woche erwartet. Solveen sagte, möglicherweise könne die Teuerungsrate sogar etwas zurück gehen.

Wegen der von den hohen Energiepreisen ausgelösten starken Verbraucherpreisanstiege hat die Europäische Zentralbank wiederholt und energisch vor Zweitrundeneffekten wie zu hohen Lohnerhöhungen gewarnt, die die Inflation verfestigen könnten. Als nächste große Gewerkschaft verhandelt die IG Metall im Frühjahr über einen neuen Gehaltstarifvertrag. Solveen sagte, sollte die Gewerkschaft für die 3,2 Millionen Beschäftigten eine Lohnsteigerungen von 3,5 Prozent wie zuletzt in der Stahlindustrie durchsetzen, wäre der Zweitrundeneffekt da: „Spätestens dann hätten wir die EZB auf den Barrikaden.“

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