Analysten zurückhaltend
Wirtschaft der Euro-Zone wächst wieder

Die Europäische Kommission erwartet eine allmähliche Wachstumsbeschleunigung in den kommenden Monaten - und damit eine Entwicklung wie in den vergangenen Monaten. Volkswirte warnten am Freitag allerdings vor übertriebenen Konjunkturerwartungen. Da die wirtschaftliche Erholung insbesondere vom Export getrieben sei, werde sie vom starken Euro gebremst.

HB BRÜSSEL. Außerdem werde die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit weiter die Konsumausgaben und damit die gesamte Binnennachfrage dämpfen, sagten Analysten. Angesichts der eher verhaltenen Erholung werde die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen noch auf absehbare Zeit auf dem derzeit historisch niedrigen Niveau halten.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des aus zwölf Ländern bestehenden Währungsraums legte im dritten Quartal im Vergleich zu den vorangegangenen drei Monaten mit 0,4 % zu, wie das Statistikamt Eurostat mitteilte. Der Anstieg war der stärkste auf Quartalsbasis seit dem zweiten Vierteljahr 2002 und lag über der durchschnittlichen Prognose von Volkswirten von 0,3 %. Die Schätzung war nach ermutigenden Daten aus Deutschland und Frankreich, den beiden größten Volkswirtschaften der Euro-Zone, zuletzt sogar angehoben worden. Im zweiten Quartal dieses Jahres war das BIP noch um 0,1 % geschrumpft. Im Vorjahresvergleich ergab sich im dritten Quartal ein Plus von 0,3 %.

Die EU-Kommission wertete die Daten als Beleg dafür, dass die Wirtschaft des Währungsraums das Schlimmste überstanden hat. Für das laufende Schlussquartal erwartet die Brüsseler Behörde ein Wachstum zwischen 0,2 und 0,6 % und für das erste Vierteljahr 2004 ein BIP-Plus zwischen 0,3 und 0,7 %. Ein Eurostat-Vertreter sagte: „Es gibt klare Anzeichen, dass sich alle wichtigen europäischen Länder erholen, und das ist der jetzige Trend.“

Volkswirte bezeichneten das Wachstum im dritten Quartal zwar als ermutigend, wiesen zugleich aber auch auf mögliche Konjunkturbremsen hin. „Die Aussichten für eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung sind günstig“, urteilten Analysten der Commerzbank. Trevor Williams von Lloyds TSB in London schränkte allerdings ein: „Die Erholung im nächsten Jahr wird durch die Tatsache zurückgehalten, dass die Währung stärker ist.“ Ein weiterer Hemmschuh sei die hohe Arbeitslosigkeit. Diese werde dazu führen, „dass das Wachstum der Verbraucherausgaben einfach nicht stark genug ist, um der Binnennachfrage einen großen Schub zu geben“. Da die konjunkturelle Belebung in der Euro-Zone nicht sehr kräftig ausfalle, werde die EZB in der Geldpolitik eine abwartende Haltung einnehmen, wahrscheinlich bis zum dritten Quartal kommenden Jahres.

In Deutschland war die Wirtschaft im dritten Quartal nach der zweiten Rezession binnen zwei Jahren wieder um 0,2 % gewachsen, wie am Donnerstag vorgelegte Zahlen zeigten. In Frankreich legte die Wirtschaftsleistung um 0,4 % zu. Wie die deutsche ließ auch die italienische Wirtschaft die Rezession im ersten Halbjahr hinter sich. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone wuchs im vergangenen Vierteljahr nach Daten vom Freitag stärker als von Volkswirten erwartet mit 0,5 %. Das ist in Italien die höchste Wachstumsrate auf Quartalsbasis seit dem ersten Vierteljahr 2001.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%